Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 185 DIE2§KELT meinen Rat im Interesse der Verbreitung seines Buches. Doch dies nebenbei. Auch wenn das Buch Zollschans nicht so schwer lesbar wäre, daß es nur wissenschaftlich, besonders naturwissenschaftlich Gebildete ganz verstehen können, so würde die Broschüre Schülers doch noch sehr wertvoll sein, um die Lehren Zollschans in die breiten Massen des Volkes zu tragen, die umfangreiche Werke nicht lesen. Wie aber das Werk Zollschans vorliegt, betrachte ich die Schrift Schülers geradezu als eine Notwendigkeit. Schüler hat die Aufgabe, die er sich gestellt hat, ein Interpret der Zollschanschen Gedanken und Ausführungen zu sein, in ausgezeichneter Weise erfüllt. Er hat es mit großem Geschick verstanden, kurz und doch ziemlich erschöpfend den wesentlichen Gedankeninhalt des Zollschanschen Buches darzustellen in einer klaren, flüssigen, leicht verständlichen Sprache und in einer durchaus anziehenden Weise. Man hat nicht den Eindruck, ein bloßes Referat vor sich zu haben, was die Schrift auch nicht ist, sondern es handelt sich um eine selbständige Verarbeitung des Zollschanschen Ideenganges, der in eine selbständige Form umgegossen worden ist. Deshalb hätte es Schüler ganz ruhig unterlassen können, an verschiedenen Stellen der Schrift immer wieder darauf hinzuweisen, daß er Zollschansche Gedanken vortrage, nachdem er dies bereits im Vorwort betont hatte. Die Schrift zerfällt in fünf Abschnitte: Die Bedeutung der Rassenfrage. — Die naturwissenschaftlichen und historischen Grundlagen der Rassentheorien. — Die Mneme der jüdischen Rasse. — Die Dissoziationsprozesse innerhalb der Juden heit. — Der Schlüssel zur Judenfrage. Besonders gelungen sind die ersten drei Abschnitte, die ein klares und anschauliches Bild der theoretischen Grundlagen der Rassenfrage überhaupt und der jüdischen im besonderen geben. Die beiden letzten Abschnitte sind dagegen etwas kurz geraten und hätten etwas eingehender sein können. Alles in allem1, haben wir eine Schrift vor uns, die zur Aufklärung der großen Massen über eine der wichtigsten theoretischen Grundlagen des Zionismus geeignet und bestimmt erscheint. Sie verdient die weiteste Verbreitung und sollte nicht nur von jedem Zionisten, sondern von jedem Juden gelesen werden. Ich halte sie für eine Propagandaschrift ersten Ranges. Allerdings erscheint es mir für eine Massenverbreitung notwendig, daß der Preis bei den nächsten Auflagen auf etwa 40—50 Pf. herabgesetzt, oder eine entsprechend billige Volksausgabe veranstaltet wird. Königsberg i. Pr. H. Hoppe. Kopi: Joel Gern. Der Werdegang eines jüdischen Mannes. Frankfurt a. M.,; J. Kauffmanns Verlag; 1912. Ein schlichtes Leben wird hier in schlichten Zügen dargestellt. Und doch enthält die Schilderung dieses „Werdegangs eines jüdischen Mannes" viel Programmatisches. Die Entwicklung wird ganz nach innen verlegt. Dennoch ist die äußere Wirkung treffend zum Ausdruck gebracht. Das Wesentliche unserer heutigen Lage wird ohne Umschweife aufgezeigt: der Ursprung aus der gläubigen Gesetzestreue ist allen Augen sichtbar, das Ziel der Entwicklung bleibt in Dunkel gehüllt. Die Generation, die heute im vollen Mannesalter steht, ist der Gegenstand der Erzählung. Wie der Sohn aus frommem Hause sich trotz mancher Anfechtungen in der Ideenwelt, der überkommenen Anschauung zu erhalten vermag, wird trefflich und liebevoll geschildert. Doch die Zeiten sind wohl vorbei, da man in Deutschland noch vermochte, fromme Jugend durch Jeschiba-Unterricht zur Aufrechterhaltung der hergebrachten Glaubensauffassung zu bestimmen. Was wird die Zukunft bringen? Ich glaube im Schicksal einer der Freunde des Helden die Antwort zu lesen: die Heimkehr ins Land der Väter, das Land unserer Kinder. Die Generation der Immigranten kann dort nvt die Aufgabe der Wegebereiter haben, auch sie wird die Erfüllung nur „von Feme schauen". Treffend spricht dies seinen deutschen Freunden gegenüber der junge russische Jude aus, der in Zweifeln geläutert, die jüdische Empfindung sich bewahrt hat. „. . . Das ist etwas für uns, die Heimatlosen. Ihr, wie Ihr seid, könnet nur einziehen mit Jubel, und wir, wir werden die Saat mit Tränen streuen. Nicht als ob Euch die heilige Flamme nicht ebenso heiß lodern könnte, aber Ihr seid nicht mehr jung genug. Ihr würdet nach Palästina Eure Kultur tragen wollen und würdet aus Jerusalem ein zweites Paris, aus Tiberias ein zweites Wiesbaden machen wollen. Ich sage ja, wir müssen gehen und erst mit unserem Herzblut, vielleicht mit Aufgebot, unseres Lebens den Boden vorbereiten, daß er jüdisch sei, bis Ihr einmal kommt.“ Wenn wir von der besonderen Bedeutung dieser Worte als Betonung des unzweifelhaft unmittelbareren jüdischen Gefühls im europäischen Osten absehen, so finden wir in diesem Programm Anklänge an die Gedanken Ach ad H a a m s, dessen Wahrheiten jetzt auch im Kreise der westeuropäischen Judenheit Eingang finden. Ob allerdings außerhalb des palästinensischen Bodens ein Fortbestand des Judentums möglich ist, scheint dem Verfasser von „Joel Gern" nicht festzustehen, denn der Ausblick auf die Zukunft, das Weiterwirken der Erziehungsmomente, die Joel bildeten, auf seinen Sohn, wird nicht mehr in den Rahmen der Erzählung gebracht. Wir erfahren nur noch, daß Joel sich bemüht, die alte Zeit und ihre Ideale zu erhalten. Wird es ihm gelingen? Berlin. Theo Harburger. Schluß des redaktionellen Teiles Für das Jerusalemer Gymnasium gingen bei dem Unterzeichneten ein: Levontin, Dr. Thon. Jaffe, Berlin (alle in Jaffa) je 25 Frs., zusammen 100 Frs. J. Feldmann, Jaffa. Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen: Für das Hygienische Institut Dr. Nordau: per Sidney Zionist Society M. B. Michelson . . . £ 2.—.— Für das hebr. Gymnasium in Jaffa: per Sydney Zionist Society.£ 2.—.— Eingegangen bei der Administration der „Welt**: Für den Bezalel: Klein Vilmos, Szatmar. Jahresbeitrag . . K. 20.— — M. 16.80 Für Verein. Saare Zedek: Klein Vilmos, Szatmar, Jahresbeitrag . . K. 20.— — M. 16.80 Für die Lämmel-Schule: Klein Vilmos, Szatmar, Jahresbeitrag . . K. 20.— — M. 16.80 Für das Blindenheim: Klein Vilmos, Szatmar, Jahresbeitrag . . K. 20.— — M. 16.80 Für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem: Ing. H. Brande, München ........... M. 5.— Als Sonderheft der Zeitschrift ..Deutsche Industrie — Deutsche Kultur“, Verlag Eckstein, Berlin, erschien vor kurzem eine Schrift, welche ausschließlich der Gasmotoren-Fabrik Deutz und deren Erzengnissen gewidmet ist. In allgemein verständlicher, interessanter Werse gibt nns diese vorzüglich ansgestattete Druckschrift nicht nur einen Einblick in die Geschichte dieses Weltuntemehmens und deren mustergültige, moderne Werkstätten, sondern auch über das Wesen und die Geschichte des Verbrennungsmotors im allgemeinen. Auch den verschiedenen Brennstoffen, welche zum Betriebe des Verbrennungsmotors in Betracht kommen, ist ein besonderer Abschnitt gewidmet, welcher durch eine Leihe von Tabellen und statistischen Zusammenstellungen erläutert ist. Aus der Geschichte der GasmotoreD-Fabrik Deutz vermerken wir kurz, daß dieses Unternehmen im Jahre 1664 von den Erfindern des Viertaktmotors, Dr. Nikolaus August Otto und dem Ingenieur Eugen Langen gegründet wurde und sich aus kleinen Anfängen zu jenem Biesennntemehmen entwickelte, das heute Zweigniederlassungen und Zweigfabriken in der ganzen Welt unterhält. Rund 4000 Arbeiter und Beamte finden allein in der Stammfabrik Deutz Beschäftigung. Die Jahresproduktion ist auf über 6000 Motoren angewachsen. Es worden hergestellt: Lonchtgasmotoren, Benzin-, Petroleum-. Rohöl-, Naphtalin-, Sanggas- Hochofennnd Koksofengas-Motoren in den verschiedensten Größen und für die mannigfaltigsten Zwecke. Die Werkstätten in Deutz haben bis znm Erscheinen der Broschüre allein 05800 Motoren erzeugt, während einschließlich der Zweigfabriken von der Gasmotoren-Fabrik Deutz bis heute weit über ISO 000 Motoren geliefert wurden. Diese Zahlen sprechen für sich nnd sind der beste Beweis dafür, welche Bedeutung und Stellung im heutigen Wirtschaftsleben sich der Verbrennungsmotor erobert hat.