Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6 173 DIE3^ELT Für Saloniki wurden außer den bisher gesammelten Geldern noch 18000 Frs. bewilligt und fernere 10 000 Frs. für eine Darlehnskasse zur Verfügung gestellt, falls am Ort ebenfalls 10000 Frs. für diesen Zweck aufgebracht werden. Es wurden ferner bewilligt für Monastir 3500 Frs., Strumitza 1000 Frs., Serres 1500 Frs. und Caraferia 500 Frs. Die Festung Janina, die zurzeit noch von Belagerungstruppen eingeschlossen ist und wo großer Mangel an Lebensmitteln herrscht, erfordert besondere Vorsorge, die auch, wie entsprechend für Adrianopel, seitens der Delegation für den Zeitpunkt getroffen worden ist, in dem die Belagerung ihr Ende erreicht hat. Es werden zunächst 4000 Frs. für Janina bereitgestellt. Die Herren wurden vom König Georg von Griechenland in Saloniki in Audienz empfangen. Der König nahm eine freundliche Haltung ein und stellte Berücksichtigung der vorgebrachten Wünsche in Aussicht. Die Kommission reiste von Saloniki über Kawalla und Dedeagatsch weiter nach Konstantinopel, wo sie Ende Januar eintraf. Ein Dankesbeweis für Präsident Taft (Von unserem Berichterstatter.) New Vork. Als Anerkennung für seine Verdienste um die Judenheit während seiner Amtsperiode, hat der Internationale Orden B'nei B’rith durch seinen amerikanischen Vorsitzenden Adolph Kraus und ein Komitee dem scheidenden Präsidenten Taft eine goldene Anerkennungsmedaille überreicht. Diese Medaille wird jedes Jahr derjenigen Persönlichkeit überreicht, die sich um die Sache des Judentums besonders verdient gemacht. Ein besonderes Verdienst in der Verteidigung jüdischer Interessen hat sich bekanntlich Präsident Taft seinerzeit durch die Kündigung des amerikanisch-russischen Handelsvertrages erworben, von dem in diesen Monaten so viel die Rede war. Präsident Taft dankte in einer längeren Ansprache, in der er ausführte, daß er sich jederzeit bemüht habe, der Welt klarzumachen, daß „in Amerika alle Menschen nicht nur vor Recht und Gesetz gleich sind, sondern daß auch im Volke ein Geist herrscht, der die Prinzipien der Konstitution durchsetzt". Er fuhr fort: „Dem jüdischen Volke brauche ich nicht erst ein besonderes Lob zu spenden. Das Genie, die Stärke Ihrer Rasse, die Geduld und Ausdauer, mit der Sie Ihre Ziele fördern — alles das macht Ihre Geschichte zu einer ungewöhnlichen. Die Verfolgungen, denen Sie ausgesetzt waren, haben natürlich Spuren in Ihrem Wesen hinterlassen, doch in einem freien Lande wie die Vereinigten Staaten werden sich ihre Kräfte weiterentwickeln, damit Sie der ganzen Menschheit die wundervollen Eigenschaften der Rasse als Unterstützer von Recht und Ordnung in einem freiheitlich regierten Lande beweisen können. Mein Vater war ein Unitarier, und in dieser Religion bin ich erzogen worden, habe aber häufig zu Füßen des Rabbiners Isaac M. Wise gesessen und seinen Predigten gelauscht. Ich kenne daher keinerlei Vorurteile. Ich zweifle nicht daran, daß eine Rasse wie die Ihre, bei fortschreitender Zivilisation, an die Front gelangen und die Ungerechtigkeiten und Verfolgungen, die in einigen Ländern leider noch immer bestehen, überwinden wird. Das ist klar wie der Tag, und es befriedigt mich, daß diese Bewegung hierzulande ihren stärksten Impuls erhalten hat. Ich schätze die mir erwiesene Auszeichnung als eine der größten Ehrenbezeigungen, die mir während meiner Dienstzeit erwiesen worden sind." National]üdische Jugendorganisation Unter der Leitung unserer Gesinnungsgenossen Dr. Magnes, Prof. Kaplan, Dr. Hertz und Dr. Friedländer soll der Verband jüdischer Jugend „Joung Israel" eine beträchtliche Ausdehnung erfahren. Der Verein soll in den verschiedenen Stadtgegenden New Yorks Zweigvereine eröffnen, von denen aus das Interesse an jüdischer Erziehung in den jungen Leuten und deren Eltern geweckt werden soll. Die Organisation wird junge Juden aller orthodoxen und reformierten Schattierungen zum gemeinsamen Studium jüdischer Geschichte und Literatur vereinen. Synagogen sollen ihre Räumlichkeiten für Versammlungszwecke herleihen. Eine Reihe von Vorträgen über interessante Gegenstände sind bereits in Aussicht genommen. Eine Gewaltmaßregel gegen die jüdische Einwanderung Nachdem der Wortlaut des neuen Einwanderungs-Gesetzes, das dieser Tage vom amerikanischen Repräsentantenhause angenommen wurde, bekannt geworden ist, stellt es sich heraus, daß es eine eingeschmuggelte Bedingung enthält, die, sollte die Vorlage wirklich Gesetz werden, geradezu eine Unterbindung der jüdischen Einwanderung zur Folge haben würde. Das neue Gesetz fordert nämlich von jedem Immigranten in allen Fällen, in denen fremde Regierungen Auswanderer- Zeugnisse ausstellen, ein solches Zeugnis, und weist jeden ab, der ein derartiges Zeugnis nicht vorzeigen kann. Es braucht nun bloß jede fremde Polizeibehörde ein derartiges Zeugnis (z. B. nach dem Beispiel von Italien) einzuführen, und die fremde Regierung hat es in der Hand, Militärflüchtlingen, politisch Unliebsamen oder auch solchen, die nicht genug — Schmiergelder bezahlen, die Uebersiedlung in die Vereinigten Staaten unmöglich zu machen. Der politisch Verfolgte, selbst der Flüchtling vor einem „Pogrom“ stände demnach künftig vor der Gefahr, von dem „Lande der Freiheit" zurückgewiesen zu werden, denn das sich die russische Regierung diese unvergleichliche Gelegenheit zur Schikanierung und Bedrängung ihrer jüdischen Untertanen sowie zur Erpressung von Zeugnisgebühren kaum wird entgehen lassen, darf man als sicher annehmen. Schon wegen der neuen Stempel- und Schreibgebühren, die man zweifellos für diese Zertifikate erheben würde, bedeuten sie eine Schwierigkeit für die Auswanderungslustigen. Die neue Bestimmung, die, wie gesagt, stillschweigend und ohne Debatte in die Gesetzesvorlage hineingeschwindelt worden ist, erscheint den freizügigen politischen Traditionen der Vereinigten Staaten so entgegengesetzt, daß man ermessen kann, wie groß der Widerwille gegen die Einwandererkreise sein mußte, um eine solche Vorschrift, die das Prestige der Staaten nur schädigen kann, überhaupt möglich zu machen. Sofort nach Bekanntgabe dieser Klausel ist das American Jewish Committee zu einer Beratung zusammengetreten, um einen entschiedenen Protest gegen dieses die jüdische Immigration schwer bedrohende Gesetz auszuarbeiten. Das jüdische Gymnasium in Lodz (Von unserem Berichterstatter.) Lodz. Es war eine glückliche Idee des Herrn Dr. Marcus B r a u d e in Lodz, ein jüdisches Gymnasium zu gründen. Man muß das Problem der jüdischen Erziehung in all seiner Größe und Tiefe erfassen, um diese Schöpfung gehörig würdigen zu können. Die Pforten der Regierungsschulen sind infolge der berüchtigten Prozentnorm nur für einen kleinen Kreis hauptsächlich reicher Juden offen, die sich durch Geld und Protektion das zweifelhafte Glück der Aufnahme ihrer Kinder in das Kronsgymnasium erbetteln müssen. Hat nun der Vater das Ziel seiner Mühe erreicht, so beginnt erst die Tragödie des Kindes. Es gerät in eine Atmosphäre der Mißgunst, die ihm die meist antisemitisch angehauchten Lehrer und Schulkameraden entgegenbringen.