Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 - DIE^ELT Deutschland Stuttgart. Sonntag, den 19. Januar, sprach in einer internen Versammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe Herr Ing. cand. Max Kopetzky (Barissia, Prag) über das Thema: „Grundlinien der zionistischen Arbeit.“ Straßburg. Sonntag, den 19. d. M., sprachen Herr Prof. Dreyfuß und stud. Abraham Löw im nahegelegenen Herlisheim über „Das Wesen des Zionismus“. 31 Schekel und ebenso viele N.-F.-Büchsen waren der Erfolg des Abends. Hier ist die Gründung eines Jemenitenkomitees im Gange. Oesterreich Von der westösterreichischen Organisation (Von unserem Berichterstatter.) Wien. In der jüngsten Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich hat sich ein Wechsel in der Leitung voll- Adolf Böhm, der bereits seit längerer Zeit beurlaubt war, trat vom Präsidium zurück und legte sein Amt als Mitglied des Zentralkomitees nieder. Trotzdem mit 6 gegen 2 Stimmen dahin entschieden wurde, daß für Böhm kein Grund zur Resignation vorliege, erklärte er, auf seinem Entschlüsse zu beharren, weshalb sein Rücktritt mit Bedauern zur Kenntnis genommen werden mußte. Böhm ist einer unserer ersten Vorkämpfer, und seine schöpferische zionistische Kraft ist so lebendig und den Gesinnungsgenossen aller Länder so gegenwärtig, daß es müßig wäre, seine Verdienste um den Zionismus und seine Bedeutung für die jüdische Moderne hervorzuheben. Wenn wir ihm aus Anlaß der Resignation auf sein westösterreichisches Parteiamt dankbar die Hand drücken, beseelt uns der Wunsch, dieser emsig schaffende und ringende Mann möge in seiner fruchtbaren Arbeit nicht erlahmen. — In das Zentralkomitee wurden die Herren Dr. Karl P o 1 - 1 a k und Dr. Leopold M e i s e 1 kooptiert. Dr. P o 11 a k wurde mit der interimistischen Leitung betraut. Das Zentralkomitee übertrug ihm die Rechte eines Präsidenten. Die endgültige Regelung der Präsidentenfrage wurde einem westösterreichischen Parteitage Vorbehalten. Dieser findet zu Ostern (23. März a. c.) in Prag statt. Heber die Vorbereitungen zu dem in Wien stattfindenden XL Zionistenkongresse berichtete Gg. Geller. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, dem engeren Aktionskomitee Dienstag, den 2. September, als Eröffnungstag des Kongresses vorzuschlagen. „Der Mythos der Juden“ Prag. Am 16. d. Mts. fand hier der große Festabend des Vereins jüdischer Hochschüler „Bar Kochba“ statt, der die vornehmste jüdische Veranstaltung der Saison geworden ist. Wie in früheren Jahren der Bibelabend (der allenthalben Nachahmung gefunden hat) und der Volksliederabend ihre ungeahnte Wirkung geübt haben, so hat der diesjährige, fünfte, Festabend, der den Mythos der Juden zum Gegenstand hatte, zum erstenmal in Westeuropa es unternommen, die eigentümliche Schönheit, die glühende Innerlichkeit, die mystische Tiefe der jüdischen Sagen- und Legenden weit zu enthüllen. Deshalb verdient dieser glänzend gelungene Versuch größere Aufmerksamkeit. Dr. Martin Buber (Berlin) entrollte ein Bild des jüdischen Mythos. Die Beurteiler des Judentums haben dem Judentum die mythenbildende Kraft abgesprochen, weil sie nur das ihnen sichtbare offizielle Judentum kritisierten; ähnlich verfahren die jüdischen Rationalisten. Das eigentliche .schöpferische Element aber ist die unterirdische jüdische Volksr e 1 i g i o n, die die Mythen schuf, deren Reste und Spuren in der Bibel, der Agada, dem Midrasch, der Kabbala und dem Chassidismus uns erhalten sind. Im Anschluß daran las die Berliner Schauspielerin Gertrud Eysoldt (Deutsches Theater) mit vollendeter Meisterschaft eine kleine Auswahl jüdischer Mythen, die leider nur zu geringstem Teil dem deutschlesenden Publikum zugänglich sind. Die Künstlerin las einiges aus der Bibel, einige Sagen von der Urzeit (aus der demnächst erscheinenden Sammlung von Berdyczewski) und schließlich zwei chassidische Legenden aus Bubers „Baal-Schem“. Der Abend hat in seiner einheitlichen Stimmung eine starke Wirkung geübt. Er ließ Kräfte ahnen, von deren Werken wir keine Kenntnis mehr haben, und die wir uns lebendig machen müssen, wenn unser Judentum uns wieder zu einer lebendigen Gemeinschaft werden soll. Der Abend war außer von der jüdischen Gesellschaft von den Spitzen der deutschen und tschechischen literarischen 119 Kreise besucht und ist nicht nur im jüdischen, sondern auch im künstlerischen Leben Prags ein Ereignis gewesen. Prag. Parteisekretär Kurt B 1 u m e n f e 1 d befindet sich seit einer Woche in Böhmen, um im Einvernehmen mit der Distriktsleitung umfassende Arbeiten zur Festigung und Ausbreitung unserer Organisation einzuleiten. In mehreren Sitzungen des Distriktskomitees, der auch die Vertreter der großen Prager zionistischen Vereine beiwohnten, wurde eine intensive Propagandatätigkeit beraten und ein Arbeitsplan festgesetzt. In den nächsten Tagen soll Herr Blumenfeld in Karlsbad, Pilsen, Trautenau, Teplitz und Prag sprechen. In Prag sprach er am IS. d. Mts. auch in einer größeren Studentenversammlung. Holland Auf dem Delegiertentage des Niederländischen Zionistenbundes, der am 25. und 26. Dezember 1912 in Herzogenbusch stattfand, wurde folgende Resolution angenommen: „Die Leitung der zionistischen Organisation soll keinem Gesinnungsgenossen in Holland irgendeinen besonderen Auftrag erteilen, ohne den Bundesvorstand hiervon vorher in Kenntnis gesetzt zu haben. Handelt es sich um eine Aktion, die in die Oeffentlichkeit treten und die Aktionen des Landesverbandes durchkreuzen könnte, so soll das A. C. die Genehmigung des Bundesvorstandes einholen.“ Das E. A. C. hat sich mit dieser Resolution unter folgendem Vorbehalt einverstanden erklärt: Falls das E. A. C. (bezw. A. C.) eine wichtige politische Aktion in die Wege leitet, die nach Meinung des E. A. C. geheim bleiben muß und in keiner Hinsicht irgendwie in die Oeffentlichkeit treten kann, so behält sich das E. A. C. vor, dem Bundesvorstand keine Mitteilung von dieser Angelegenheit zu machen. Vereinigte Staaten von Nordamerika New York. Eine öffentliche Versammlung der Zion Association von Groß New York fand am 14. Dezember unter dem Vorsitze von Dr. David de Sola Pool statt, in welcher Mr. Louis L i p s k y eine interessante Londoner Zeitungsnotiz aus dem Jahre 1854 verlas, welche die Gründung einer Organisation für die jüdische Besiedelung Palästinas vorschlägt. — Am /. Dezember veranstaltete der Verein Daughters of Zion, Hadassah Chapter, eine öffentliche Chanukahfeier. Miß Rebekah N a t e 1 s o n las David Pinskis „Der Fremde“ in der englischen Uebersetzung von Dr. J. L. Magnes. Mrs. Richard G o 11 h e i 1 sprach über die Bezalel- Schule und lenkte die Aufmerksamkeit auf die ausgestellten Erzeugnisse des Bezalel, welche für den Abend von Mrs. Nathan Straus, Mrs. J. L. Magnes und Mitgliedern des Vereines geliehen waren. Harlem. Ein neuer zionistischer Verein ist unter dem Namen „The Pioneer Zionist Society of Har- 1 e m“ gegründet worden. — Der hebräische Sprachverein Chovevei Ibrith hatte am 14. Dezember eine Zusammenkunft, in welcher Mr. J. Zuckerbaum in hebräischer Sprache über „Hebräische Erziehung und Religion“ sprach. Mr. H. Strauß fügte „ein paar Worte an die Freunde der hebräischen Sprache“ hinzu. Der Verein gewinnt immer mehr Anhänger. Philadelphia. Dr. J. L. Magnes sprach am 22. Dezember in einem von dem Zionist Council veranstalteten Vortrag über „Die Tätigkeit amerikanischer Zionisten für Palästina“. — Dr. Lewis W. Steinbach schilderte seine Reise in Palästina, wobei er besonders lobend die nationalen Schulen hervorhob. Zur Beachtung! Da die Arbeit unserer Gesinnungsgenossen in Argentinien durch die Umtriebe der Herren Liachov i t z k y und Genossen wiederholt gestört und in schwerster Weise geschädigt worden ist, bringen wir hiermit zur Kenntnis, daß die Zionistische Organisation mit Herrn Liachovitzky nichts zu tun hat. Unsere einzige berechtigte Vertretung in Argentinien stellt das Comite Central del Partido Sionista en Argentina, Buenos Aires dar, dem auch allein das Recht zusteht, Gelder für zionistische Institutionen in Empfang zu nehmen. Das Actions-Comite der Zionistischen Organi sation.