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Die Welt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 3 83 DIE^ELT ebenso großen Fläche mit schadhaftem Rebenbestand andere Kulturen gepflanzt werden sollen. 4. Der Leiter des Syndikats wird ermächtigt, mit den Winzern, die nicht zum Syndikat gehören, Kontrakte bezüglich des Ankaufes ihrer Trauben für 17 Jahre abzuschließen. So wird also das jüdische Winzersyndikat in Palästina, wo es allenthalben an brauchbaren Chausseen mangelt, auf eigene Rechnung eine Chaussee von 15 Kilometer anlegen und für dieses Kulturwerk, das nicht nur den Juden, sondern zugleich allen Einwohnern zugute kommen wird, werden die jüdischen Kolonisten mindestens 200000 Frs. aufwenden. Es ist übrigens nicht die erste Chaussee in Palästina, die die Juden erbauen. Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß unsere Kolonisten, abgesehen von den Oschersteuern, die sie für ihre Weinpflanzungen zu entrichten haben, noch eine besondere Weinsteuer im Betrage von 120 000 Frs. bezahlen müssen, die überdies im laufenden Jahre auf 155 000 Frs. erhöht wurde, außer der Kriegszulage von 7000 Frs., die das Syndikat ebenfalls in diesem Jahre zu zahlen hatte. Das heißt mit anderen Worten: Der Kolonist, der eine Rebenpflanzung hat, muß doppelt Steuern entrichten, zuerst für die Trauben in natura und dann für die Verarbeitung der Trauben zu Wein. Diese doppelte Besteuerung trifft natürlich sowohl die jüdischen als auch die deutschen Bauern sehr hart, und es ist klar, daß bei einem so drückenden Steuersystem die Weinpflanzung eingeschränkt bleiben muß. Ganz anders wäre es natürlich, wenn sich die Regierung zu einer vernünftigen Steuerreform entschließen wollte. Sie würde dabei auch mehr Einnahmen erzielen, da dann immer größere, jetzt brachliegende oder äußerst extensiv bewirtschaftete Flächen einer rationellen intensiven Kultur erschlossen würden. Daß das Syndikat trotz all diesen mißlichen Zuständen sich so günstig entwickelt hat, ist nicht zum geringen Teil das Verdienst seines Leiters, des Herrn Z. G 1 u s k i n. Die J. C. A. hat dies auch durch Ueberreichung einer Gratifikation im Betrage von 5000 Frs. anerkannt. Herr Gluskin hat diesen Betrag der Anglo-Palestine Company mit der Maßgabe überwiesen, daß er samt den Zinsen für eine jüdisch-kulturelle Institution verwendet werden soll. Das Odessaer .Palästina-Komitee und das Jerusalemer Hebräische Gymnasium Vorigen Sonntag wohnte Herr M. M. Ussischkin, der Vorsitzende des Odessaer Komitees der Chowewe Zion, den ganzen Vormittag dem Unterricht im Jerusalemer Hebräischen Gymnasium bei, der auf ihn einen sehr günstigen Eindruck machte. Abends fand eine Beratung unter dem Vorsitze Ussischkins statt, an der sich der Vorstand der Schule, die Lehrer und die Herren Scheinkin, Chissin und B a r s i 1 a i aus Jaffa beteiligten. Herr Salomon Schiller, der Leiter der Anstalt, sprach ausführlich über die Entwicklung und die finanzielle Lage des Gymnasiums. Alle Anwesenden stimmten darin überein, daß das Gymnasium für Jerusalem unentbehrlich und daß seine bisherige Entwicklung sehr zufriedenstellend sei. Angesichts der momentan noch kritischen finanziellen Lage der Schule erklärte Herr Ussischkin im Namen des Odessaer Komitees sich zur Gewährung folgender Beiträge bereit: 1. Gehalt des Leiters der Schule; 2. Miete für das Schulgebäude. Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, einen Herrn für einige Zeit ins Ausland zu entsenden, um Propaganda für die Anstalt zu machen, so würde sich das Odessaer Komitee auch an den hierfür erforderlichen Ausgaben mit einem namhaften Betrag beteiligen. Ueberhaupt erklärte Herr Ussischkin seine Bereitwilligkeit, diese wichtige Jerusalemer Schule in jeder Beziehung zu fördern. Es wurde auch beschlossen, Herrn Dr. Gerson Zipper in Lemberg um die Ueberweisung des von ihm mit großer Hingebung gesammelten Baufonds zu ersuchen, damit man recht bald an die Erbauung eines eigenen Heims für das Gymnasium gehen könne. Ebenso beschloß man, Herrn Alderman Jacob Moser in Bradford um die Erhöhung seiner jährlichen Subvention zu bitten. Herr Ussischkin hat auch für das von Dr. Marschak geleitete „Chadar Thorah“ 1200 Frs. und für das Beth-Am 1000 Frs. bewilligt. Aus eigenen Mitteln hat er dem „Greisenheim" 1300 Frs. gespendet. Ferner veranstaltete er eine allgemeine Besprechung der Lage Jerusalems, an der sich Vertreter der verschiedensten Richtungen der jüdischen Bevölkerung beteiligten. Der Inhalt der Aussprache wurde in der lokalen Tagespresse wiedergegeben und weckte allenthalbefn lebhaftes Interesse. ^Kleine Nachrichten In einem Briefe aus Sanaa (Jemen), der in Jaffa eingetroffen ist, wird mitgeteilt, daß der zwanzigjährige Schwager des dortigen Chachambaschi überfallen und in grausamer Weise ermordet wurde. Er erhielt zwölf Messerstiche. Der Ermordete war der Sohn des angesehenen Gemeindevorstehers Su lei man Chabschusch in Sanaa. Eine ägyptische Zeitung meldet, daß sich eine englische Gesellschaft mit einem Kapital von 50 Millionen Francs gebildet habe, um in Palästina große Bewässerungswerke anzulegen und Baumwollkultur zu betreiben. In Sichron-Jakob beginnen die Jemeniten festen Fuß zu fassen. Mehrere von ihnen schlossen sich dem dortigen Turnverein an. Diejenigen Jemeniten, die längere Zeit in der hiesigen Plantage der J. C. A. arbeiten, erhielten dieser Tage eine Gratifikation im Betrage von 340 Frs., die anscheinend Baron Rothschild bewilligt hat. Das Gymnasium in Jaffa hat als Schularzt Herrn Dt. Borochow engagiert. Dr. Tschernichowsky, an den man sich früher wandte, konnte vorläufig die Stelle nicht übernehmen. Ein Informationsbureau in Beirut Die Organisation jüdischer Studenten „Kadimah" in Beirut teilt uns folgendes mit: Im Hinblick auf die Wichtigkeit eines jüdischen Informationsdienstes in Beirut, das an der Schwelle Palästinas liegt und durch seine europäischen Hochschulen ein Zentrum geistigen Lebens ist, daneben auch den jüdischen Einwanderern aus Europa mannigfache Arbeitsgelegenheiten bietet, ist von den hiesigen jüdischen Studentenvereinen in Gemeinschaft mit den Vertretern der Arbeiterschaft und des Kaufmannsstandes ein Informationsbureau gegründet worden, das allen Interessenten sowohl in bezug auf die hiesigen Schulverhältnisse als auch in geschäftlichen Angelegenheiten und hinsichtlich der vorhandenen Arbeitsgelegenheiten unentgeltlich Auskunft erteilt. Das Informationsbureau entsendet zu allen hier eintreffenden Dampfern der russischen Schiffsgesellschaft einen Vertreter, der darauf achtet, daß die Landung der jüdischen Emigranten ordnungsgemäß und ohne unnötige Kosten vor sich geht, und der den jüdischen Emigranten alle gewünschten Auskünfte kostenlos erteilt. Das Bureau steht mit den kürzlich gegründeten Informationsbureaus der jüdischen Arbeiter in Palästina sowie mit den übrigen Institutionen ähnlicher Art in Palästina und im Auslande in ständiger Verbindung und untersteht der Aufsicht des Komitees der Chowewe-Zion in Odessa. Das Bureau nimmt Anfragen in allen Sprachen, denen eine Antwortmarke beizugeben ist, entgegen. Adresse: Histadruth „Kadimah“ für Informationsbureau, Beirut (Syrien), American College. Aus der palästinensischen Kolonie Artuf Aus der hauptsächlich von spaniolischen Juden aus Bulgarien bewohnten Kolonie Artuf wird der „N. J. K.“ geschrieben : Vor kurzem wurde hier die neue dreiklassige Kolonieschule eröffnet. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen beträgt 21. Einstweilen ist die Schule in einem gemieteten Raume untergebracht, doch dürfte sie bald ein eigenes Gebäude erhalten.

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