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Die Welt · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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184 Nr. 6 DIElggELT A1 k a b e z aus Safed, Israel N a g a r a aus Damaskus, Simon den Labi aus Tripolis und noch vielen unbekannt gebliebenen Dichtem bis in die entlegensten Gegenden Europas eingedrungen. Erst in der jüngsten Zeit sind in der hebräischen Dichtung Ansätze wahrzunehmen, die dem jüdisch-volkstümlichen Stil zustreben. Für die siegreiche Lebenskraft der hebräischen Sprache und für die treue Anhänglichkeit der jüdischen Volksmassen an sie zeugt die Tatsache, daß die eigentlich volkstümlichen und zugleich echt nationalen Dichtungen in dieser unserer Nationalsprache geschaffen worden sind. Denn obwohl jüdische Volkslieder auch in den verschiedenen Umgangssprachen unserer Brüder in der Diaspora vorhanden sind, wie z. B. in aramäischer, persischer, arabischer, spaniolischer und jüdisch-deutscher Sprache, so sind diese fremdsprachigen Dichtungen doch niemals zu echt nationalen Liedern des jüdischen Volkes erhoben worden. In Syrien sind Lieder in der (arabischen) Umgangssprache bei den Juden direkt verpönt, in Osteuropa wird es noch heute keinem Juden einfallen, am Sabbat statt der Semiroth jüdisch-deutsche Lieder zu singen. Denn die Sprache der nationalen Poesie war stets die hebräische; sie blieb für immer die Sprache des jüdischen Herzens. Das Volkslied setzt sich aus zwei Elementen zusammen, aus Volksdichtung und Volksmusik. Das Wesen und den gegenwärtigen Bestand der Volksdichtung haben wir in allgemeinen Umrissen darzulegen versucht, wie steht es aber mit der jüdischen Volksmus i k? Während die Dichtung durch Druck und Handschriften der Untersuchung zugänglich ist, war die Volksmusik bis jetzt eine terra incognita, denn nur der Gesang der europäischen Juden und ein Bruchteil des sephardischen Gesanges war durch Publikationen dem Forscher zugänglich, die Gesänge der orientalischen Juden blieben aber vollständig imbekannt Kein Wunder also, daß die Forscher auf Grund des ihnen zur Verfügung stehenden Materials zu irrigen Ergebnissen gelangt sind. Die einen leugnen die Existenz einer nationaljüdischen Musik, die anderen stempeln das Jargon-Lied, wieder andere den chassidischen Gesang, zu Schöpfungen originaljüdischer Musik. Alle diese Forscher aber übersehen einen wichtigen Punkt, daß nämlich der Ursprung der jüdischen Musik ebenso wie der des Volkes selbst in seiner Heimat, im Orient, zu suchen ist Um die jüdische Volksmusik weiteren Kreisen zugänglich zu machen, habe idi es unternommen, den tradionellen und volkstümlichen Melodienschatz sämtlicher Juden der Diaspora zu sammeln und auf seinen einheitlichen musikalischen Charakter zu prüfen, und bin nun nach mehrjähriger Arbeit in der Lage, das Resultat meiner Forschungen der Oeffentlichkeit zu übergeben. Meine Sammlung, aus Ca. 2000 Nummern bestehend, enthält sowohl alle überlieferten synagogalen Weisen und Melodien wie die verschiedenen Volkslieder und zerfällt in drei Hauptteile. Der erste Teil umfaßt den Gesang der echtorientalischen Juden, d. h. jenes Volksteiles, der niemals den orientalischen Boden verlassen hat und von fremdartigen Kulturen nie direkt beeinflußt worden ist. Es sind dies die jemenitischen, persischen und babylonischen Juden. Der zweite Teil enthält die Melodien der Sephardim, d. h. der nordtürkischen, ägyptischen, nordafrikanischen und italienischen Juden. Der dritte Teil endlich enthält die Weisen und Gesänge der sogenannten Aschkenasim bzw. den der polnischen Juden. Der erste Hauptteil soll bereits in allernächster Zeit erscheinen. Mit dieser Publikation glaube ich nachgewiesen zu haben, daß eine nationaljüdische Musik existiert, daß sie in der orientalisch-arabischen Musik wurzelt, daß sie aber ihre eigenen Wege geht und sich durch einen originellen Charakter auszeichnet Das Endziel all meiner Untersuchungen sowohl auf dem Gebiete des jüdischen Volks ge sanges wie der jüdischen Volkspoesie ist die Sammlung des Materials zur Schaffung eines einheitlichen hebräischen Volksliederbuches, einheitlich in der Poesie wie in der Musik, ein Volksbuch, das Geist und Gemüt aller Juden der Diaspora ansprechen und in ihnen ein Gefühl der nationalen Einheit und Zusammengehörigkeit erwecken soll. LITERARISCHE RUNDSCHAU Der Rassenadel der Juden. (Der Schlüssel zur Judenfrage.) Von Dr. Alexander Schüler. (Die jüdische Gemeinschaft. Reden und Aufsätze über zeitgenössische Fragen des jüdischen Volkes. Herausgegeben von Dr. Ahron Eli asb erg.) Jüdischer Verlag. (Preis 0,80 M.) Die Broschüre, die einer schlechten Sitte gemäß keine Jahreszahl trägt — es müßte die Jahreszahl 1012 sein — ist als zweites Heft der Broschürensammlung: „Die jüdische Gemeinschaft", erschienen, die die aktuellsten Fragen und Erscheinungen des modernen Judentums in populär-wissenschaftlichen Darstellungen behandeln will. Die vorliegende Broschüre behandelt das jüdische Rassenproblem, allerdings nicht auf Grund selbständiger Forschungen, sie ist auch nicht eine selbständige kritische Zusammenstellung der herrschenden Lehrmeinungen und will das auch gar nicht sein, sondern sie will, wie in dem kurzen Vorwort ausdrücklich betont ist, nur die Gedankengänge und Beweisführungen des Z o 11 s c h a n sehen Werkes wiedergeben. Das Z o 11 s c h a n sehe Werk ist ja hier eingehend besprochen worden. Seine wesentlichsten Thesen sind außerdem durch die Vorträge, die Z o 11 s c h a n auf dem letzten Kongreß und sonst gehalten hat, in der zionistischen Welt bekannt geworden. Wir wissen, daß sein Werk die theoretische, und zwar die naturwissenschaftlich-anthropologische Begründung des Zionismus enthält, während das ihm an die Seite zu stellende Buch Ru pp ins: „Die Juden der Gegenwart", die sozialwissenschaftlich-biotischen Grundlagen des Zionismus gibt. Aber während Ruppins Buch, trotz seiner strengen Wissenschaftlichkeit und seiner zahlreichen Statistiken wegen seiner einfachen, klaren und flüssigen Sprache außerordentlich leicht lesbar ist und von jedem ohne Schwierigkeit verstanden werden kann, wodurch es auch in weitere Kreise dringen konnte, ist das Zollschansehe Werk in einer ziemlich schweren* periodenreichen, mit Fachausdrücken und Fremdwörtern gespickten Sprache geschrieben und stellt an die Bildung und die Ausdauer der Leser große Ansprüche, ganz abgesehen von seinem über 500 Seiten umfassenden Umfange. Es würde sicher schon sehr an Lesbarkeit gewinnen, wenn Zollschan sich bei der nächsten Auflage die Mühe gäbe, das Buch von den außerordentlich zahlreichen Fremd Worten zu reinigen; auch Fachausdrücke könnten vielfach, ohne daß die Wissenschaftlichkeit darunter leiden würde, durch deutsche Ausdrücke ersetzt werden. So sehe ich z. B. nicht ein, warum man nicht „dolichozephal“ meist oder stets durch „langköpfig", ebenso „brachyzephal" durch „kurzköpfig" oder „rundköpfig", „melanchroe" durch „dunkelhaarig", „xanthochroe“ durch „blondhaarig" oder „hellhaarig" ersetzen soll usw. Vielleicht kommen diese Zeilen Zollschan zu Gesicht und er befolgt

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