Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Nr. 7 DIE3q£ELT 210 redung, die er vor einiger Zeit mit dem Leiter des Unternehmens, Herrn J. Markon, hatte, sprach er im Gegenteil seine Ueberzeugung aus, daß ein solches nationales Werk nicht von einem einzelnen ausgehen dürfe, sondern, daß ein Kollegium der hervorragendsten jüdischen Gelehrten aller Länder an die Spitze des Unternehmens treten müßte. Er wendet sich in scharfen Worten gegen die sonderbare Art, wie Herr Markon das jüdische Volk selbstherrlich mit einer Enzyklopädie beschenken will und wie er seinen Namen und den anderer Gelehrter und Schriftsteller mißbraucht. Zum Schlüsse bittet Bialik die jüdische Presse, ihren Lesern von dieser seiner Verwahrung Kenntnis zu geben. Auch der Redakteur der hebräischen Tageszeitung „Hasman‘% B. Katz, greift in Nr. 18 dieses Blattes das Markonsche Unternehmen heftig an und wirft Herrn Markon vor, seine Absicht sei nicht, etwas Positives zu schaffen, sondern zu zerstören. In Petersburg bestehe schon seit längerer Zeit ein Komitee zur Herausgabe einer hebräischen Enzyklopädie, an dessen Spitze der bekannte und für ein derartiges Werk hervorragend befähigte hebräische Schriftsteller Dr. J. L. Katzenelson steht. Dieses von zahlreichen berufenen Gelehrten und Schriftstellern geförderte großzügige Projekt wolle nun die neue „Konkurrenzgründung“ des Herrn Markon, die gar nicht ernst zu nehmen sei, hintertreiben. Wenn die namhaften Vertreter der jüdischen Literatur und Wissenschaft, die in dem Prospekt als Mitarbeiter genannt sind, von diesen Machenschaften Kenntnis erlangt hätten, würden sie ihre Mitwirkung sicherlich versagt haben. — Unser geschätzter Gesinnungsgenosse Boris G o 1 d b e r g in Wilna würdigt in Nr. 23 des „Hasman“ das jüngste Abkommen der Ica mit der P. L. D. C. betreffs Gewährung eines größeren Darlehens zum Ankauf von Ländereien in Judäa und Samaria. Herr Goldberg schreibt in seinem „Ein Zeichen der Zeit“ überschriebenen Aufsatz u. a.: „Hierbei ist nicht die Tatsache des Darlehens an sich bedeutsam . . ., sondern der Umstand, daß die Ica sich zum erstenmal mit einer offiziell zionistischen Institution zu gemeinsamer Arbeit verbindet. Während des sechzehnjährigen Bestandes der zionistischen Organisation . . . gab es zwischen diesen beiden Körperschaften keinerlei Berührungspunkte, ja, lange Zeit hindurch offenbarte sich in den gegenseitigen Beziehungen der Leiden Organisationen geradezu offene Feindschaft. . . . Klafft ja ein tiefer Abgrund in der Auffassung der allgemeinen nationalen Aufgaben des jüdischen Volkes zwischen Salomon R e i n a c h oder Claude Montefiore (und selbst zwischen Narcisse Leven oder Martin Philippsohn) und der zionistischen Organisation. Diese tiefe Kluft trat sichtbar hervor in den leidenschaftlichen Worten, die von der Kongreßtribüne herab aus dem Munde Max N o r d a u s , Z a n g w i 11 s und anderer gegen die genannten Männer erklangen. Andererseits machten auch die Pariser Bureaus der Alliance und der Ica kein Hehl von ihrem Haß gegen den politischen Zionismus. . . . Allein auch die Alliance und die Ica konnten auf die Dauer dem überwältigenden Einfluß des Lebens und der öffentlichen Meinung nicht widerstehen. Und obgleich der politische Zionismus noch nicht in allen Kreisen der Judenheit die Herzen erobert hat, so gewinnt doch zweifellos einer seiner vornehmsten Bestandteile, nämlich die kolonisatorische und kulturelle Tätigkeit in Palästina, allmählich die Sympathien aller denkenden Juden, die den Weg zur Selbsterhaltung des jüdischen Volkes suchen. Der Palästinismus dringt in immer weitere Kreise vor und gestaltet sich anscheinend zu einem verbindenden Kettenglied im jüdischen Leben. . . . Diese Annäherung zwischen den zwei mächtigsten jüdischen Organisationen konnte und mußte sich gerade jetzt vollziehen, wo der Palästinismus nicht nur in der Theorie als die Grundlage der zionistischen Bewegung allgemein anerkannt wird, sondern wo auch tatsächlich die besten materiellen und geistigen Kräfte unserer Organisation direkt oder indirekt dem praktischen Palästinawerk geweiht worden sind. .... Vor unseren Augen erringt sich der palästinensische Gedanke Schritt für Schritt die Sympathien der jüdischen Gesamtheit. Der deutsche Hilfsverein baut das Technikum in Haifa, die New Yorker Schiff und Straus bauen sanitäre und landwirtschaftliche Versuchsstationen, die jüdische Gemeinde Wien — bisher eine Hochburg der Assimilation — subventioniert das Hebräische Gymnasium in Jaffa usw. Unter diesem Gesichtspunkte halte ich den ersten Versuch des Zusammenwirkens der Ica mit einer von der zionistischen Organisation begründeten Gesellschaft für eine überaus erfreuliche Tatsache und für ein Zeichen der Zeit.“ Der „Fraind“ in Warschau hat sich bemüßigt gesehen, zwei Artikel gegen den Zionismus im allgemeinen und die „Welt“ im speziellen zu bringen. Der eine dieser Artikel ist harmlos. Sein Verfasser, der Feuilletonist Eliaschoff, hatte offenbar keinen Stoff zum Schreiben. Deshalb sog er sich einiges aus seinen Redaktionsfingern, mischte ein paar von ihm eigens zu diesem Zweck falsch verstandene Sätze aus einem Leitartikel unseres Blattes dazwischen und übergoß dieses Ragout mit der bekannten billigen „Lauge des Spottes“. Es lohnt nicht, gegen die Geistreicheleien des Herrn Eliaschoff zu polemisieren. Der zweite Artikel aber ist bösartig. In der „Hazephira“ war die gegenwärtige Situation besprochen und darauf hingewiesen worden, daß der jetzige Zeitpunkt für Bodenkäufe in Palästina besonders geeignet sei. Hiergegen polemisiert der „F r a i n d“. Er behauptet, die Ausnutzung einer solchen Konjunktur sei unmoralisch. Die Juden dürften nicht daraus Nutzen ziehen, daß die Araber Land verkaufen wollen. So zu lesen in einem Blatt, das angeblich ein jüdisches Blatt ist. Weiter kann die Perversion des politischen und nationalen Empfindens wohl nicht getrieben werden. Frecher kann das Interesse des eigenen Volkes nicht verraten werden, als es in diesem Artikel eines unwissenden Skribenten geschieht, der von den tatsächlichen Verhältnissen in Palästina keine Ahnung hat und dem jedes Verantwortungsgefühl abgeht. Es ist nötig, dieses Vorgehen in der Oeffentlichkeit zu brandmarken und diese Sorte jüdischer Journalisten energisch abzuschütteln. Die Bewegung der deutschen Studenten gegen die „Russen“ wird von der russisch-jüdischen Presse mit lebhafter Aufmerksamkeit verfolgt und vielfach kommentiert. Die „Jüdische Woche“ erörtert in ihrer jüngsten Nummer an leitender Stelle diese Vorgänge, in denen sie eine ernste Bedrohung der nach Bildung strebenden russisch-jüdischen Jugend erblickt, welche wegen der judenfeindlichen Beschränkungen in der Heimat gezwungen ist, sich ausländischen Universitäten zuzuwenden. Von den Abwehrbestrebungen der betroffenen Kreise erwartet das Blatt keine nennenswerten Erfolge. Kleine Mittel könnten gegen eine Volksbewegung nicht viel ausrichten. Eine wirkliche Abhilfe würde nur die Gründung einer jüdisch en Hochschule bringen. Es sei daher notwendig, an die Verwirklichung dieses seit Jahren erörterten Planes endlich heranzutreten. Im „Hajnt“ spottet der bekannte jüdische Dichter J. L. P e r e z über den polnischen „Patriotismus“ der jüdischen Gemeindevorsteher in Warschau, wobei er sich besonders an die Adresse des Herrn Dr. Nußbaum wendet, der seine „Glaubensgenossen“ zur Hingabe an das „Vaterland“ aufruft. In geistvollen Ausführungen setzt Perez auseinander, daß die verschiedenen Klassen der Polen selbst über den Begriff „Vaterland“ nicht einig sind. Während die allpolnische „Elite“ chauvinistische Bestrebungen damit, verknüpft und die Großgrundbesitzer im Namen des „Vaterlands“ die Bauern aus-