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Die Welt · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 5 DIE^ELT 148 aus Palästina, eine ausführliche zionistische Chronik usw. Aus dem Spendenausweis des Blattes ist ersichtlich, daß die galizischen Sammlungen für den Baufonds des Hebräischen Gymnasiums in Jerusalem bereits die Höhe von annähernd 55 000 Kronen erreicht haben. Die vor Jahresfrist von Dr. Josef Seliger in Lemberg herausgegebene hebräische Tageszeitung „Bas-Kol“ (Das Echo) mußte, ehe sie noch das erste Halbjahr ihres Bestandes erreicht hatte, ihr Erscheinen einstellen. Nunmehr ist „Bas-Ko 1" als Wochenblatt zu neuem, hoffentlich längerem Leben auf erstanden. Das Blatt vertritt einen religiös-konservativen, zugleich aber nationalen und palästinafreundlichen Standpunkt. Der vielseitig begabte Herausgeber war der Begründer und erste Leiter der Tachkemonischule in Jaffa. In Antwerpen ist soeben die erste Nummer einer wöchentlichen Jargonzeitung unter dem Titel „Der Maarow“ (Der Westen) erschienen. Wie die Redaktion mitteilt, ist das regelmäßige Erscheinen dieses neuen Blattes, das einem unzweifelhaften Bedürfnis der in Belgien und Holland ansässigen Juden osteuropäischer Herkunft entgegenkommt, für längere Zeit gesichert. Die erste Nummer bringt u. a. einen Auszug aus einem in Antwerpen gehaltenen Vortrag von Dr. Nathan Birnbaum über „Die jüdische Intelligenz“, einen das palästinensisch-nationale Moment betonenden Aufsatz über den 15. Schebat von M. L i p s o n, eine Zuschrift über die Lage der jüdischen Diamantschleifer in Antwerpen, einen Brüsseler Brief, bibliographische Notizen und ein Feuilleton. In der Doppelnummer 37/38 des „Haolam“ bespricht die Redaktion an leitender Stelle Glück und Ende des sogenannten Kow no er Komitees, das gewissermaßen als politische Vertretungskörperschaft der russischen Gesamtjudenschaft hätte wirken sollen, tatsächlich aber nur das Organ der kleinen Winawerschen Gruppe war, daher seine Bestimmung nicht erfüllen konnte und schließlich als künstliches Gebilde, ohne alle Wurzeln im Volke, der Auflösung anheimfallen mußte. In dem Aufsatz wird darauf hingewiesen, daß die Schaffung eines neuen politischen Zentralkomitees, das hauptsächlich den jüdischen Dumaabgeordneten beratend zur Seite stehen müßte, eine unbedingte Notwendigkeit für das russische Judentum sei. Doch dürften die alten Fehler nicht wiederholt werden; die neuzuschaffende Körperschaft werde nur dann Autorität und Dauer erlangen, wenn sie auf breiter demokratischer Grundlage aufgebaut sein wird. — Hierauf folgt eine Würdigung der jüngsten Konferenz der russisch-jüdischen Bildungsgesellschaft im Hinblick auf den Hauptberatungsgegenstand — die Chederfrage. — Chaim Tschernowitz (Rabh Zair) schließt seine Reiseeindrücke aus Palästina mit sehr beachtenswerten Ausführungen über das literarische Schaffen unserer palästinensischen Schriftsteller. Er wendet sich gegen das Ueberwuchern der Jugendliteratur und der Gebersetzungen und fordert aus nationalen und allgemein pädagogischen Erwägungen eine Rückkehr zu den reichen Quellen unseres ureigenen Schrifttums. In diesem Zusammenhänge weist er auf die originelle literarische Persönlichkeit des Rabbiners Kuk hin, in dessen Schriften er Ansätze zu einer ganz neuartigen Literaturform von spezifisch palästinensischer Färbung sieht. Auch die Milieuschilderungen aus dem modernen Palästina von Smelansky, O r 1 o f f, B a r s i 1 a i u. a., die wissenschaftlichen Arbeiten von Lun cz, Jellin, Sapir weisen seinem Empfinden nach eine ganz eigenartige palästinensische Note auf, die ihm sehr verheißungsvoll erscheint. — Dr. Max Rosenfeld beendet seine im vorigen Hefte begonnenen theoretischen Untersuchungen über: „Die Wurzeln des jüdischen Nationalismus.“ — Aus dem weiteren Inhalt des vorliegenden Doppelheftes seien noch die stimmungsvollen Gedichte von Jakob K a h a n und L. S t r u m i n , der Roman „Greise und Jünglinge“ des Altmeisters Scholem- A1 e i c h e m, der Schluß der trefflichen Skizze „Ein Stummer“ von B. Schapir, endlich die wissenschaftlichen Aufsätze von Dr. S. Jampel („Ursprung der hebräischen Kultur in Palästina“) und S. L. Zitron („Zur Geschichte der hebräischen Presse“) hervorgehoben. Im Tebeth-Hefte der hebräischen Zeitschrift für wissenschaftliche und praktische Landwirtschaft „Hachaklai“ in Jaffa schreibt Dr. M. Zagorodsky über: „Humus, Kalk und Eisen in den palästinensischen Bojaren.“ — J. Golde schließt seinen Aufsatz „Zur Lage der Landwirtschaft in Galiläa“. Seine Ausführungen gipfeln in der Forderung der organisierten Selbsthilfe für die galiläischen Kolonisten. Es soll in Galiläa eine freie landwirtschaftliche Berufsorganisation ins Leben gerufen werden, deren Hauptaufgabe die Schaffung verschiedener ländlicher Genossenschaften — Werk-, Konsum-, Vertriebs-, Produktivgenossenschaften, Darlehenskassen, gegenseitige Lebens-, Unfall- und Viehversicherungsgesellschaften —, ferner die Einrichtung von landwirtschaftlichen Kursen, Musterbetrieben, Fachbibliotheken und Ausstellungen bilden soll. — Es folgt eine gedrängte Inhaltsangabe der Schrift von John A. W i d t s o e über das System der „trockenen Bodenbestellung“ (Dry Farming) mit Berücksichtigung der palästinensischen Verhältnisse. — Der Kolonist A. Israelit in K a s t i n i e berichtet über seine Erfahrungen in der Anpflanzung des Rizinusbaumes. Er ist von der hohen Rentabilität dieser Kultur in Palästina überzeugt und empfiehlt den Kolonisten, die verschiedenen Abarten der Rizinuspflanze, deren Oel bekanntlich als Arzneimittel, zur Seifenbereitung usw. Verwendung findet, in größerem Umfange zu kultivieren. — Die Rubrik „Aus der Fachliteratur“ enthält Notizen über den Anbau von Luzerne, über Mandelkultur in Sizilien, über die Düngung der Bäume, über die Erhöhung der Keimkraft der Pflanzen, über Diphtherie des Geflügels u. a. — Aus der reichhaltigen Chronik erwähnen wir den Bericht über die guten Erfolge der Milchproduktion in Ben-Schemen, die eingehende Darstellung einer neuen Packungsmethode für Orangen, die Notiz über die Lage der Kolonie Katra und die Wiedergabe der Ausführungen des Agr. Brill in seinem Vortrage über die Orangenkultur in Kalifornien. — Den Schluß des Heftes bilden die Rubriken „Fragen und Antworten“ und „Bibliographie“. Jaffa. In der Jerusalemer Tageszeitung „Haor“ wird in letzter Zeit eine interessante Frage ventiliert, die der Einführung des Fischereigewerbes in Palästina. Die Frage hat folgende, nicht uninteressante Vorgeschichte: Aus dem Gouvernement Baku sind vor einigen Monaten zehn Proselyten- (Gerim-)familien eingetroffen, die sich in ihrer transkaukasischen Heimat mit Fischfang befaßten und nun dieses Gewerbe auch in Palästina fortzusetzen gedenken. Sie erzählen, daß noch sehr viele Fischerfamilien nach Palästina auszuwandem gedenken. Die Angekommenen fanden in einem Kolonisten aus Pethach-Thikwah einen Landsmann aus ihrem Heimatsdorfe, der sich ihrer sehr warm annahm. Die Versuche, die sie nun in Palästina anstellten, ergaben sehr gute Resultate. Leider verfügen sie nicht über die nötigen Mittel. Nach einem Voranschlag, den sie im „Haor“ veröffentlichen, brauchen sie für zwei Boote, eine Baracke, fünf Dunam Boden und verschiedene Arbeitsgeräte nicht mehr als 2000 Frs. — Der „Haor“ seinerseits hat die Angelegenheit mit dem bei diesem Blatte häufig zutage tretenden Ueberschwang aufgegriffen. In begeisterten Leitartikeln schwärmt er von dem Fischfang, der in Zukunft hunderte und tausende jüdischer Familien ernähren werde. Er erinnert daran, daß in Saloniki viele jüdische Familien vom Fischfang leben und jetzt durch die Griechen in üble Lage geraten sind. Für diese bedeutete eine Uebersiedlung nach Palästina eine Erlösung. Der „Haor“ berührt bei dieser Gelegenheit auch die Frage eines jüdischen Seeverkehrs und den bekannten Rabbinersohnschen Antrag auf dem letzten Baseler Kongreß. Ein Leser des Blattes

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