Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 6 DIElfeELT^- - . _ — - - - 177 solch hohen Warte, daß sie die höchsten Anforderungen zunächst an sich selbst stellen. 3. Sie haben sich in Palästina einer Organisation angeschlossen, für die der reine zionistische Gedanke das höchste und einzige Ideal ist. Diese Organisation ist wohl in erster Reihe berufen, erzieherische Arbeit zu leisten und die bereits vorhandenen Kräfte zu wecken, zu schulen und dauernd im Auge zu behalten. So sehe ich die Leute von Dagania. Pflicht der in Betracht kommenden Faktoren ist es, dafür Sorge zu tragen, daß diese Pioniere der Arbeit nicht die einzigen Repräsentanten dieses Typus bleiben. PALÄSTINA-RUNDSCHAU (Von unserem Berichterstatter.) Gründungsjubiläum von Merchawja Die jüdische Landarbeiterschaft in Untergaliläa ist im allgemeinen nicht sehr auf das Feiern erpicht. Dort herrscht der harte Werkeltag, und der Sinn für heitere Geselligkeit, für Festesfreuden und dergleichen ist dort nicht besonders Merchawja: Der neue Wirtschaftshof heimisch. Um so größer war die Freude an dem Gründungsjubiläum, welches die Einwohner von Merchawja am 4. Januar veranstalteten. Als Festsaal diente die große Arbeiterküche, die mit den Bildern Theodor Herzls und Franz Oppenheimers geschmückt war. Für prächtigen Anemonen- und anderen Blumenschmuck sorgten die Mädchen der Siedlungsgenossenschaft. Ueberhaupt boten die kräftigen Arbeiter, die Arbeiterinnen, die jemenitischen Maurermeister und Steinträger, die persischen Erdarbeiter und die Kolonisten aus Merchawjah und Mes’ha ein prachtvolles Bild. Eine Ansprache hielt nur der erste Arbeiter von Merchawja — kurz, kernig und gehaltvoll, wie es dort Brauch ist Der Arbeiter Paß gedachte der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, die sich der Siedlung bei ihrer Gründung seitens der aufgehetzten Nachbarschaft und der feindlichen Behörden in Nazareth ent- LEgengestellt hatten. Haben ja die Lokalbehörden eines Tages in unmotivierter Weise die Einwohner von Merchawja ganz einfach davongejagt. Es gab Tage, an denen es den Ansiedlern an Wasser und Brot fehlte. Die Anschaffung des ersten Wagens für Merchawja kostete den Arbeiter Jecheskel Ni § § anow das Leben. Eine Anzahl der besten Arbeiter mußte beinahe ein Jahr lang im Gefängnis schmachten. Und doch genügte ein Zeitraum von zwei Jahren, um einen völligen Wandel herbeizuführen und freundnachbarliche Beziehungen zur arabischen Umgebung zu schaffen. Jetzt lebt Merchawja im besten Frieden mit den umgebenden Dörfern, die hinter die wahren Absichten der judenfeindlichen Hetzer gekommen sind. Und bei der vorzüglichen Bodenqualität dieser Kolonie und der hervorragenden Tüchtigkeit der jüdischen Landarbeiterschaft ist zu hoffen, daß Merchawja zu einer der blühendsten Kolonien werden wird, dem jüdischen Kolonisationswerk zur Ehre und dem Lande zum Segen. Wein aus Rischon Le-Zion und Orangen aus Pethach- Tikwah wurden herumgereicht. Bei Gesang und Tanz blieb man bis spät in der Nacht in bester Stimmung zusammen. Merchawja, das dicht an der Eisenbahn Haifa—Damaskus liegt und bloß anderthalb Stunden von Haifa entfernt ist, wurde seinerzeit vom Palästina-Amt für die P a 1 e s t i n e Land Development Company erworben. Einige tausend Dunam wurden für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft bereitgestellt, der Rest wurde für private Käufer parzelliert. Da der Boden von Merchawjah in jeder Beziehung zu den besten in Palästina gehört, war der Absatz der Parzellen sehr leicht. Es sind daher dort nur noch wenige Bauernstellen für neue Ansiedler vorhanden. Abschiedsfest zu Ehren Ussischkins Donnerstag, den 3. Schebat (16. Januar) reiste Herr M. Ussischkin nach Rußland zurück. Aus diesem Anlaß veranstaltete man in Jaffa ein Abschiedsfest, das im großen Saale des Hebräischen Gymnasiums stattfand und an dem ca. 2C0 Personen teilnahmen. Im Namen des Festkomitees würdigte Dr. Mossinsohn die dreißigjährige Wirksamkeit Ussischkins im Dienste des Palästinagedankens. Weitere Ansprachen hielten der Chachambaschi von Jaffa, der Direktor der A. P. C. Levontin, Dr. Thon für das Palästina-Amt, Dr. Lurje für den Hebräischen Lehrerverband, Ahronow i t z und Kaplansky für die Arbeiterorganisationen u. a. Herr Ussischkin dankte den Rednern für ihre freundlichen Worte und versicherte, daß er auch weiterhin bestrebt sein werde, ein treuer Mittler zwischen dem jüdischen Volke und dem jüdischen Lande zu sein und die Palästina-Arbeit nach Maßgabe seiner Kräfte zu fördern. Er schilderte darauf die Persönlichkeit Pinskers, den er als sein Vorbild in der zionistischen Arbeit feierte und schloß mit einem talmudischen Ausspruch, wonach Erez Israel nur auf dem Wege des Duldens und der Geduld erlöst werden könne. Die Anwesenden beschlossen, Herrn Ussischkin ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen zu lassen. Merchawja: Schmiede und Stellmacherei