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Die Welt · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5 145 DIE^ELT Kongresses und dankt im Namen der Kongressisten für die Gastfreundschaft und die gute Organisation des vorbereitenden Turiner Komitees. Emilio Bachi bringt im Namen des vorbereitenden Komitees den Abschiedsgruß dar und schließt so die Arbeiten des Kongresses. Mit einem „Leschana Habaä be-jeruschalai m" verlassen die Kongressisten den großen Saal des „C o 11 e g i o Israelit! co“. Mittags versammelten sich 70 Kongressisten, darunter viele Frauen und Mädchen, im Kasher Restaurant zu einem Festessen. Es sprachen comm. Benedetto Foä, Präsident der jüdischen Gemeinde in Turin, Prof. Salvatore Foä, der Falascha Emanuel Taamrat, Ayo zugleich im Namen seines Kollegen Rodolfo Lupu für die jüdische Presse, Torrn i g g i n i für die Zionisten, und Dr. Krinkin, der einige warme Worte über den jüdischen Nationalfonds spricht, und unter dem stürmischem Beifall aller Anwesenden mit dem historischen Spruch endet: t»’ rotrr d^bht TOtrx cs Fräulein Dr. N o r z i spricht dann im Namen der F rauen und verspricht deren Mitarbeit an der Renaissance des Judentums. Es wird unter den Kongressisten zugunsten des Nationalfonds gesammelt. Und mit dieser zionistischen Kundgebung und unter Anstimmung der „H a t i k w a h‘* gehen die Versammelten auseinander! Dreissig Jahre Kadimah Von Dr. Otto Abeies, Wien. Dreißig Jahre schon seit Gründung der B i 1 u und Kadimah? Ist wirklich so geraume Zeit verstrichen, seitdem das beglückende Wort vom Judenvolk und Judenland die Losung jüdischer Jugend in Charkow und Wien wurde? Der Ruf nach Erlösung und Erneuerung des Judentums klingt uns noch so stark und neu, als hätte ihn eben erst diese Stunde geboren. Die Seele des Volkes hat sich noch nicht gesänftigt und gesammelt — so tief hat sie der Weckruf der heimgefundenen Söhne erschüttert. Rückblickend muten uns diese drei Jahrzehnte jüdischer Emanation wie ein großartiger Akkord an, wie ein einziger machtvoller Auftakt zum jüdischen Freiheitsliede. Wir haben noch nicht Distanz gewonnen und es ist nur ein schüchterner Versuch, wenn wir uns bemühen, die Geschichte der Kadimah, dieses Stück lebendigster jüdischer Gegenwart, zu erzählen und zu würdigen. Es war zu Wien in den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts. In Oesterreich hätte die Assimilation die wunderlichsten Auswüchse gezeitigt. Die Juden waren Führer und Büttel, Regisseure und Statisten, Financiers und Fahnenträger jenes lügenhaften, einseitigdeutschnationalen „Liberalismus" geworden, der ein Hohn auf den Sinn dieses Wortes war und auf das große Jahr 1848. Man identifizierte „Freiheit“ mit schwarz-rot-goldenem Hurra-Nationalismus, „Verfassung" mit deutscher Gewaltherrschaft über die Majorität der Landesbewohner anderer Nationalität. Der „Kampf gegen die slawische Hochflut" war Lebenszweck der jüdischen Intelligenz und Schreiber dieser Zeilen entsinnt sich noch aus den Knabenjahren, wie in der mährischen Provinzstadt ältere Vettern und Freunde nach der Habdalah mit Studentenstöcken ausgerüstet zum Bahnhof zogen: „die Tschechen empfangen." In Galizien waren die legitimierten jüdischen Wortführer im Handumdrehen aus kerndeutschen Verfassungsmännern Urpolen und Schlachtahörige geworden. Sie gaben für das Linsengericht gutbehandelten und wohldotierten Hausjudentums nicht nur die Massen der eigenen Brüder preis — sie boten auch die Hand zur Unterjochung des polnischen und ruthenischen Volkes durch eine gewissenlose Adelsklique. In Rußland aber stöhnten die Millionen unter blutigen Pogromqualen. . . . Und es war just im Jahre 1882, da der Teutonenwahn der Wiener Israeliten bis zur Perversität ausartete und sich berufen fühlte, germanische Geschichte zu machen. Wir meinen jenen berüchtigten Ueberfall im Wiener Musikvereinssaale, wo sich auf Anregung des volkstreuen Juden und weitausblickenden Politikers Adolf Fischhof Vertreter zahlreicher österreichischer Nationen versammelt hatten, um den Weg zu einer gerechten Staatsentwicklung und nationalen Versöhnung zu suchen. Die deutschwütigen Juden vom Gemeinderat, von der Presse und von der Aula übertrumpften die rassenantisemitischen Schönerianer, ließen die Tagung Drei Gründer der Kadimah Dr. Nathan Birnbaum Perez Smolenski Dr. Rubin Bierer

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