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Die Welt · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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146 Nr. 5 DIE3qKELT durch gedungene Hausknechte sprengen und verketzerten Fischhof als „Verräter an der deutschen Nation“. ln diesen Zeitläuften trafen sich vier jüdische Männer, ein russischer, ein rumänischer, ein galizischer und ein Wiener Jude in einer Wirtsstube der Leopoldstadt zum Rütlisdiwur: Perez Smolenski, M. T. Schnirer, der vierzigjährige Jüngling Rubin Vierer und der blutjunge Nathan Birnbaum. Smolenski und Vierer hatten ursprünglich den Plan, die jüdische Bürger- Was brachte uns das kalte Menschheitslieben? Was der verlogene Freiheitsglorienschein? Zuviel, daß wir — wir selber blieben, Zu wenig, um beglückt zu sein. . . . Die junge Kadimah führte zunächst ein inneres Leben der Sammlung und Klärung. Das war gesund und begreiflich. Ringsum kein Freund, keine mitfühlende Brust. Wohin man blickte, grinste einem Selbstverleugnung, Selbsterniedrigung, würdeloser Mummenschanz entgegen. V ,TüS * \ i 0 Schaft aufzurütteln und zu mobilisieren. Aber nach dem ersten Rundblick im Wiener jüdischen Leben zogen sie sich schaudernd zurück und wußten nun, daß sie die Flamme nur in den Herzen der Jugend entfachen könnten. So trat die Kadimah ins Leben. Der Dichter Smolenski hatte den kernigen Namen ersonnen. Man vernehme mit Stolz und Freude die Parole dieser Ersten, die sie in Wien ausgaben, bevor noch Pinskers „Autoemanzipation“ erschienen war und auf die jeder Kadimahner den Treueid schwur: „Bekämpfung der Assimilation; Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins; Besiedelung Palästinas.“ Der erste Anschlag am schwarzen Brett, von Schnirer und Birnbaum gezeichnet, wirkte wie ein Steinwurf in stagnierendes Wasser. War das ein Kommen und Gehen und Tuscheln und Kichern in der Aula! Aber während die Lippen spotteten und die Blicke den Aufruf scheu streiften, als stünde man dort am Pranger, schlug doch das Herz so manches Jünglings höher, es zog ihn immer wieder zur Kadimahtafel hin. Die Saat begann zu keimen, der innere Kampf begann, es rang sich in so mancher Brust jene erste Erkenntnis durch, die einmal Zlocisti in diese Verse faßte: Selbst die Besten blieben abseits. Hatte doch der große Grätz anläßlich der Kadimahgründung keine anderen Worte gefunden als folgende leere Verlegenheitsphrase, die die jugendlichen Idealisten wie ein eisiger Strahl treffen mußte: „Wenn Jünglinge mit akademischer Bildung solche Ziele verfolgen, dann steht es wahrlich nicht schlecht um das Judentum. . . ." Was sollte man da von den anderen erwarten? Sie blieben also ein einsamer Kreis und nahmen vorerst nicht viel „Fühlung“. Aber ihr Programm verfolgten sie mit eiserner Willenskraft. Sofort im Gründungsjahre hielten sie zur Empörung der Kai-lsraeliten die erste Makkabäerfeier ab und schritten alsbald an die Gründung von Kolonisationsvereinen. Zwei der ältesten Kadimahner wanderten nach Palästina und starben dort: der Chemiker Nemczowitz und Dr. Leo Kohan. Ehre dem Angedenken dieser Pioniere! Im Jahre 1888 schließt diese erste Periode ab. Die Kadimah greift zum Säbel. Man soll dieses Ereignis der Wehrhaftmachung der bewußtjüdischen Studenten nicht unterschätzen! Was damals unseren Jungen den Säbel in die Hand drückte, war ein Aufbäumen gegen empörende Roheit, alkoholisierte Rüpelhaftigkeit, bar-

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