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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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236 :elt Nr. 8 setzt, nämlich eigenen Boden, territoriale Beschränktheit . . . Wir, die Idealisten und Narren — diese beiden Begriffe werden für identisch gehalten — wollen wieder ein Land haben und seßhaft werden, wir wollen einfache Bauern im vollen Sinne des Wortes sein!“ „In Palästina wird eine ganz andere Sprache gesprochen, die Sprache der werdenden Nation und der alten Nation.“ Die Wahl des Dr. Joseph Hertz zum Chief Rabbi (Von unserem Berichterstatter.) London. Die Wahl des Dr. Joseph Hertz, Rabbiner der Orach- Chaim-Synagoge in New York, zum Chief Rabbi der jüdischen Gemeinden des britischen Reiches, fand diesen Sonntag statt. Dr. Hertz, der erst 41 Jahre alt ist, ist Ungar von Geburt, wurde aber seit seinem 12. Jahre in Amerika erzogen und ist ein Zögling des Jewish Theological Seminars in New York. Nach einer fünfjährigen Amtstätigkeit in Syracuse, wurde er in Johannesburg (Südafrika) angestellt, und nach 13 Jahren wurde er wieder von einer amerikanischen Gemeinde, der Orach Chaim Synagoge, nach New York berufen. In zionistischen Kreisen ist Dr. Hertz bekannt, da er in Südafrika fünf Jahre lang, von 1899 bis 1904, stellvertretender Vorsitzender der südafrikanischen zionistischen Föderation war. In der Wahlversammlung, die am Sonntag in London unter dem Vorsitz von Lord Rothschild stattfand, wurde Dr. Hertz mit 298 Stimmen gewählt. Auf Dr. Hyamson fielen 39 Stimmen. In der Wahlversammlung waren über 80 Delegierte anwesend, die die genannten Stimmenzahlen repräsentierten. Somit endet eine der erregtesten und schwersten Episoden, die die englische Judenheit seit Jahren bewegt hat. Seit dem Tode Dr. Hermann Adlers vor anderthalb Jahren war die Frage der Nachfolge das Tagesgespräch unter den Juden, und wurde auch lebhaft in der allgemeinen Presse erörtert. Die erste Schwierigkeit, die sich bot, war die äußerst kleine Zahl derjenigen, die ernstlich für das verantwortungsvolle Amt in Betracht gezogen werden konnten. Daß der Chief Rabbi, wenn er auch nicht Engländer zu sein brauchte, doch mit der englischen Sprache und den englischen Verhältnissen vertraut sein müßte, wurde von Lord Rothschild, dem Vorsitzenden des Wahlkomitees, entschieden betont. Von Dänemark bis zur Türkei wurde nach einem Kandidaten für den Posten gesucht, aber das Heil sollte aus Amerika kommen. Ganz abgesehen von diesem wichtigen Einzelfall, können wir nicht umhin, die Wahl eines Amerikaners für den Londoner Rabbinatsitz, den eine so berühmte Rabbinerdynastie wie die der Adler inne hatte, als ein Zeichen des wachsenden amerikanischen Einflusses im jüdischen Leben zu betrachten. War doch auch Dr. Bemard Drachman, dessen Kandidatur für den Chief Rabbi-Posten endgültig gesichert schien, Amerikaner, sogar in Amerika geboren. Der neue Rabbiner-Typus in den angelsächsischen Ländern ist eben nicht mehr c' - Talmudgelehrte der alten Zeit, der in Schass und Poskim Hause war, für das moderne Leben aber oft wenig Interesse und Verständnis hatte. Der alte Nathan Marcus Adler schrieb einen bekannten Kommentar „Nethinah Lager“ über den Targum Onkelos, aber sein Sohn Hermann, obwohl er selbst auch noch zum alten rabbinischen Schlag gehören wollte, fand schon keine Zeit für irgendwelche bedeutende literarische Arbeit, wenngleich er ein würdiger Ab Beth Din und im jüdischen Gesetz und Schrifttum gut bewandert war. Man braucht nicht die Tragweite der Wahl eines Chief Rabbi zu überschätzen, aber die Tatsache, daß beide Kandidaten, Dr. Hertz und Dr. Hyamson, nicht durch ihre prinzipielle Stellungnahme, sondern durch ihre persönlichen Eigenschaften den Ausschlag gaben, liefert den besten Beweis, daß wir die Spaltungen im englischen Judentum nicht gar zu ernst aufzufassen haben. Nach der Wahl Dr. Hertz’ wurde ihm eine Vertrauenskundgebung dargebracht, gegen die nur zwei von den 83 Mitgliedern des Wahlkollegiums stimmten. Die festgefügte United Synagogue, mit Rothschild an der Spitze, die den Chief Rabbi und seinen Beth Din fast ganz selbständig unterhält, ihre Dienste hingegen allen ohne Einschränkung zur Verfügung stellt, hat eine sehr bedeutende Macht in den Händen. Doch bedeutet das Ende der Adlerdynastie den Abschluß einer Epoche im englischen Judentum. Der Chief Rabbi repräsentierte in seiner Person das ganze Rabbinat, und nur in den letzten Jahren wurden einige Rabbiner in der Provinz als rabbinatsfähig anerkannt. Mit der ungeheuren Ausdehnung der Gemeinde, die sich in den letzten 30 Jahren vervier- oder verfünffachte, mußte endlich eine Aenderung eintreten, und sogar die englischen Ministers (Kultusbeamte) verlangten immer dringlicher nach größerer Anerkennung als vollberechtigte Mitglieder des Rabbinats. Mit dem Tode Dr. Hermann Adlers glaubten diese Herren, daß ihre Stunde gekommen sei, und noch vor ein paar Wochen verlangten sie, freilich vergeblich, die Verschiebung der Wahl. Ihr Einfluß, trotzdem er noch sehr gering ist, wird wohl mit der Zeit erstarken; es ist aber nicht mit irgendwelchen religiösen Aenderungen zu rechnen (das englische Judentum bleibt nominell und offiziell auf dem Standpunkt der Orthodoxie), sondern mit einer hierarchischen Entwicklung, die anderswo nicht ihresgleichen hat. Eine jüdische Munizipalität in Fez (Von unserem Berichterstatter.) Paris. Die schrecklichen Verwüstungen und Greüeltaten, die gelegentlich des letzten Aufstandes in Fez im dortigen Judenviertel angerichtet wurden, sind noch in allgemeiner Erinnerung. Infolge des energischen Eingreifens des Herrn E1 - m a 1 e h, Direktors der Allianceschule, haben die Juden endlich eine Entschädigung seitens der Regierung erhalten. Ein weites Terrain, neben dem alten Judenviertel, wurde ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt, so daß das neue Viertel in größerer Ausdehnung als das frühere wieder aufgebaut werden kann. Außerdem erhalten die Geschädigten voraussichtlich auch ihren Verlust in bar ersetzt. Ferner hat, was sowohl für die weitere Entwicklung des Judenviertels als auch besonders für die Hebung des Ansehens der Juden in den Augen der Eingeborenen von größter Bedeutung ist, der französische Generalresident im Einvernehmen mit dem Maghzen die Schaffung einer eigenen Munizipalität für das Juden viertel angeordnet. Derselben gehören der Pascha von Fez als Präsident, der Direktor der Allianceschule als Sekretär, der Naib sowie sechs von den Juden gewählte Mitglieder an. Damit diese Behörde ihren Zweck erfüllen kann, wird ihr ein Zehntel der Einnahmen der Stadt Fez zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise soll sie für alle öffentlichen Arbeiten und speziell für eine Poliklinik und das Schulwesen sorgen. Unlautere Agitation gegen das Schächten Aus Elberfeld wird uns berichtet: Am 4. Februar ließ im Viehhof der Elberfeld benachbarten Stadt Lennep der Schlachthofdirektor Klein in Gegenwart des Sanitätsrats Dr. R a m d o h r aus Leipzig (beide Herren sind durch ihre Agitation gegen das Schächten bekannt) Probeschlachtungen nach Art des rituellen Schächtens vornehmen. Die benachbarten Sachverständigen, so z. B. die Schlachthofdirektoren von Cöln, Elberfeld und anderen Städten hatten hierzu Einladungen erhalten. Ein jüdischer Viehhändler aus Lennep, der bei den Vorgängen auf dem Schlachthofe zugegen sein sollte.

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