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Die Welt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 DIEl^TELT-- -=t 85 REVUE DER PRESSE Das jüngste Heft (Tebeth) der hebräischen Monatsschrift morgen sein. Im übrigen müsse an die Steile der unfrucht- „Haschiloah“ bringt an leitender Stelle einen sehr subjektiven baren Gegenwartsarbeit die intensivste Palästina-Arbeit treten, und sowohl in der Gesamtanschauung wie in den Einzelheiten für die bei vernünftiger Werbearbeit sowohl die breiten Volksrecht anfechtbaren Aufsatz von Dr. M. E h r e n p r e i s „N a c h massen als auch die einflußreichen und finanzkräftigen Gefünfzehn Jahre n“, der es aber doch in fesselnder und ansellschaftskreise zu gewinnen wären. -- legender Weise unternimmt, eine Art Bilanz der fünfzehnjährigen Von den übrigen Beiträgen des vorliegenden „Haschiloah“- Wirksamkeit des Kongreß-Zionismus zu ziehen. Nach der Mei- Heftes seien noch erwähnt: der Schluß des gründlichen und innung des Artikelschreibers ist der Zionismus „nach Umfang struktiven volkswirtschaftlichen Aufsatzes von A. L. Rosen- und Wirksamkeit eine Parteiorganisation gleich unseren anb e r g über die verschiedenen Formen landwirtschaftlicher Siedderen Organisationen geblieben, und hat es noch nicht verlumg, der letzte Abschnitt des ersten Teiles von Klausners pamocht, zum Range einer nationalen Bewegung emporlästinensischen Reisebildern, der Jerusalem und die Klagezusteigen“. Der innere Zustand des jüdischen Volkes habe sich mauer zum Gegenstände hat, die „literarischen Gespräche“ von in diesen 15 Jahren so gut wie gar nicht geändert. Die masseni>. A. Friedmann, der Schluß des Aufsatzes von David hafte Fahnenflucht der Jugend, der kulturelle Differenzierungs- Kahane über „Lilienthal und die Aufklärung der Juden in prozeß, die Gegensätze zwischen Ost und West, zwischen Rußland“, das Drama „Allah Karim“ aus dem Leben der mo- Aschkenasim und Sephardim und alle anderen Zersetzungsderncn jüdischen Jugend in Palästina (von A. L. Orloff) und erscheinungen am jüdischen Volkskörper seien nicht geschwundas Ende der Erzählung „Auf dem Gute“ von A. K 1 a t s c h k o. den, teilweise sogar noch weiter fortgeschritten. Aber auch innerhalb der zionistischen Reihen selbst sei alles beim alten * geblieben. Von einer wirklichen inneren Wiedergeburt, von Die jüdische Presse in Rußland ist seit den jüngsten Dumaeiner seelischen Evolution, einem national - kulturellen Umwählen um eine neue ständige Rabrik bereichert worden: Die schwung, sei nicht das geringste wahrzunehmen. Daher der Boykottbewegung. Tagtäglich wird darin über juden- Mangel an Stetigkeit, das fortwährende Fluktuieren im ziofeindliche Hetzen in Russisch-Polen berichtet. Die Boykottnistischen Parteilager. Die Rückkehr zum Judentum, die H e r z 1 bewegung gewinnt immer mehr an Ausdehnung und aufreizender verkündete, habe noch nicht begonnen. Nur in Palästina und Gehässigkeit. Die Provinz sucht darin noch Warschau zu überauf dem Gebiete der hebräischen Sprache seien in den letzten trumpfen. Dabei äußert sich mitunter der Judenhaß in un- Jahren verheißungsvolle Ansätze zu einer wirklichen Rege neglaublichen Formen. So berichtet der „Moment“ über einen ration sichtbar geworden, doch seien diese Keime einer besbesonders „interessanten“ Fall, der sich vor kurzem im seren Zukunft noch unscheinbar und quantitativ gering. Um Städtchen Jadow (Gouvernement Warschau) zugetragen hat. die seiner Ansicht nach völlig unbefriedigenden Ergebnisse un- Dort lebt ein Winkeladvokat namens Iwan Sydorowicz, serer 15 jährigen Arbeit zu erklären, stellt Dr. Ehrenpreis ein der seine Berufstätigkeit benutzt, um sich durch Judenhetzen umfangreiches zionistisches „Sündenregister“ auf. Als die größte „auszuzeichnen“. Eine günstige Gelegenheit dazu bot ihm nun Versündigung am zionistischen Geist erscheint ihm die sog. ein Prozeß zwischen einem Juden und einem Polen, dessen Gegenwartsarbeit, die in unvereinbarem Gegensatz zum Partei er vor Gericht zu vertreten hatte. Der patriotische Rechts- Wesen des Zionismus stehe. Denn die zionistische Bewegung anwalt wandte sich während der Verhandlung an das im Gern üsse eine nationale Konzentration anstreben, einen umfassenrichtssaal anwesende christliche Publikum mit einer blutründen Rahmen schaffen, in dem alle bestehenden Parteirichtungen stigen Pogromrede. Die Polen, so führte er aus, müßten es den Raum fänden. „Der Zionismus ist ein Friedensstifter“, sagte echten Russen nachmachen und die Juden im Lande auszu- Herzl auf dem ersten Kongreß. Anstatt dessen trage die Gegenrotten suchen. Bestrafung sei dabei nicht zu fürchten; die wartsarbeit systematisch den Kampf ins Judentum und vermehre russischen Pogromveranstalter seien auch nicht bestraft worden die Zerklüftung und die unleidlichen Parteigegensätze. Sie ... In diesem Sinne sprach Sydorowicz noch längere Zeit wirke verbitternd und schaffe uns unnötigerweise überall weiter, ohne daß die Richter es für nötig hielten, ihn zu Feinde; dabei zersplittere sie unsere schwachen Kräfte und unterbrechen und darauf aufmerksam zu machen, daß der Gelenke uns von unseren eigentlichen Zielen ab. Ganz besonders richtssaal keine Stätte für Pogromagitation sei. scharf wendet sich Dr. Ehrenpreis gegen die Gemeindewahl- , kämpfe der Zionisten. Die Parole der „Eroberung der Gemeinden“ beruhe nicht, wie vielfach behauptet wird, auf einem Der Petersburger Korrespondent des „Fraind“ entwirft ein Kongreßbeschluß, sondern auf einem mißverstandenen Ausanschauliches Bild von den politischen Anschauungen und spruch Herzls. Einen zweiten Kardinalfehler habe die zio- Plänen, die in den führenden jüdischen Kreisen der russischen nistische Organisation in der Gestaltung ihrer Beziehungen zur Hauptstadt gegenwärtig hervortreten. Das schwächliche Verkonstitutionellen Türkei und zum ottomanischen Judentum behalten des „Kownoer Komitees“ in der Frage, ob in dem gangen. Ehrenpreis schließt sich der Meinung derer an, die Gesetzesvorschlag der Kadetten betreffs der bürgerlichen Gleichauf dem 9. Kongreß eine neue Fassung des Baseler Programmes Berechtigung die Judenfrage besonders erwähnt werden sollte, befürworteten. Ueberhaupt habe die ganze geräuschvolle Art hat in diesem Komitee eine Krisis hervorgerufen. Die zionistider zionistischen Propaganda in Konstantinopel, namentlich sehen Mitglieder des Komitees, die jene Taktik der Aengstlichaber die heftige Tonart gegenüber den offiziellen türkischen keit aufs schärfste mißbilligen, sind aus dem Komitee ausge- Gemeindekreisen großen Schaden angerichtet. Ehrenpreis getreten, das nun vor der gänzlichen Auflösung steht. Andererlangt zu der Schlußfolgerung, es müsse eine „Umwertung der seits aber wird vielfach das Bedürfnis nach einer autoritativen Werte“ im Zionismus platzgreifen. Der enge Rahmen des jüdischen Körperschaft empfunden, die namentlich die Auf- Parteimäßigen müßte gesprengt und die Organisation in eine gäbe hätte, die jüdischen Duma-Abgeordneten in ihrer schwievolkstümliche Bewegung umgestaltet werden. Ueber die rigen Aufgabe zu unterstützen. Eine allgemeine russisch- 100 000 Schekelzahler hinausstrebend, müßten wir uns den jüdische Organisation existiert nicht. Die Notwendigkeit einer 12 Millionen unseres Volkes zuwenden. Bisher habe bei uns solchen Körperschaft wird von den weitesten jüdischen Kreisen der beschränkte Parteigrundsatz gegolten: Wer nicht für uns anerkannt. Nur gehen die Ansichten über die Wege und ist, der ist gegen uns; demgegenüber sollte unsere Zukunt'ts- Mittel zur Bildung einer solchen auseinander. Der eine Vorparole lauten: Wer heute nicht für uns ist, wird und muß es schlag geht dahin, die jüdischen Wahlmänner aus dem

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