Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 6 (7.2.1913)
- Date
- 1913-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 ...- ,, DIESqEEUT-.■—. -.—— 171 Aus dem zweiten Beispiel besonders erhellt die große emden Erwerb vergeben kann. Sehr wahrscheinlich wersoziale Bedeutung dieser Baumethode. Sie wird aber den ihre Objekte äußerst begehrt sein, natürlich auch den Wohlhabenden hoch willkommen sein, Der Rücklauf des Kapitals durch die jährlichen Zahdie imstande sind, eine größere Anzahlung zu leisten. lungen der Hausbesitzer kann ebenfalls vollständig ge-' Will z. B. jemand, der 6500 Eres, anzahlen kann, auf sichert werden. Die wichtigste Maßregel ist, daß das einem größeren Platze, der 5000 Eres, kostet, ein Haus Haus bis zur völligen Abzahlung der vereinbarten Summe im Preise von 15 000 Eres, erwerben, so kann ihm die Eigentum der Gesellschaft bleibt, also dem säumigen Gesellschaft ein Haus mit sechs Zimmern, Küche und Zahler jederzeit abgenommen werden kann. Natürlich reichlichem Zubehör gegen eine jährliche Zahlung von wird man, um Härten zu vermeiden, besonders in Fällen 1282,50 Eres., eventuell nach seinem eigenen Plane, zur Verfügung stellen. Die Gesellschaft kann sich überhaupt allen Ansprüchen und Wünschen, z. B. auch dem einer rascheren Abzahlung, aufs leichteste anbequemen. : Es erhebt sich nun aber die Frage, ob eine für die 5 Abnehmer ' so vorteilhafte Unternehmung wie diese H ä userbau-Gesellschaf t dann"au"ch f ür die Kapitalgeber rentabel sein kann. Es kann an dieser Stelle aus naheliegenden Gründen eine genaue Gewinnberechnung nicht gegeben werden, zumal es sich nicht um eine bloße Idee, sondern um ein geschäftliches Unternehmen handelt, das möglichst rasch in die Praxis übergeführt werden soll. Nur soviel sei hier gesagt, daß bei vorsichtiger Berechnung und nach Abzug aller Unkosten sich eine Verzinsung des Kapitals mit mindestens 6 %< sehr gut erreichen läßt. Das ist bei der großen Sicherheit der Anlage (auf die wir noch kurz zurückkommen) sehr ausreichend, um gemeinnützig gesinnte Kapitalisten heranzuziehen. Zwei technische Fragen bedürfen noch einer kurzen Besprechungdie Beschaffung und die Sicherung des Kapitals. Die Beschaffung des Kapitals wird zum größten Teil durch private Aktienzeichnung geschehen müssen. Wir können uns für diejenigen, die, ohne selbst nach Palästina gehen zu können, doch durch ihr Vermögen zur Entwicklung der jüdischen Siedlung beitragen möchten, kaum eine wichtigere, zweckmäßigere und von Risiko freiere Verwendung ihres Geldes denken. Außerdem haben aber auch mehrere Institutionen an der Häuserbau- Gesellschaft Interesse. Vor allem die Immobilien-Cesellschaft, deren Terrains durch eine rasche Bebauung wertvoller werden. Dann auch der Nationalfonds, der ja die städtische Bautätigkeit in jüdischen Vierteln durch Gewährung eines Darlehens an die Bank und durch diese an die Bauherren fördert. Es liegt kein Grund vor, warum er dieses Darlehen nicht statt dem einzelnen Parzellenbesitzer einer solchen gemeinnützigen Gesell- - schaft gewähren sollte. Ebenso werden von den jüdischen Gesellschaften, die in Palästina arbeiten, einige — wenn nicht sofort, dann nach den ersten Erfolgen der Baugesellschaft — sich mit Kapital an ihr beteiligen, um damit die jüdische Siedlung zu fördern. Der Eintritt solcher Körperschaften in die .Baugesellschaft ist vor allem deswegen wünschenswert, damit ihre Tendenz stets auf den gemeinnützigen Zweck gerichtet bleibt. Welche Sicherheit hat nun eine Baugesellschaft, die ihr Kapital in Häuserbauten anlegt? Das beste Vorbild bietet hierfür der Baukredit des Nationalfonds, der nach allgemeiner Ueberzeugung völlig gesichert ist. Für ihn sind die wichtigsten Mittel der Sicherung: Gemeinsame Haftung der Darlehensnehmer, Belassung des Besitztitels (Kuschans) in den Händen der Bank resp. des Nationalfonds. Dies sind Mittel, deren sich ohne weiteres auch die Gesellschaft wird bedienen können. . Sollte der übrigens unwahrscheinliche Fall eintreten, daß für ein von der Gesellschaft gebautes Haus sich nicht sofort ein Abnehmer findet, so steht es ihr ja frei, es ohne Berechnung einer Amortisationsquöte einfach zu vermieten. Auch hierbei wird sie eine gute Verzinsung, etwa 8 o/o, erreichen können, bis sie es zum dauunverschuldeten Notstandes oder vorübergehender Zahlungsschwierigkeiten, nicht ohne weiteres die schon geleisteten Zahlungen für verfallen erklären, sondern unter Umwandlung des bisherigen Abzahlungsin ein einfaches Mietsverhältnis dem Mieter einen kleinen Ueberschuß zurückerstatten und ihm die Möglichkeit lassen, innerhalb einer bestimmten Zeit die Wiederaufnahme des ursprünglichen Vertrages in die Wege zu leiten. Das beste Vorbild bieten hierfür die Lebensversicherungen mit der Reduktion und Reaktivierung ihrer Policen. Eine sehr wesentliche Sicherung wird für die Gesellschaft dadurch zu erreichen sein, daß sämtliche Teilnehmer eines zu gründenden Stadtteiles ihr gemeinsam haften — eine Bestimmung, die schon jetzt für das Darlehen des Nationalfonds besteht und ohne Schwierigkeit akzeptiert wird. Es sei endlich noch hinzugefügt, daß für den Anfang ein Kapital von etwa 200 000 Eres, erforderlich sein dürfte, um Gedeihliches zu schaffen. Sollte die Gesellschaft Erfolge haben, so wird es ihr ein Leichtes sein, später ihr Kapital zu erhöhen und damit ihren Wirkungskreis zu erweitern. Wir kehren zu unserem Ausgangspunkt, zu der wichtigsten Frage zurück: Welchen Einfluß würde die Tätigkeit einer Häuserbaugesellschaft auf Boden- und Mietsspekulation haben? Gerade hier liegt einer der stärksten Gründe für die Schaffung einer solchen Institution. Zunächst wird die Baugesellschaft, wenn sie durch Beteiligung des N.-F. und anderer Körperschaften in gemeinnütziger Richtung geleitet wird, auf die Bodenpreise mäßigend einwirken, solange sie selbst Land zur Verfügung stellen kann. Und das ist bei vernünftigem Zusammenarbeiten mit der Immobilien-Gesellschaft leicht zu erreichen. Sie wird aber nur die wucherische Bodenpreissteigerung verhindern, dagegen an der natürlichen aus der allgemein-wirtschaftlichen Entwicklung zu ihrem eigenen Nutzen teilnehmen. Nur wird diese Steigerung eine mäßige sein, da jüdische Viertel wohl überall außerhalb der eigentlichen inneren Stadt errichtet werden würden. Die segensreichste Wirkung der Gesellschaft wird die endgültige Niederhaltung der Mietsspekulation sein. Wer von seinem Hauswirt immer stärker geschröpft wird, der wird natürlich vorziehen, ein eigenes Haus unter so humanen Bedingungen von der Gesellschaft zu erwerben. Schon die Existenz der Baugesellschaft entmutigt so den Mietswucher. Die wachsende Nachfrage wird dann nicht mehr die Steigerung der Mietspreise, sondern die Anregung der Bautätigkeit zur Folge haben. Weiter aber hat die Baugesellschaft die .leichteste Möglichkeit, durch ihre Ueberlassungsbedingungen alle sanitätspolizeilichen und sozialwirtschaftlichen Forderungen durchzusetzen. Sie wird das Beispiel dafür liefern, wieviel von der Baufläche bebaut werden, wie hoch gebaut werden darf, wie die Aborte und Abwässer zu behandeln sind. Sie wird in ihren Kontrakten festsetzen, wieviel Familien resp. wieviel Köpfe ein Haus von bestimmter Größe bewohnen dürfen. Beim Weiterverkauf