Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 7 (14.2.1913)
- Date
- 1913-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316581--57100-3375547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr 7 203 dies^elt freiheit entgegenzuarbeiten. Die hierauf bezügliche Resolution lautete: „Wir geben unsere warme Zustimmung zu dem Vorgehen der Opponenten gegen eine Einwanderungsbeschränkung, die in ihrer Schärfe dem Geist amerikanischer Tradition widerspricht. Wir stimmen für eine Fortsetzung dieser Opposition.“ Zur Charakterisierung des Gemeindebundes und seines Seminars sei bemerkt, daß beide durchaus auf reformierter Basis begründet sind. Dennoch wäre es ungerecht, die Verdienste des Bundes zu unterschätzen, denn er hat als erster seiner Art den in Amerika geborenen Juden die Vorbereitung zum Rabbinerberuf ermöglicht und hat soeben ein Lehrerseminar eingerichtet, das die dringend notwendige Ausbildung von Religionsschullehrern zu seinen Aufgaben zählt. Solange von orthodoxer und nationaljüdischer Seite keine erhöhten Anstrengungen gemacht werden, dem Beispiel der Reformgemeinden zu folgen, ist es zu begrüßen, daß wenigstens von irgendeiner jüdischen Partei aus eifrig dahingestrebt wird, den täglich wachsenden Massen amerikanischer Juden in irgendeiner Form jüdisches Wissen zu vermitteln. Eine Adresse der rumänischen Juden an König Carol Bukarest. Eine Deputation rumänischer Juden hat dem König von Rumänien eine Adresse überreicht, die folgendermaßen lautet: „Eure Majestät! In diesem entscheidenden Momente, in welchem sich das Land befindet, erachtet es die eingeborene jüdische Bevölkerung als ihre Pflicht, ihre unabänderliche Solidarität mit dem rumänischen Volke und ihre tiefe Anhänglichkeit zu dem Lande von neuem auszudrücken. Die eingeborenen Juden werden unter den ersten sein, die dem Rufe zu den Waffen folgen, und sich aus vollem Herzen ihren Kameraden anschließen werden, um mit ihnen Schulter an Schulter unter ihrer nationalen Fahne zu kämpfen. Sie sind im Innersten davon überzeugt, daß die Gerechtigkeit nicht länger auf sich warten lassen kann. Sie sind sich der Wandlungen bewußt, welche die öffentliche Meinung unter dem Drucke der Umstände durchgemacht hat. Wir haben keinen Zweifel darüber, daß die tiefgehende Bewegung, welche jetzt durch das Land geht, ein neues Gewissen zeitigen wird und eine öffentliche Meinung, welche den Forderungen der Gerechtigkeit mehr Rechnung tragen wird als bisher. Wir haben lange genug gewartet. Die Zeit ist gekommen, da unserer Sache mehr Sympathien und größeres Interesse entgegengebracht werden sollte. Wir sind Rumänen, und wir wünschen auch vom Gesetze als solche anerkannt zu werden. Wenn die Stunde schlagen wird, so werden wir es beweisen, wie wir es in der Vergangenheit bewiesen haben, und Tag um Tag von neuem beweisen, daß niemand das Recht hat, sich für einen besseren Rumänen zu halten, als wir es sind. Aber ein neuerwachtes Gewissen und ein leidenschaftsloseres Begreifen der wahren Interessen des Landes werden es nicht länger zugeben, daß wir, wenn es gilt, Opfer zu bringen, als Rumänen, und wenn es gilt, Rechte zu erhalten, als Fremde betrachtet werden sollen. Sire! In der angefalteten Petition, welche wir den legislativen Körperschaften übersandt haben, haben wir unsere Forderungen ausführlich auseinandergesetzt. Wir bitten Eure Majestät, derselben geneigte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir bitten Majestät, daß uns endlich Gerechtigkeit werde. Die jüdische Bevölkerung ist überzeugt, daß sie bei der Forderung ihrer Rechte sich in vollem Maße der fürsorglichen Hilfe Eurer Majestät erfreuen wird. Sie weiß es, daß vom Throne bloß Worte der Ermunterung und Akte der Gerechtigkeit ausgehen können. Die jüdische eingeborene Bevölkerung wird es niemals vergessen, daß ihr dank der Intervention Eurer Majestät die Zusicherung wurde, daß sie bei der Ausübung der neuen Gesetze über den nationalen Handel und die Industrie gleiche Behandlung mit den Rumänen erfahren werde. Sie hoffte, daß jetzt in derselben Form und von demselben Platze das Wort kommen wird, das den Abschluß der Vergangenheit und den Anbruch eines neuen Lebens bedeuten wird.“ Der König empfing den Delegierten Dr. Max G a s t e r sehr leutselig und ließ sich eingehend über verschiedene Fragen informieren. Er erkundigte sich nach dem Befinden des Bruders Dr. Gasters, unseres hervorragenden Gesinnungsgenossen, der bekanntlich der Chacham der Londoner sephardischen Gemeinde ist. Das jüdische Hilfswerk für die Kriegsgeschädigten in Bulgarien Sofia. Hier hat sich vor einiger Zeit ein Zentralkomitee zur Hilfeleistung für die Juden Bulgariens, Thraziens und Mazedoniens gebildet, dem Lokalkomitees in allen jüdischen Gemeinden des Königreichs angegliedert sind. Die dem Zentralkomitee bisher zur Verfügung gestellten Unterstützungsgelder stammen von der Union des Associations Israelites de Bruxelles, der Alliance Israelite Universelle und dem Zentralkomitee der B'nai B’rith-Logen in Chicago. Diese Gelder werden für die notleidende jüdische Bevölkerung der neubesetzten Städte in Thrazien und Mazedonien, für die Repatriierung jüdischer Flüchtlinge und für das Hilfswerk in Adrianopel verwendet, wo zur Linderung der entsetzlichen Notlage der Bevölkerung die Aufwendung großer Summen erforderlich sein wird, sobald die belagerte Stadt dem freien Verkehr erst wieder erschlossen ist. Ein Teil der eingegangenen Beträge wird ferner zur Unterstützung der Angehörigen jüdischer Krieger in Bulgarien verwandt. Bisher sind dem Sofioter Zentralkomitee ungefähr 175 000 Francs zur Verfügung gestellt worden, wovon ein großer Teil für die Kosten der Adrianopeler Hilfsaktion reserviert bleibt, während ein Teil zur Repatriierung von 650 Flüchtlingen aus I s t i p dient, die sich gegenwärtig in Saloniki befinden. Etwa 30000 Frs. wurden an die bedürftigen Gemeinden Thraziens, Mazedoniens und Bulgariens abgesandt, um dort auf Grundlage des 20 Centimes-Satzes pro Person und Tag verteilt zu werden. Bisher sind an die Gemeinden der folgenden okkupierten Städte Hilfsgelder abgegangen: Serres, Ro desto, M.-Pascha, Tschorlu, Drama, Strumtza und Kirk-Kilisse. 20 Familien aus Kirdjali, die infolge des Krieges geflüchtet waren, wurden in ihre Heimat zurückbefördert. Die bulgarische Regierung fördert das jüdische Hilfswerk in wohlwollender Weise. Durch die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten hat die entsetzliche Notlage einen noch höheren Grad erreicht, und die jüdische Bevölkerung der durch den Krieg heimgesuchten Gebiete erwartet sehnsüchtig Hilfe von den ausländischen Brüdern. An der Spitze des bulgarischen Zentralkomitees stehen die Herren Großrabbiner Dr. M. Ehrenpreis, David S. F a r h i und M. Angel in Sofia. Die Juden in Frankreich Jn der Februarnummer des „Nineteenth Century“ macht Eugene Tavernier statistische Angaben über die Juden in Frankreich. Was zunächst die Zahl der Juden im Lande angeht, so läßt sie sich nicht, wie in Deutschland, genau feststellen, da in Frankreich wie in vielen andern Ländern auch bei den Volkszählungen und bei der polizeilichen Kontrolle der Einwohner keine Angaben über die Religion gemacht werden. Die Schätzungen, auf die man daher für die Zahl der Juden in Frankreich angewiesen ist, stammen von den Juden selbst. Der „Univers Israelite“, berechnete die