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Die Welt · 1913-02-14 · 7 (14.2.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 DIEl^ELT 209 [H REVUE DER PRESSE „Schacharith“ ist der Titel einer neuen hebräischen Halbmonatsschrift, die von Dr. Samuel Eisenstadt in Odessa herausgegeben wird und die geistigen Interessen der nationaljüdischen Jugend pflegen will. Das soeben erschienene erste Heft enthält einen kurzen Programmartikel, aus dem wir folgende Sätze anführen: . . Von zwei Seiten her ist unser Werk in Angriff genommen worden: wir wollen das jüdische Land für das jüdische Volk und das jüdische Volk für das jüdische Land vorbereiten. In dieser für Generationen berechneten Riesenarbeit reichen wir jungen Juden der Diaspora unseren Genossen in Palästina die Bruderhand und künden laut die herzliche geistige Gemeinschaft und die ununterbrochene lebendige Verbindung, die zwischen den beiden Lagern besteht. S i e kämpfen wider die Ruinen des Landes und w i r wider die Trümmer des Volkes; durch diesen Kampf rücken wir einander näher, schließen uns zusammen und werden individuell und national erlöst.“ — Der Redakteur, Dr. S. Eisenstadt, schildert hierauf in einem „Das jüdische Beth-Hamidrasch“ betitelten Aufsatz das Ringen und Sehnen der aus den nationalen Pflanzstätten des alten Beth-Hamidrasch hervorgegangenen nationalen Jugend. „Der größte Sieg der nationalen Bewegung“, meint er, „wird die Eroberung des Beth-Hamidrasch sein, in der Absicht, die Mumien der vergilbten Blätter, die lebensabgewandten Buchmenschen zu überwinden und das jüdische Lehrhaus wieder so umzugestalten, wie es zur Zeit Jabnehs und Bethars dastand: zu einem geistigen Mittelpunkt des kämpfenden Israel, zu einer Sammelstätte für die Massen des Volkes, zu einem Wegweiser in der Lehre des Lebens, die sich auf die sozialen und ethischen Erfordernisse des modernen Judentums gründet. — M. A. S h a c k polemisiert in etwas unklarer Weise, wenn auch im Grunde durchaus zutreffend, gegen die Ausführungen von Dr. Ehrenpreis in seinem Haschiloah-Aufsatz „Fünfzehn Jahre Zionismus“ (vgl. die Revue der Presse in Nr. 3 der „Welt“ d. Js.). — Von den übrigen Aufsätzen des vorliegenden Heftes seien noch hervorgehoben: der kulturgeschichtliche Essay „Historische Umwälzungen“ von J. Kaufmann, die Skizze „Die Tochter des Meeres“ von S. Wigdermann und die Gedichte von M. D. R e m e s, N. Grünblatt und J. Ravrebi. In Nr. 9 der „Hazephirah“ wird an leitender Stelle Klage geführt über die Teilnahmslosigkeit des großen jüdischen und zionistischen Publikums gegenüber der von Dr. Chasanowitz begründeten Nationalbibliothek in Jerusalem. Die Anstalt besitzt noch immer kein ihrer Bestimmung entsprechendes Gebäude, das die schon vorhandenen Bücherbestände, geschweige denn neue Büchersendungen aufzunehmen vermöchte. Zahllose mit Büchern — darunter sehr wertvollen Wiegendrucken usw. — vollbepackte Kisten ruhen seit Jahren uneröffnet in einem Lagerraum der Bibliothek, und Dr. Chasanowitz selbst ist im Besitze einer ebenso umfangreichen Büchersammlung, die er nicht an ihren Bestimmungsort gelangen lassen kann. Der Artikelschreiber führt u. a. aus: „Man sollte glauben, daß auf dem letzten Zionistenkongresse über die Notwendigkeit, die Kulturarbeit in den Aufgabenkreis der zionistischen Organisation einzubeziehen, genug — vielleicht mehr als genug — geredet wurde . . . Stehen wir nun hier keinem Kulturwerk gegenüber, das auf die Sympathien aller Richtungen Anspruch hätte, an dem sich Zionisten wie Nichtzionisten, Orthodoxe wie Freisinnige beteiligen könnten? Sollen ja in diesem Institut möglichst sämtliche gedruckten literarischen Erzeugnisse des Judentums aller Geschlechter gesammelt werden. Wo bleiben also unsere Mäzene, die von großen nationalen Schöpfungen träumen? Ist etwa die Ausgestaltung dieses eminent nationalen Instituts keine herrliche Aufgabe von gleich großer Bedeutung für die Gegenwart wie für die Zukunft?“ Auch der greise Dr. Chasanowitz selbst wendet sich in der „Hazephirah“ mit einem dringenden Appell zur Förderung und Ausgestaltung der Jerusalemer Nationalbibliothek an die jüdische Oeffentlichkeit. Dr. A. Sarsowsky veröffentlicht in der „Hazephirah“ interessante Erinnerungen an den vor zwei Jahren verstorbenen ausgezeichneten jüdischen Gelehrten, Philanthropen und Vorkämpfer im öffentlichen Leben der russischen Judenheit, Baron David Günzburg. Großes Interesse bietet namentlich die Entstehungsgeschichte der von Baron Günzburg ins Leben gerufenen Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Petersburg. Eine Artikelserie derselben Zeitung von S. Tscherno witz enthält historische Reminiszenzen an die wenig bekannte Organisation „Bene Moscheh“, eine Art chowewezionistischen Ordens, der zu Beginn der achtziger Jahre in verschiedenen Städten Rußlands bestand und dem die bedeutendsten Vertreter der Chibbath-Zion-Bewegung angehörten. In Nr. 21 derselben Zeitung ist ein beachtenswerter Artikel von Jakob Rabinowitz über die gegenwärtigen Bodenerwerbsmöglichkeiten in Palästina abgedruckt. Der Artikelschreiber weist auf die besondere Wichtigkeit des jetzigen Moments hin. Noch nie seien die Gelegenheiten zum Landerwerb in Palästina so günstig gewesen, wie gerade jetzt. An allen Orten bieten die Araber, die durch die Kriegswirren vielfach in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, Bodenflächen zum Kauf an. Diese günstige Konjunktur sollten sich die vermögenden Palästinafreunde aller Länder zunutze machen. Diese wichtigste aller palästinensischen Aufgaben dürfe nicht allein der zionistischen Organisation und ihren Finanzinstituten überlassen werden, die bereits einen erheblichen Teil ihrer Mittel in palästinensischem Grundbesitz investiert haben. Jeder einzelne Zionist müsse nach Möglichkeit seine Pflicht erfüllen. Seit zwanzig Jahren sei in Palästina keine einzige jüdische Kolonie durch Privatinitiative begründet worden. Der Nationalfonds, das Odessaer Komitee der Chowewei Zion und die J. C. A. haben Kolonien geschaffen — nun sei es Zeit für die einzelnen Zionisten, sich in Gruppen zusammenzuschließen, um neue jüdische Siedlungen ins Leben zu rufen. Wer sich nicht selbst in Palästina niederlassen kann, der erwerbe dort Land, um es an andere zu verkaufen. Jede Kolonie bildet ein kleines jüdisches Zentrum und schafft neue Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Arbeiter. Eine neue Kolonie zwischen zwei bereits bestehenden Siedlungen verbindet die beiden und bewirkt somit eine Vervielfachung des jüdischen Besitzes und Einflusses. Nützen wir daher die gegenwärtige günstige Situation! Zeigen wir uns der historischen Stunde würdig! Bildet doch die Zionsliebe und die Liebe zum jüdischen Volke die Grundlage aller unserer Arbeit, die einzige Basis für unsere Hoffnung auf eine bessere Zukunft! In der vorigen Nummer der „Welt“ brachten wir unter „Weltchronik“ eine Notiz über das bevorstehende Erscheinen einer hebräischen Enzyklopädie in St. Petersburg. In den Ankündigungen dieses Unternehmen war auch der Name des hebräischen Dichter Ch. N. Bialik im Verzeichnis der Mitarbeiter angeführt. Wie nun Bialik in einer Zuschrift an die „Hazephirah“ erklärt, hat er niemals seine Mitarbeit an dieser Enzyklopädie zugesagt. In einer Unter-

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