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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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232 Nr. 8 DIES^KELT das Gebot der heiligen Thora heilig hält, welches fordert: ein Gesetz, ein Recht sei Euch und den Fremden, sollte doch die Hille 1 s c h e Regel: Was Du nicht willst, das Dir geschieht, füge keinem Andern zu, aus praktischer Klugheit beachten. Die Logik dieser Maßregelung ist ähnlich der Logik, von welcher der Wolf gegenüber dem Lamm Gebrauch macht. Ihrem Kampfe für die Unterdrückten besten Erfolg! Hochachtungsvoll Oberrabbiner Dr. M. Lerne r.“ Was in diesem Brief gesagt wird, müssen alle wahren Juden unterschreiben. Der für unsere Zeit höchst charakteristische Versuch einiger Gemeinden, die Einheit des Judentums immer mehr zu zerstören und die ausländischen Juden als minderwertige Fremdlinge zu behandeln, muß auf das schärfste bekämpft werden. Eine jüdische Bürgergarde (Von unserem Berichterstatter.) Konstantinopel. Die jüdischen Söhne des gefährdeten osmanischen Vaterlandes erhalten eine neue Gelegenheit, ihre treue und aufopferungsfähige Gesinnung zu beweisen. Die Regierung Mahmud Schefket Paschas, eingesetzt in einem plötzlichen patriotischen Elan zur Errettung des von ihrem Vorgänger bereits aufgegebenen Reiches, weiß diesen Elan weiten Kreisen des türkischen Volkes mitzuteilen. Unter ihrer Aegide hat sich die Organisation der „Nationalen Verteidigung“ gebildet, die alles aufruft und zusammenzuschließen sucht, was dem Lande aus dem allgemeinen Debacle noch geblieben ist. Und tatsächlich wird seit einer Reihe von Tagen ein schon ganz ungewohntes Leben und Treiben allerorten sichtbar, die Freiwilligen strömen neuerdings heran, Geldsammlungen werden mit fieberhaftem Eifer betrieben, die Frauen selbst — man bedenke, die vielgelästerten, eingeschlossenen, für vollkommen minderwertig gehaltenen türkischen Frauen — treten auf den Plan, spenden, wie einst die preußischen Frauen von 1813, all ihren Schmuck, an dem sie mit so kindlicher Zärtlichkeit hängen, um daraus Münze für den Altar des Vaterlandes zu schlagen. In diesen bedeutungs- und verhängnisvollen Tagen, da die türkische Reichsenergie sich noch einmal aufraffte, wurde auch der Gedanke ins Volk geworfen, in der Hauptstadt eine Bürgergarde zu gründen, die die bisher im Dienste der öffentlichen Ordnung der Stadt verwandten regulären Truppen abkömmlich machen und den Wachdienst in den Straßen übernehmen könnte. Dieser schöne Gedanke ist zu allererst und am eifrigsten von den Konstantinopeler Juden aufgegriffen worden. Der Großrabbiner, an den sich das Komitee der „Nationalen Verteidigung“ mit der Bitte um Organisierung des Unternehmens innerhalb des jüdischen Elementes gewandt, hatte, fand nicht' die geringste Schwierigkeit, sich seiner Aufgabe zu entledigen. Er hatte aber auch die gute Eingebung, sich an die rechte Stelle zu wenden, damit der Gedanke zur Tat werde. Er ließ nämlich den Präsidenten des nationaljüdischen Turnvereins „Makkabi“ kommen, desselben Makkabi, der vor genau zwei Jahren, als der Großrabbiner in plötzliche und unerklärliche Gegnerschaft zu ihm geriet, als antipatriotisch, ja als anarchistisch verschrieen worden war. Die ganze Stadt hat nun Gelegenheit, diesen Antipatriotismus am Werke zu Der „Makkabi“ hat sofort ein eigenes Komitee zur Gründung der jüdischen Abteilung der allgemeinen Bürgerwehr eingesetzt und eine ganze Serie von Veranstaltungen getroffen, die dazu dienen sollen, das Volk über seine vaterländische Pflicht und über den Charakter des Unternehmens aufzuklären. Fast jeden Abend finden in allen jüdischen Stadtvierteln, in denen der „Makkabi“ seine Arbeitszentren hat, patriotische Meetings statt. Redner in türkischer, hebräischer und spaniolischer Sprache reißen die Jugend fort, und die Listen, die zur Eintragung in die Bürgerwehr auffordern, füllen sich mit Unterschriften. Die ersten Namen waren natürlich die der Mitglieder des makkabistischen Zentralvorstandes selber, und Getreue aus allen Sektionen folgten. Die großartigste dieser Kundgebungen war die am vergangenen Dienstag Abend in der Makkabihalle zu Pera. Unter den Rednern war es besonders unser Gesinnungsgenosse David Elnecave, der außerordentlichen Enthusiasmus erregte. Seine Rede wurde fast im Wortlaute von den bedeutendsten jungtürkischen Organen, wie dem „Tanin“ und dem „Taswir Efkiar“ wiedergegeben, die nicht Worte genug finden, um die Vaterlandsliebe der Juden als vorbildlich für alle osmanischen Bevölkerungselemente zu preisen. Die Leitung des „Makkabi“ hat auch die notwendigen Schritte getan, um die jüdischen Inhaber von Geschäften und Bureaus, in denen jüdische junge Leute tätig sind, zu veranlassen, daß sie denjenigen ihrer Angestellten, die in die Bürgerwehr eintreten wollen, Urlaub unter voller Weiterzahlung der Gehälter und womöglich noch weitere Erleichterungen in ihrem patriotischen Tun gewähren. Sie hat dabei bis jetzt ein volles Verständnis und weites Entgegenkommen seitens der Patrone gefunden. Es bleiben jetzt nur noch einige Einzelheiten im Verhältnis der neuen Organisation zu den Organen der Regierung zu ordnen. Es müssen vor allem ausreichende Garantien dafür geschaffen werden, daß die jungen Leute, die nun die Uniform anziehen und die Wache der öffentlichen Sicherheit antreten werden, nicht eines Tages unvermutet den Befehl erhalten, gegen den Feind ins Feld zu rücken. Es werden fast sämtlich entweder Minderjährige oder dem Dienstalter bereits Entwachsene sein, die in die Garde eingereiht werden oder solche, die einen großen Teil ihres Vermögens an den Staat gezahlt haben, um nicht ihren Familien, deren einzige Stützen sie sind, entrissen zu werden. Es verlautet, daß die Regierung bereit sein soll, die in dieser Hinsicht notwendigen Garantien zu geben. Eine zweite Frage ist die, in welchen Stadtteilen unsere Jungmannschaft ihren Dienst wird versehen müssen. Das Stadtkommando möchte ihr ohne jede Rücksicht den Platz jeweilig bestimmen, der ihr recht dünkt; die jüdische Organisation dagegen besteht darauf, ihre Trupps in denjenigen Stadtteilen stationiert zu sehen, in denen sie daheim sind; sie kennen diese Stadtteile und ihre Bevölkerungen am besten und können daher in ihnen die besten Dienste leisten. Zweifellos werden diese offenen Punkte zur gegenseitigen Zufriedenheit geregelt werden, so daß sofort mit der Einkleidung und dem Dienstantritte wird begonnen werden können. Man ist allgemein überzeugt, daß unsere Makkabisten und die von ihnen Geführten unserer Nation in der Ausführung dieser schönen patriotischen Idee eben so viel Ehre machen werden, wie in' ihrer Propagierung und Vorbereitung. In der vergangenen Woche haben in den großen Synagogen von Balat und Hasköj feierliche Gottesdienste mit Gebeten für den Erfolg der türkischen Waffen stattgefunden. Diese Feiern, die von einer wahren Jomkippur - Stimmung erfüllt waren, haben auf alle Anwesenden, einen tiefen Eindruck hinterlassen. In der vergangenen Woche haben in den großen Synagogen Sammlungen für die „Nationale Verteidigung“ eingeleitet worden. Für die Plazierung der von der Regierung ausgegebenen Bons de Tr&or unter der jüdischen Geschäftswelt ist eine eigene jüdische Kommission gebildet worden. Das Hilfswerk Die jüdische Hilfsdelegation ist nach Vollendung ihrer Mission wieder abgereist. Sie hat die Deckung der Hauptkosten für die jüdischen Flüchtlinge für eine Zeit von vorläufig vier Wochen übernommen. Sie betragen pro Woche

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