Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-02-14 · 7 (14.2.1913) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
7 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316581--57103-3375550
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

206 -.- .. ■ DIE^ELT ■ -- - . — Nr. 7 häuser, Banken usw. die Annahme der Metalliks verweigerten. Damit aber war die Kri.sis ausgebrochen, denn der kleine Mann, dessen ganzer Geldvorrat in Metalliks besteht, sah sich mit einem Schlage seiner gesamten Barschaft gleichsam beraubt, da man ihm für seine Metalliks nichts mehr verkaufen wollte. Im Verlaufe weniger Tage gestalteten sich diese Zustände geradezu zu einer Katastrophe. Viele Geschäfte wurden geschlossen. Die meisten Bäckereien stellten den Betrieb ein, um für ihre Backware keine Metalliks entgegennehmen zu müssen. Hunderte Familien litten Hunger, da sie für ihre Metalliks nichts kaufen konnten. Unter den Fellachen, die in der Stadt ihr Mehl oder Brot einkaufen und die jetzt ebenfalls nichts bekommen konnten, brachen Unruhen aus. Es kam zu argen Ausschreitungen, die mitunter der Tragikomik nicht entbehrten. So passierte es einem hochherzigen Moslim, der unter den Hungerleidenden 15 Säcke Reis unentgeltlich verteilen ließ, daß er von denen, für die diese Spende nicht ausreichte, regelrecht' verprügelt wurde. Es half ihm auch nicht der Hinweis, daß die anderen Kaufleute noch gar nichts gespendet" hatten und daß er allein unmöglich alle Hungernden ernähren könne. Vor dem Laden eines griechischen Bäckers sammelte sich eine große Menschenmenge an und verlangte stürmisch, daß man ihr für ihre Metalliks zu dem bisher üblichen Preis Brot verkaufe. Die Erklärung des Griechen, daß er dies nicht tun könne, da der Metallik jetzt bloß ein Drittel des früheren Wertes repräsentiere und überhaupt schwer anzubringen sei, machte auf die von Hunger gequälten Menschen naturgemäß keinen Eindruck. Als der Ladeninhaber Miene machte, die Polizei zu Hilfe zu rufen, stürmte die Menge den Laden und plünderte ihn bis auf das letzte Brot aus. Unglücklicherweise brach ■ die Krisis zu einer Zeit aus, da gerade auf dem wichtigen Posten des Jerusalemer Gouverneurs ein Wechsel vor sich gegangen war. Der neue Gouverneur, der eben erst in Jerusalem angelangt war, hatte noch viel zu wenig Lokalkenntnis, um mit Hilfe der Regierungsautorität eine radikale Besserung durchführen zu können. Wohl berief er die in Betracht kommenden Kreise zu einer Beratung, die die Wiedereinsetzung des Metalliks in einen dem früheren Kurs nahekommenden Wert zum Ziele hatte., Wie wenig aber seine Bemühungen fruchteten, ergibt sich schon aus dem Umstande, daß selbst die Zahlstellen der Regierung, wie beispielsweise das türkische Post- und Telegraphenamt, die Banque Ottomane usw. die Annahme des Metalliks zu dem nun von der Regierung festgesetzten Kurse ablehnten. Angesichts dieser Sachlage, sahen sich die führenden jüdischen Kreise, die zionistische Anglo - Palestine Company. der Vertreter der J. C. A. in Jerusalem, die Vertretung des Hilfsvereins usw. genötigt, auf eigene Rechnung eine Notstandsaktion einzuleiten. Dies geschah zunächst in der Weise, daß man auf Kosten der jüdischen Gemeinschaft täglich 500 0 Brote backen ließ, die an die Bedürftigen, ohne Unterschied derNationalität und des Bekenntnisses, gegen Entrichtung des Preises in Me - talliks laut dem früheren Kurse verkauft wurd e n. Die armen Fellachen erkennen dankbar die Wohltätigkeit der Juden an, die leider von keiner anderen Seite nachgeahmt wurde. Auch der neue Gouverneur von Jerusalem hat in einem Gespräche mit dem bekannten hebräischen Lexikographen und Schriftsteller Elieser Ben-Jehudah seiner Anerkennung für die Leistungen, und die Opferwilligkeit der Juden in dieser kritischen Zeit Ausdruck gegeben. Inzwischen hat sich die Regierung zu einer energischen Maßregel aufgerafft. Sie hat nämlich angeordnet, daß bei Bezahlung von Wechseln an die Banken diese für 20o/o des Betrages Metalliks entgegennehmen müssen. Im Falle die Banken sich weigern sollten, darauf einzugehen, sind die Notare angewiesen worden, die Proteste dieser Banken nicht zu notieren. Die Anglo-Palestine Company beschloß sogleich, dieser Verfügung Folge zu leisten. Gewiß sind dies alles Palliativmittel. Die führenden jüdischen Kreise, die nach Möglichkeit der Regierung entgegenkommen möchten, sind auch entschlossen, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben und zu einer gründlichen Sanierung der Lage nach Kräften beizutragen, falls sich herausstellt, daß die Krisis lokalen Charakter hat und in den übrigen Provinzen der Türkei nicht zutage getreten ist. Der Gouverneur wandte sich an die Zentralregierung, die er ausführlich über die hiesige -Lage unterrichtete, um Instruktionen. Soweit Nachrichten aus Syrien vorliegen, gibt es nirgends eine Metallik-Kalamität ähnlich der von Jerusalem. Wie sich aber die Dinge auch weiter gestalten mögen, eines läßt sich bereits jetzt sagen: Von einer dauernden Krisis im jetzigen Umfange kann nicht die Rede sein. Vielmehr sprechen alle Anzeichen dafür, daß nach einiger Zeit der Metallik einen festen, wenn auch etwas niedrigeren Kurs als bisher behaupten wird. Nach Zeitungsmeldungen gelang es dem Kaimakam in Hebron, wo ebenfalls eine Metallik-Krisis im Entstehen begriffen war, sie im Keime zu ersticken. In Jaffa hat jetzt der Metallik 25 °> seines früheren Wertes eingebüßt. Dies ist aber für die Bewohnerschaft Jaffas ganz belanglos, da hier auch früher der Metallik nur in geringen Mengen kursierte. Der fünfzehnte Sehe bat in Palästina Das Gebet der Kindlein wurde erhört: der fünfzehnte Schebat, der Neujahrstag der Bäume, war kein regnerischer Tag, wie die kindlichen Gemüter befürchtet hatten, sondern ein heller, sonnenklarer Frühlingstag, an dem alle von den Schulleitern zur Freude der Kleinen geplanten Festveranstaltungen verwirklicht werden konnten. Namentlich der Jerusalemer Zweigverein des hebräischen Lehrerverbandes verstand es, in diesem Jahre das Fest des fünfzehnten Schebat in einer Weise zu begehen, die den rückhaltlosen Beifall der gesamten Bevölkerung Jerusalems fand. Nicht weniger als 14 Schulen mit ca. 1500 Kindern beteiligten sich an dem Feste. Die Liste der Schulen, die schon in diesem Jahre dem Rufe des Lehrervereins folgten, ist interessant genug: Hebräisches Gymnasium, Lehrerseminar, Lämelschule, Schule der Kindergärtnerinnen, Mädchenschule des Hilfsvereins, Knabenschule der Alliance, Mädchenschule der Alliance, Chadar-Thorah, Talmud-Thorah der Gursiner, Talmud-Thorah Dorschei-Zion, Blindeninstitut, Spitzenatelier, Schule Limmud Melachah und Eveline de Rothschild-Schule. Das eigentliche Fest sollte in der nahen Kolonie M o z a stattfinden. So marschierten denn die Schulen in Viererreihen um SV-» Uhr morgens nach Moza, begleitet von tausenden Erwachsenen. Namentlich der Turnverein „Makkabi" und der Musikverein „Newel" waren vollzählig erschienen. Auf dem Wege sangen die Kinder ein stimmungsvolles, von Sch. Ben-Zion für den 15. Schebat verfaßtes hebräisches Gedicht. Nach einem einstündigen Marsch war man in Moza vor dem Kolonie-Garten angelangt,. wo die Feier vor sich gehen sollte. . Zuerst sprach Ch. L. S u t a, der seine Worte mit dem „Schehechejanu“-Segensspruch einleitete. Er sprach von den großen Aufgaben, die dieser Tausende von Kindern,' unserer jungen Bäumchen, in Zukunft harren. Hierauf sprach der Lehrer an der Bezalelschule K. L. S i 1 m a n n , ein unermüdlicher Mahner und Werber für die hebräische Sprache: In den Galuthländern halten sie auch Hebräertage ab und dies ist gewiß wacker von unseren Brüdern und von Herzen anzuerkennen. Dort sprechen sie über die hebräische Sprache, hier aber sprechen wir die hebräische Sprache, die bereits die Sephardim, Aschkenasim und Jemeniten unter ihrem Banner vereinigt. Auch Chacham G a b i s a n , der Lehrer der Alli-ance, feierte die hebräische Sprache als das einigende Band aller Söhne des jüdischen Volkes. Zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.