Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Nr. 3 DIE^ELT ganzen Reiche zu einer gemeinsamen Tagung zusammenzuberufen. Andere glauben jedoch nicht an die Durchführbarkeit dieses Planes und regen ihrerseits an, einen gemeinsamen Ausschuß von Vertretern der verschiedenen jüdischen Einzelverbände zu bilden, der als beratende Körperschaft den jüdischen Abgeordneten zur Seite stehen solle. Diese selbst aber haben sich bisher weder für den einen noch für den anderen Vorschlag definitiv entschließen können. Das Gesamtbild ist nichts weniger als erfreulich: Uneinigkeit, Unentschlossenheit und Ratlosigkeit. Den Plan, eine allgemeine russisch-jüdische Organisation ins Leben zu rufen, erörtert auch der frühere jüdische Duma-Abgeordnete N i s s e 1 o w i t s c h in unserem russischen Bruderorgan „Rasswjet“. Eine derartige Organisation, so heißt es in seinen bemerkenswerten Ausführungen, müßte sich besonders auf die breiten jüdischen Massen stützen und mit den fortschrittlichen Parteien des russischen Volkes in enger Verbindung stehen. Bei all diesen Plänen scheint das politische Moment zu sehr im Vordergrund zu stehen. Gewiß erfordert der Kampf um eine rechtliche und politische Besserstellung der russischen Juden besondere Aufmerksamkeit. Doch darf dabei auch die innere Stärkung des russischen Judentums nicht außer acht gelassen werden. Insbesondere verdient das jüdische Erziehungswesen größere Beachtung. Mit diesem wichtigen Problem befaßt sich die gegenwärtig tagende allgemeine Konferenz der jüdischen Bildungsgesellschaft. Diese Gesellschaft hat in jüngster Zeit ihr Interesse namentlich den C h a d a r i m zugewendet und diese jüdischen Elementarschulen in Russisch-Polen durch sachverständige Schulmänner inspizieren lassen. Es wird jedoch in der jüdischen Presse darauf hingewiesen, daß diese Inspektionen recht flüchtig vorgenommen worden seien. Der „Fraind“ macht darauf aufmerksam, daß die von der genannten Gesellschaft begründeten Lehrerkurse in Grodno zu sehr von dem russischen Bildungsstoffe beherrscht werden. Eine jüdische Bildungsgesellschaft müßte doch in erster Reihe jüdische Kultur fördern. AUS DER BEWEGUNG [ o o o o o o o looooooo Die 3. zionistische Landeskonferenz der sfidslavischen Länder Am 1. Dezember 1912 fand in Zagreb die Landeskonferenz statt, welche leider infolge der allgemeinen kritischen Lage nicht sehr zahlreich besucht war. Präsident Dr. Hugo Spitzer eröffnete die Konferenz mit einer herzlichen Ansprache, in der er intensive Arbeit von den Zionisten forderte, da uns die Ereignisse auf dem Balkan, welche auch auf die Lage der Juden eine Rückwirkung ausüben können, nicht unvorbereitet antreffen dürfen. Er wies weiter auf die Hilfsaktion zugunsten der jemenitischen Brüder hin und legte besonderes Gewicht auf den Ausbau unserer Organisation. Hierauf erstattete der Sekretär, Advokat Dr. Marko Horn, Zagreb, den Bericht über die Tätigkeit des Landesausschusses. Redner konstatiert einen Fortschritt in der Arbeit. Der Landesausschuß war bemüht, ein regeres Leben in die Organisation zu bringen. Um die Agitation kräftiger zu gestalten, gab der Landesausschuß die Broschüre: „Das Programm des Zionismus“ von R. Lichtheim heraus, die Herr Dr. Alexander Licht vortrefflich ins Kroatische übersetzte. Redner erinnert ferner an die überaus eindrucksvolle Festrede des Herrn Dr. Philipp Korngrün und bespricht die Tätigkeit unserer Vereine, welche in diesem Jahre erfolgreich war. Leider wurden der Leitung nicht die nötigen materiellen Mittel zur Verfügung gestellt, wodurch die Tätigkeit des Landesausschusses gehemmt war. Die Landesbeiträge gingen nur spärlich ein und auch die Schekel weisen gegen das Vorjahr einen Rückgang auf. Die Nationalfondssammlungen hingegen weisen einen erfreulichen Erfolg auf, da bis heute zirka SOOO Kr. gesammelt wurden, was auf die zielbewußte Leitung der N.-F.-Kommissärin Frau Clara Barmaper- Jacobi zurückzuführen ist. ln der Leitung der „Smotra“ ist eine Aenderung eingetreten. Dr. Alexander Licht und Alfred Singer haben die Leitung des Blattes übernommen und redigieren es zur größten Zufriedenheit. Hierauf erstattet der Kassierer Josef Krauß den Kassabericht. Eingelaufen sind an Schekeln 535.50 Kr., an Beiträgen für die Landesorganisation 246.60 Kr. Ueber die Berichte entwickelte sich eine rege Debatte, an welcher Advokat Dr. J a c o b i, Dr. Spitzer, Dr. Hermann (Lipik), Gustav Seidemann (Prijedor) und Herman Licht teilnahmen. Die Berichte wurden sodann einstimmig zur Kenntnis genommen. Hierauf erstattet in Abwesenheit der Frau Clara Barmaper-Jacobi Herr Dr. Ivan Jacob! das Referat über die Tätigkeit der Nationalfondskommission. Der Nationalfonds ist auch bei uns in kürzester Zeit die populärste Institution geworden. In der kurzen Zeit von kaum 10 Monaten haben die Nationalfondsspenden die Höhe von 7477.64 Kr. erreicht, und es ist sonach ein großer Fortschritt gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. Wir ersehen aus der Statistik, daß sich unsere Sammeltätigkeit stetig entwickelt und immer zielbewußter organisiert. In der Statistik finden wir neue Orte, in denen bisher für den Nationalfonds nichts geleistet wurde. In 39 Orten hatten wir Vertrauensmänner, die eine rührige Tätigkeit entfalteten. Ueberall, wo der gute Wille vorhanden war, wurden schöne Resultate erzielt. Leider war die Tätigkeit nicht überall gleich; während in den meisten Städten die Sammlungen einen rapiden Aufschwung nahmen, sich verdoppelten (Zagreb, Zemun, Vinkovci, Karlovac, Daruvar) oder sich zumindest auf der bisherigen Höhe erhielten, zeigen einige Orte einen Rückgang. Ferner wollen wir noch bemerken, daß in einigen Orten die eingelaufenen Spenden wohl keinen Rückgang aufweisen, dennoch aber nicht befriedigen. So ist hervorzuheben, daß Osijek als die zweitgrößte Gemeinde Kroatiens mit 196.27 Kronen von vielen kleineren Gemeinden weit überholt wurde. Die Aktion für die jemenitischen Juden wird auch in der Provinz hoffentlich ein günstiges Ergebnis haben. Wir hoffen, daß unsere Gesinnungsgenossen auch weiterhin mit aller Energie für den Nationalfonds arbeiten werden und die nächste Statistik ein noch schöneres Resultat aufweisen wird. (Lebhafter Beifall.) Lav. Stern (Zagreb) fordert die Konferenz auf, der Leiterin des Nationalfonds den Dank für die zielbewußte Arbeit auszusprechen, und Gust. Seidemann (Prijedor) beantragt die Eintragung derselben in das Goldene Buch. Diese Anträge wurden einstimmig angenommen. Herr Hermann Licht erstattet Bericht über die Administration der „Zidovska Smotra“. Einleitend konstatiert er, daß das Defizit der „Smotra“ stationär geblieben ist. Es ist leider nicht gelungen, das bisherige Defizit zu decken. Daran trägt jedoch nicht die „Smotra“ Schuld, denn sie hat ihre Pflicht voll und ganz erfüllt. Die Erfolge, die wir erreicht haben, sind in erster Linie der „Smotra“ zu verdanken. Der materielle Erfolg der „Smotra“ steht nicht im Einklang mit dem moralischen. Unsere Gesinnungsgenossen heben bei jeder Gelegenheit hervor, die „Smotra“ sei unser stärkstes Agitationsmittel — und da jetzt jeder Grund, den man bisher gegen sie ins Treffen führte, entfallen ist, bleibt es unbegreiflich, daß die Existenz des Blattes bedroht ist. Es solle daher jeder seine Pflicht gegenüber der „Smotra“ erfüllen. Besteht bei uns das Bedürfnis, das Blatt zu erhalten, dann verlangen wir, daß uns die Jahreskonferenz die materielle Existenz sichert. Der Redakteur der „Zidovska Smotra“, Alfred Singer, führt aus: Daß das Erscheinen der „Smotra“ ein Bedürfnis für uns ist, ist durch die Gründung des Blattes und seinen sechsjährigen Bestand erwiesen. Die Verhältnisse, unter denen wir die Redaktion übernommen haben, sind Ihnen bekannt. Wir waren bestrebt, der „Smotra“ das Vertrauen der Gesinnungsgenossen wieder zu gewinnen und sie auf ein Niveau zu bringen, das unserer Organisation würdig ist. Als Parteiblatt informierten wir unsere Leser über alle aktuellen Fragen des Zionismus, ln Artikelserien trachteten wir die Kenntnisse zu erweitern und geeignetes Agitationsmaterial zu liefern. Unser besonderes Augenmerk war auf die Entwicklung Palästinas gerichtet. Durchdrungen von der hohen Bedeutung der jüdischen Kultur für die nationale Wiedergeburt suchten wir nach Mög-