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Die Welt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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80 Nr. 3 Einschließlich der Handelskammermandate würden die Juden Galiziens über kaum 12 Mandate verfügen, während ihnen 23 gebühren würden. Hierzu bemerkt die Wiener „Sonn- und Montagszeitung“: „Diese offenbare Zurücksetzung der jüdischen Bevölkerung, welche ohnehin durch die galizische Praxis verschiedenen Vexationen ausgesetzt ist, wird unbedingt sowohl dem Lande als auch dem Gesamtstaate Schaden bringen. Denn das gegen einen Bevölkerungsteil begangene Unrecht ist noch immer eine Quelle der Unruhe, der Korruption und des allgemeinen Niederganges gewesen. Am allerwenigsten aber steht es den Polen an, welche über schlechte Behandlung und Bedrückung in Preußen und Russisch-Polen klagen, dort, wo sie die Macht haben, diese rücksichtslos unter Mißachtung der primitivsten Gerechtigkeitsgrundsätze auszunützen.“ Man sieht, die Stimme der Wahrheit ringt sich auch dort durch, wo man sie in nationaljüdischen Fragen bisher nicht zu vernehmen pflegte. Die ungarische Judenheit verfügte im Jahre 1911 über 563 Muttergemeinden und 1808 Filialgemeinden, an denen 416 Rabbiner und 1324 Rabbinerstellvertreter amtierten. In demselben Jahre wurden 7590 jüdische Ehen geschlossen, von denen 395 (5,21 o/0) Mischehen sind. Die Zahl der jüdischen Geburten betrug 24 735. Taufen ließen sich im Laufe des Jahres 1911 473 Juden, wogegen 113 Christen zum Judentum übertraten. Seit dem Jahre 1895 ließen sich nach dem Statistischen Jahrbuch 6915 Juden taufen. In Wirklichkeit ist die Zahl der Taufen jedoch viel höher, da diejenigen Austritte aus dem Judentum, deren Anmeldung beim zuständigen Rabbinat — entgegen den gesetzlichen Bestimmungen — unterbleibt, von der Statistik nicht erfaßt werden. Was die Beschäftigung der Juden anbelangt, so sind sie außer im Handel zumeist in den wissenschaftlichen und freien Berufen tätig. So sind sie unter den Privatgelehrten und Schriftstellern mit 17,9 o/o, unter den Journalisten mit 39,6 %, unter den Künstlern mit 20 o/0 und unter den Schauspielern mit 20,1 o/0 vertreten. Nochmals: Der Ito-Unfug In Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Da die Regisseure der Ito-Bewegung in Ungarn fortfahren, über Palästina den Tatsachen nicht entsprechende Nachrichten und jeder sachlichen Grundlage entbehrende Gerüchte in Umlauf zu setzen, müssen wir neuerdings auf ihr Gebahren zurückkommen. Seit Wochen und Monaten wird verkündet, daß in Palästina infolge der neueren weltpolitischen Ereignisse die jüdische Arbeit ein für allemal unmöglich gemacht worden sei. Da es nun ausgeschlossen sei, in Palästina etwas für das Judentum zu leisten, müsse man nach anderen Territorien Umschau halten. Selbstverständlich ist von all diesen Behauptungen kein Wort wahr, was die besagten Ito-Männer wahrscheinlich auch selber wissen. Wenigstens sind sie in der Lage, sich von der Unrichtigkeit ihrer Behauptungen zu überzeugen. Es kann und darf aber für eine Organisation, die auf ihre Würde hält, nicht gleichgültig sein, mit welchen Mitteln sie Mitglieder wirbt. Es kann unmöglich im Programm der Ito-Leitung liegen, über Palästina, das doch auch vom territorialistisehen Standpunkte zumindest als ein Territorium zu betrachten ist, in der jüdischen O e f f e n 11 i c h k e i t falsche Vorstellungen aufkommen zu lassen und die bereits im Gange befindlichen jüdischen Kolonisationsbestrebungen durch Ausstreuung falscher Gerüchte und durch Abschreckung der Kolonisationsfreude zu schädigen. Es ist den Männern, die in der Leitung der Ito sitzen, nicht zuzumuten, daß sie den Palästinafreunden, die durch die Förderung der jüdischen Kolonisationsbestrebungen auch vom Standpunkte der jüdischen Religion ein Gebot erfüllen, Furcht einjagen wollen. Vielmehr ist mit Bestimmtheit festzustellen, daß die Geschäftsführung der „Ungarischen Ito“ aus eigener Initiative zu diesen kleinlichen und verwerflichen Mitteln griff. Es liegen Aeußerungen hervorragender Mitglieder der „Ungarischen Ito“ vor, welche dieses Gebaren auf das entschiedenste mißbilligen. Statistisches von den Juden in Ungarn Nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1910 befinden sich in Ungarn — mit Ausschluß von Kroatien und Slavonien — 911175 Juden (5 v/o der Gesamtbevölkerung) gegen 831 162 im Jahre 1900, von denen nach dem Statistischen Jahrbuch der Städte im Jahre 1900 334 380 in den Städten, die übrigen auf dem Lande wohnten. Vom Reformrabbiner zum Staatssekretär Von Dr. Leo Lukäcs (Budapest). Am 29. Dezember des verflossenen Jahres wurde das Andenken eines Mannes geehrt, der im politischen und wirtschaftlichen Leben Ungarns eine wichtige Rolle spielte. Eduard Horn, der erste Rabbiner der Reformgemeinde in Ungarn, wurde der erste und wie es scheint der letzte jüdische Staatssekretär in unserem Lande, welches seither in führenden und wichtigen Staatsämtem keine jüdische Persönkeiten mehr auf zu weisen hat, wohl aber getaufte Staatssekretäre und Minister. Eduard Horn (eigentlich Ignaz Einhorn) wurde am 25. September 1825 in dem Städtchen V a g u j h e 1 y (Waagneustadtl) als Sohn einer gutjüdischen Familie geboren. Neben der allgemeinen Bildung wurde ihm demzufolge auch die damals übliche jüdische Bildung in den Lehrhallen des jüdischen Wissens zu Neutra, Preßburg und Prag zuteil. Die vormärzlichen Bestrebungen zur Erlangung der Emanzipation gewannen in ihm einen gewandten und stets kampfbereiten Streiter. Er wurde eines der eifrigsten Mitglieder des in Budapest begründeten „Vereines zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Juden“, und verfocht mit großer Energie den Standpunkt, daß die Emanzipation ausschließlich durch die sprachliche und kulturelle Assimilation an das Magyarentum und dann weiteigehend nur um den Preis der Abstreifung des jüdischen Sonderwesens durch eine durchgreifende Reform der jüdischen Religion durchzuführen sei. Er forderte also nicht bloß die nationale, sondern auch die religiöse Assimilation, die vollkommene Loslösung von dem geschichtlichen Judentum. Das von ihm gegründete Wochenblatt „Der ungarische Israelit“ war das Agitationsorgan seiner Bestrebungen. Er wurde selbst durch die sofort nach dem ersten Glückstaumel der errungenen Märzverfassung in vielen Städten ausgebrochenen blutigen Exzesse gegen die Juden keines besseren belehrt und berief seine gleichgesinnten Glaubensgenossen für den 8. Juni 1848 zu einer Versammlung behufs Gründung einer „Zentralen Reformgesellsdhaft ungarischer Israeliten“. Zur selben Zeit tagte die Vertretung des ungarischen Judentums, die Reformer hofften sich da einen starken Anhang zu verschaffen. Ihre Hoffnungen wurden jedoch zunichte. Die Versammlung erklärte, daß es ihr fernliege, mit der Religion Schacher zu treiben und nur um einen solchen Preis politische Rechte zu erlangen. Dem zur Agitation für die Emanzipation eingesetzten Ausschüsse von 10 Mitgliedern wurde zur Pflicht gemacht, bezüglich der religiösen Fragen keine Konzessionen zu machen, selbst dann nicht, wenn die Gesetzgebung dies als die Bedingung für die Gewährung der Emanzipation fordern würde, da der Staat nicht

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