Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Nr. 3 ■ -DIE^TELT Dieser Tage wurden wissenschaftliche Abendkurse für die Glücklicherweise ist bisher Haifa, das durch seine Bahn- Landarbeiter eingerichtet. Auch werden allwöchentlich Vorträge veranstaltet. Im allgemeinen ist in unserer Siedlung sowohl auf geistigem wie auf materiellem Gebiete ein stetiger, wenn auch langsamer Fortschritt wahrzunehmen. Aus Haifa Haifa, 30. Dezember 1012. In der Bevölkerung von Haifa löst sich allmählich eine starke Spannung, die seit dem Beginn des Balkankrieges über dem ganzen Leben und Treiben lag. Haifa war eine der Städte, wo man am ehesten den Ausbruch von Unruhen erwartete. Denn hier, wo unter der arabischen Bevölkerung sich Christen und Mohammedaner etwa die Wage halten, empfand der muslimische Teil die türkischen Niederlagen als Schläge für den Islam, während der christliche Teil seine Freude über den Sieg des Kreuzes nicht ganz geheim hielt. Die Folge dieser Spannung war, daß sich alles nach Möglichkeit bewaffnete, was wieder die Panik steigerte. Auch die große deutsche Kolonie bei Haifa wurde von der Panik ergriffen und rüstete eifrig gegen einen Ueberfall. Es läßt sich jedoch nicht der geringste Beweis dafür beibringen, daß gegen die Europäer irgendwelche Erregung bestand. Immerhin bereitete es allgemein eine starke Beruhigung, daß draußen im Hafen das deutsche Kriegsschiff „Geyer“ lag — und noch liegt — und daß der Kommandant für den Fall der geringsten Unruhen die Landung von Matrosen ankündigte. Inzwischen ist wie auf dem Kriegsschauplatz die Stimmung ruhiger geworden, und auch hier tritt ein gemeinsamer Feind in den Vordergrund des Interesses: die Cholera. Wahrscheinlich durch die Truppenbewegungen über Aleppo und Damaskus eingeschleppt, trat sie in Tiberias und Umgegend auf. Wenn sie auch nicht so wütete wie 1903, wo sie die unglückliche Stadt tatsächlich dezimierte, sind doch nach Schätzungen — genaue Zahlen sind nicht zu erhalten — dort etwa 100 Fälle vorgekommen, naturgemäß fast alle unter den Juden, die ja 5/6 der Bevölkerung ausmachen. Erloschen ist sie noch nicht völlig, und der Zustand der permanenten Absperrung und der Teuerung aller Lebensmittel schädigt die naheliegenden jüdischen Kolonien nicht wenig. In Tiberias selbst ist ein schlimmer Notstand die Folge. Verbindung mit Tiberias besonders gefährdet ist, noch verschont geblieben. Noch ist hier die Krisis, welche im vorigen Jahr die Cholera durch den völligen Stillstand von Handel und Wandel herbeiführte, frisch in aller Gedächtnis. Unserer Stadt, die auch die wirtschaftliche Depression durch den nun seit U/t Jahren währenden Kriegszustand besonders schwer empfinden mußte, wäre jetzt eine Erholung sehr zu gönnen. Der schon fast sagenhafte, immer wieder projektierte Haifaer Hafen wird noch immer nicht gebaut, doch soll er dem französischen „Krupp“, der Firma Schneider und Creuzot, konzessioniert sein. Inschallah, wie der Araber sagt, erleben wir ihn noch. Naturgemäß hat auch die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung stillgestanden. Kräftig gefördert wurde dagegen der Bau des Technikums. Hoch über die Stadt grüßt bereits wie ein trotziger Wartturm und doch zierlich in seinen Formen das Pförtnerhäuschen, die Mittelschule ist bis über den Oberstock hinaufgeführt und vom Hauptgebäude — dem größten Bauwerk der Stadt — steht bereits ein Teil des Erdgeschosses. Es ist schon jetzt kein Zweifel, daß dieser Bau in der Architektur Palästinas einen ersten Platz einnehmen wird. — Leider ist der zur Leitung der Bauarbeiten bestimmte Ingenieur Wilbuschewitsdi wenige Tage nach seinem Eintreffen in Haifa erkrankt und wird für längere Zeit seiner Aufgabe fernbleiben müssen. Wir haben endlich in der vergangenen Woche noch einen Fortschritt im jüdischen Leben Haifas zu verzeichnen: die Bildung eines Turnvereins. Hier, wo es weder eine Turnhalle noch Turngeräte gibt, ist das nicht so einfach wie in Europa, aber man darf hoffen, daß der Eifer der jungen Leute alle Schwierigkeiten überwinden wird. Der Verein, dem sich sofort 32 Mitglieder anschlossen, turnt in der Schule des Hilfsvereins, deren Lehrer, Herr Neumann, unter Mitwirkung von Dr. Auerbach den Tumbetrieb leitet. Die Mitglieder sind in der großen Mehrzahl Arbeiter. Besonders erfreulich ist die Beteiligung einer erheblichen Anzahl junger Sephardim, denen diese Körperübungen etwas völlig Neues sind, die sie aber mit großer Begeisterung aufgreifen. Es versteht sich von selbst, daß im Tumbetrieb nur Hebräisch gesprochen wird. Vielleicht ist diese Organisation dazu bestimmt, die bisher getrennten Elemente der jüdischen Gemeinde auf neutralem Boden zusammenzuführen. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. Dezember 1912 abgelaufen war, bitten wir die Abonnementsemeuerung unverzüglich vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur kostenlosen Uebe? Weisung der Abonnementsbeträge zu benutzen bitten. Aus allen übrigen Ländern können die Abonnementsbeträge per Postanweisung, Schecks auf europäische Banken oder per eingeschriebene Briefe überwiesen werden. Jedes abgelaufene Abonnement, das bis 31. Dezember 1912 nicht ausdrücklich abbestellt worden ist, betrachten wir als erneuert. — Bestellungen auf Einbanddecken für den Jahrgang 1912 der „Welt“ wolle man unverzüglich aufgeben. — Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung Mark 2,50. Auch im Jahre 1913 werden wir jede Woche eine Anzahl von Exemplaren der „Welt* auf holzfreiem Papier hersteilen lassen. Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet für Deutschland und Oesterreich-Ungarn M. 18.— pro Jahr „ alle übrigen Länder.. 24.— „ „ Der gebundene Jahrgang 1912 kann ab Januar zum Preise von Mark 25.— bezogen werden. Verlag „Die Welt*