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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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8NTr. 10000 Frs. Ferner sind die Maßnahmen vorbereitet worden, welche notwendig werden, sobald Adrianopel dem Verkehr wieder eröffnet sein wird. Die Organisation dieses Hilfswerks wird von der Konstantinopeler Kommission in Zusammenarbeit mit der von Sofia zu besorgen sein; die ersten Lebensmittel werden auf dem Wege über Sofia in die Stadt geschafft werden. In Konstantinopel treffen seit Wiederausbruch des Krieges neue Flüchtlinge ein, und zwar aus Gallipoli, das jetzt das Zentrum der Kriegsoperationen darstellt. Wenn die Nachricht des „Osmanischen Lloyd“ sich bewahrheitet, derzufolge sämtliche Einwohner der europäischen Marmaraküste durch das osmanische Militärkommando, das ja augenblicklich die Küste in seiner Gewalt hält, auf das asiatische Ufer hinübertransportiert werden sollen, so hat man mit einem neuen und großen Strom von Kriegselenden zu rechnen, die natürlich nach der Hauptstadt hinüberfluten werden. Schon jetzt sind Hilferufe aus Rodosto durch Vermittlung des dortigen Alliancedirektors und aus Gallipoli vonseiten der Gemeinde an die Zentralkommission eingetroffen. In Gallipoli sind es zwanzig von den umliegenden Dörfern in die Stadt geflohene Judenfamilien, welche, dem Hunger ausgeliefert, sich an die öffentliche Wohltätigkeit wenden. Die Kommission hat beschlossen, einstweilen, wenn die Verbindung herstellbar ist, 500 Frs. an jede der beiden Städte zu überweisen und nach eingehender Erkundung, falls notwendig, weitere Hilfsbeträge folgen zu lassen. Eine neue Geldsammlung in der Gemeinde von Galata- Pera zugunsten der Kriegsflüchtlinge ist in vollem Gange. Konstantinopel will mit dieser neuen Anstrengung der Weisung der Delegation folgen, die wiederholt betont hat, daß die Gemeinde für ihr Hilfswerk um so größere Unterstützung von draußen her zu erwarten hat, je mehr Eifer sie selbst beweist und je größere Erfolge sie selbst aufzuweisen hat. Die Konstantinopeler Gemeinde Die Kriegsereignisse, wie die vielfachen Bemühungen zur Linderung der Kriegsnöte, haben seit lange die öffentliche Aufmerksamkeit von den hiesigen Gemeinde-Angelegenheiten abgelenkt. Und doch wird sie über kurz oder lang wieder einmal zu ihnen zurückkehren müssen, wenn nicht ein allgemeines Debade das Ende sein soll. Die Maschinerie der Gemeinde funktioniert nämlich gar nicht. Der Kompromiß-Medschliss, die Folge der bekannten langen und wilden Kämpfe, hat sich als unfruchtbares Produkt erwiesen. Das Prinzip der „Notabeln" ist in ihm immer noch allzu stark in Geltung gelassen, und so kommt es, daß es an den wirklich arbeitsfähigen, arbeitswilligen Kräften in ihm durchaus mangelt. Die freiwilligen Steuern bleiben fast völlig aus, die Gabeliah, die Haupteinnahmequelle der Gemeinde, ist ganz und gar desorganisiert, die Gemeinden und Schulen, die aus der Großgemeinde gespeist werden müssen, erhalten ihre Subventionen nicht, das Gebäude des Großrabbinates kann die Zinsen für die zu seinem Ankäufe übernommene Anleihe nicht bezahlen, und gerade wie in den hohen Sphären der Staatsbeamtenschaft droht den vielen Beamten der Gemeinde, all den armen Chachams, Schächtern, Lehrern und Bureaubediensteten das Gespenst der Nichtbezahlung ihrer Gehälter. Es gäbe ein Mittel, um diesen vielfachen Uebeln einigermaßen abzuhelfen. Das wäre die seit mehreren Jahren geforderte Neueinführung von brauchbaren und arbeitsfähigen Elementen in die große Nationalversammlung, aus deren Mitte die eigentlichen Leiter der Gemeinde, die Mitglieder des Dschismani, entnommen werden. Dazu wäre aber die Neuwahl eines Fünftels der Männer dieser Nationalversammlung erforderlich, die übrigens gesetzmäßiger Weise schon im Dezember vorigen Jahres hätte stattfinden müssen. Aber es stehen dem gewisse Widerstände im Wege. Der Großrabbiner hatte nämlich vor zwei Jahren, als der gesamte große Medschliss erneuert wurde, infolge der Proteste des Stadtteiles Hasköj 233 gegen die zu seinen Ungunsten erfolgten Wahlunregelmäßigkeiten und -beeinflussungen dieser Teilgemeinde versprochen, nach zwei Jahren ihre Kandidaten, die nebenbei bemerkt als durchweg demokratische und nationale bekannt waren, in erster Linie auf den Wahllisten zu empfehlen. Wenn also jetzt die Wahlen stattfinden sollen, so ließe sich die Einführung dieser von gewisser Seite nicht gern gesehenen „jungen“ Elemente nicht mehr verhindern. Rabbi Nahum weigert sich daher, zu den Neuwahlen zu schreiten, indem er geltend macht, daß die jetzigen politisch-kritischen Zeiten die Zusämmenberufung der Nationalversammlung nicht erlaubten. Dieses' Raisonnement hat, obwohl es durch die zahlreichen Sitzungen der großen Nationalversammlungen der Griechen und Armenier widerlegt wird, doch die Billigung des schwächlichen Dschismani gefunden, und es bleibt bei der Verhinderung der Wahlen. Da also auf diesem Wege eine Erneuerung und Auffrischung des Medschliss Dschismani nicht möglich ist, andererseits aber das Großrabbinat sich von den Geldsorgen aufs Aeußerste bedrängt sieht, so sucht Rabbi Nahum auf andere Art und Weise die verfahrene Maschine der Gemeinde wieder in Gang zu bringen. Er bemüht sich, eine Reihe von unverbindlichen Kommissionen zu bilden, die die Arbeiten übernehmen sollen, während der untätige Medschliss die Ehren einheimsen wird, wenn sie Erfolg zeitigen werden. So soll eine Kommission der ausländischen Mitglieder der Konstantinopeler Gemeinde geschaffen werden, die sich mit der Geldbeschaffung, insbesondere für das gefährdete Großrabbinatsgebäude, befassen soll, und eine Spezialkommission für die Gabeliah. Die erste Kommission begegnet in der Oeffentlichkeit großer Kritik, weil sie durch persönliche Berufungen seitens des Großrabbiners recht einseitig in antinationaler Weise zusammengesetzt wird, die zweite, in die angesichts der Arbeit, die ihr bevorsteht, dieselben Leute berufen wurden, die in die Nationalversammlung einzulassen man verhindert, konnte wegen Ablehnung der Berufenen noch nicht gebildet werden. Man darf neugierig sein, wie dieses Labyrinth sich entwirren wird, wenn nicht endlich doch der Gerechtigkeit und dem gesunden Menschenverstände freier Spielraum gelassen werden wird. Die wirtschaftliche Krisis (Von unserem Berichterstatter.) Nicht überall dürfte bekannt sein, daß die russische Judenheit gegenwärtig eine überaus schwere wirtschaftliche Krisis durchzumachen hat. Dieser Notstand ist so groß, daß hierzulande sogar das Interesse an der politischen und rechtlichen Lage in den Hintergrund rückt. Freilich steht die wirtschaftliche Kalamität in engem Zusammenhänge mit dem gegenwärtigen Kurs in der inneren Politik. Die Hypertrophie des immer mehr zum höchsten Grundsatz der Staatsweisheit sich entwickelnden judenfeindlichen Hurrahpatriotismus hat im abgelaufenen Jahre der russischen Judenheit Schlag auf Schlag versetzt und ihre bescheidenen wirtschaftlichen Positionen heftig erschüttert. In erster Reihe hatte der jüdische Handel zu leiden. Die Devise von der „Nationalisierung des Handels“ hat es vornehmlich auf die Vernichtung des jüdischen Vermittlerdienstes im wirtschaftlichen Leben abgesehen. Im Sinne dieser Bestrebungen wachen unsere diensteifrigen Behörden ängstlich darüber, daß den Juden keinerlei wirtschaftliche Aufträge für die Zwecke des Staates und der Munizipalitäten erteilt werden. Und so werden denn Tausende und aber Tausende Juden, die als Bauunternehmer und Lieferanten für die verschiedenen Verwaltungszweige des Staates und der Gemeinden arbeiteten, einfach brotlos gemacht. Noch schwerer fallen die mannigfachen neuen Rechtseinschränkungen ins Gewicht, die darauf ausgehen, die wirtschaftliche Lebensader des Ansiedlungsrayons völlig zu unterdiesqEelt

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