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Die Welt · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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17$ D1E3$KELT Fortschritte des Turnwesens in Palästina Die Hoffnungen, die man vor einigen Monaten an die erste Konferenz der palästinensischen Turnvereine geknüpft hatte, daß sie zu einer Ausdehnung des Turnwesens unter der palästinensischen Judenheit beitragen werde, sind in Erfüllung gegangen. Schon jetzt zählt der Tumverband „Makkabi“ nicht weniger als 11 Vereine, und zwar in Jerusalem, Jaffa, Beirut, Pethach-Tikwah, Rischon Le-Zion, Rechoboth, Neß-Zionah, Gederah, Ekrön, Sichron-Jakob und Rosch Pinah. An anderen Orten sind neue Turnvereine im Entstehen begriffen. So hat beispielsweise Herr Dr. Elias Auerbach, Arzt in Haifa, früher ein aktives Mitglied des Berliner Turnvereins „Bar- Kochba“, seine Mitarbeit für einen in Haifa zu gründenden Turnverein zugesagt. Ein anderes ehemaliges Mitglied des „Bar- Kochba“, Herr E. Herr mann, wirkt in Jaffa und den benachbarten Kolonien für die Entwicklung der Turnsache. Besonders erfreulich ist der Erfolg des Jaffaer Turnvereins, dem es gelungen ist, die verschiedensten Elemente der Jaffaer jüdischen Bevölkerung: Aschkenasim, Sephardim und Jemeniten, an seinen Tumabenden einträchtig zu versammeln. Der Vorstand des Tum Verbundes „Makkabi“ hat beschlossen, periodisch Zirkulare über die Turnbewegung in Palästina herauszugeben, in denen die Berichte der einzelnen Turnvereine sowie Aufsätze über verschiedene turnerische Fragen veröffentlicht werden sollen. In Jaffa hat der Turnverein eine eigene Lesehalle eröffnet, in der die Mitglieder auch Unterricht in der hebräischen Sprache, in der jüdischen Geschichte usw. empfangen. Der Jerusalemer Turnverein erhielt anläßlich der Anwesenheit des Herrn Ussischkin, Vorsitzenden der Chowewe Zion, ein Darlehen von dieser Gesellschaft zwecks Anschaffung von Turngeräten. Neben dem Turnen der Erwachsenen hat auch der Turnunterricht in den Schulen Fortschritte zu verzeichnen. Ueber „Das Schulturnen vom medizinischen, Standpunkte“ hielt kürzlich Dr. Moscowitz aus Rechoboth ein Referat in der Jaffaer „Jüdisch-Medizinischen Gesellschaft“. Außer den Aerzten waren auch die Leiter des Hebräischen Gymnasiums, der Mädchenschule, der Schule des Hilfsvereins der deutschen Juden, sowie die Turnlehrer dieser Schulanstalten anwesend. Nach längeren Verhandlungen wurde folgende Resolution gefaßt: 1. Das Schulturnen ist sowohl für Knaben als für Mädchen eine Notwendigkeit als Hilfsmittel zur Hebung der Gesundheit der Schüler. Deshalb muß der Turnunterricht in sämtlichen Schulen als obligatorisch gelten. 2. Die Schüler und Schülerinnen sollen jedes halbe Jahr von einem Arzte untersucht werden, damit diejenigen, denen das Turnen gesundheitlich unzuträglich ist, auf Anweisung des Arztes vom Turnen befreit werden. Gründung einer Landarbeiter-Siedlung bei Rischon Le-Zion Dienstag, den 6. Schebat (14. Januar) wurde in nächster Nähe von Rischon le-Zion der Grundstein zu einer neuen Landarbeitersiedlung gelegt. Der Boden dieser Siedlung umfaßt 300 Dunam und wurde vom Odessaer Komitee der Chowewe Zion erworben. Die Siedlung wird den Namen „Nachalath Jehudah“ tragen, zum Andenken an Dr. Jehuda Pinsker, den Verfasser des Buches „Autoemanzipation“ und ersten Vorsitzenden der russischen Chowewe Zion-Gesellschaft (geboren am 24. Dezember 1821, gestorben am 9. Dezember 1891). Die neue Siedlung Nachalath-Jehudah wird entsprechend den vorhandenen Bedürfnissen drei Kategorien von Siedlern aufweisen: Zunächst die selbständigen Landarbeiter, deren Bestreben es ist, durch intensive Bewirtschaftung einer kleinen Bodenfläche ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Ansiedler erhalten Parzellen von je 7 Dunam. Die zweite Kategorie bilden Handwerker und Arbeiter der Weinkellereien in Rischon, denen es hauptsächlich auf einen Bauplatz und ein Stückchen Gemüseland ankommt. Die drifte Kategorie bilden die Jemeniten Nr. 6 aus Rischon, ca. 30 Familien, für die 60 Dunam reserviert worden sind. An der Feierlichkeit der Grundsteinlegung, die in Anwesenheit des Herrn Ussischkin stattfand, nahm nahezu die ganze Bewohnerschaft der Kolonie Rischon Le-Zion, sowie viele Vertreter der Nachbarkolonien und zahlreiche Gäste aus Jaffa teil. Nach Absingung der „Hathikwäh“ begrüßte Herr Lubmann im Namen der Kolonie Rischon Le-Zion Herrn Ussischkin und die anderen Gäste, worauf ein „El mole rachamim“ für Pinsker, HerzI und W i t k i n rezitiert wurde. Darauf hielt Herr Ussischkin eine Ansprache im Namen des Odessaer Komitees, in der er ein Bild von dem Wirken Pinskers entwarf und der Mutterkolonie Rischon zu der neuen Siedlung gratulierte. Weitere Ansprachen hielten Eisenberg, Barsilai, Disengoff, Scheinkin und Vertreter der Arbeiterorganisationen. An Baron Edmund Rothschild in Paris, den großherzigen Förderer des palästinensischen Kolonisationswerkes, wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt. Die jüdischen Wächter begleiteten darauf die Gäste zu Pferde bis zur Jaffaer Chaussee. Neue Judenverfolgungen Im Jemen Jüdische Flüchtlinge aus Sanaa, der Hauptstadt des Jemens, die vor kurzem In Jaffa eintrafen, schildern die anarchischen Zustände, die dort Platz gegriffen haben, und unter denen in erster Reihe die Juden zu leiden haben, in den schwärzesten Farben. Ueber die Ermordung des Schwagers des Chachambaschi in Sanaa, worüber schon früher berichtet wurde, erzählen sie folgendes: Der Ermordete hatte eine Schuldforderung an einen dortigen Moslim und verklagte ihn beim Gericht. Der Beklagte erschien jedoch nicht zum Termin. Daraufhin ging der Gläubiger, Jehudah ben Sulaiman, in die Wohnung seines Schuldners, um ihn durch Bitten zur Zahlung der Schuld zu bewegen. Der Moslim erklärte wutentbrannt, daß der Jude nicht mehr lebend sein Haus verlassen würde und erdrosselte ihn in bestialischer Weise. Der Mörder ist nicht einmal zur Rechenschaft gezogen worden und befindet sich auf freiem Fuße. Welche Bestürzung sich der jüdischen Bevölkerung angesichts dieses Vorfalles bemächtigte, kann man sich leicht ausmalen. Es fehlt überhaupt nicht an täglich neuen Gewalttaten, die den Juden in Nordjemen das weitere Verbleiben im Lande als unmöglich erscheinen lassen. Daß alle alten „gesetzlichen“ Bedrückungen wieder in Kraft getreten sind, wurde schon berichtet. In letzter Zeit wurde auch die früher von der türkischen Regierung subventionierte Talmud-Thora-Schule (in der auch Türkisch und andere profane Gegenstände gelehrt wurden) von dem Vertreter des Imam Jachja geschlossen. Es gab bisher einen einzigen jüdischen Beamten in Sanaa. Er wurde jetzt mit Schimpf und Schande aus dem Amte verjagt und mußte fliehen, um sein Leben zu retten. Die jüdische Gemeinde in Sanaa, die ca. 3000 Seelen zählt und wegen der dort von altersher herrschenden hohen jüdisch-religiösen Bildung bei der ganzen jemenitischen Judenheit in höchstem Ansehen steht, erwartet jetzt in ihrer namenlosen Not Hilfe und Rettung von den großen jüdischen Hilfsorganisationen Europas. Die Flüchtlinge, die in Jaffa eintrafen, haben in der jüdischen Ackerbau-Kolonie Rechoboth Arbeit und Unterkunft gefunden. Aus den Städten Jerusalem, 20. Januar. Der neue Gouverneur, Tahar Cheireddin Bey, ist dieser Tage hier eingetroffen. Bisher konnte er jedoch die Amtsgeschäfte aus Gesundheitsrücksichten nicht übernehmen. Jaffa, 20. Januar. Die Chaussee, die von Jaffa über die deutsche Siedlung Walhalla nach „ T e 1 - A w i w “ führt, war seit langem in sehr schlechtem Zustande. Da man auf eine Ausbesserung der

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