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Die Welt · 1913-01-17 · 3 (17.1.1913) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 3 75 blE3$KLT zahlreich und schön wie in der Zeit der Richterkämpfe, die das Land durchbrausten, wo der Fabeldichter, der älteste der Weltgeschichte, jene wunderbare Dichtung schuf, wie die Bäume ausgingen einen König zu wählen. Damals konnte der politische Satiriker darauf rechnen, daß man ihn verstand, denn von allen Bergen Schomrons nickten die Wipfel der Zedern und ihrer Geschwister. Das Land wird erst wieder die alte Schönheit haben, wenn das herrliche Frühlingsgewand der Bäume wieder vorhanden ist. Natürlich ist das Neujahr der Bäume in erster Reihe ein Fest der Brüder, die das Glück haben, im alten Stammeslande an den Fundamenten mitzubauen, die für den Neubau unseres Volkstums bestimmt sind, aber doch wollen und dürfen wir nicht zurückstehen. Der fünfzehnte Schebat kann auch von uns, die außerhalb Palästinas wohnen, gefeiert und fröhlich begangen werden, wenn wir uns in der Weise an der Pflanzung der Bäume beteiligen, die allein bisher uns möglich ist Der fünfzehnte Schebat sollte auch insofern ein Neujahr der Bäume sein, als wenigstens jede jüdische Familie, die sich eins fühlt mit der Zukunft des Judentums, es für ihre Pflicht erachten sollte, an diesem Tage einen Oelbaum zu spenden. Wenn wir damit in diesem Jahre beginnen, so ist es keine Frage, daß allmählich sich auch bei uns hier das Neujahr der Bäume als ein fröhliches jüdisches Fest einbürgern und ein neues Band um uns und unser Land schlingen wird. Eine alte Volkserzählung, die auch im jüdischen Schrifttum wiedergegeben wird, läßt einen Fürsten einen Greis fragen, wozu er eine Palme pflanzt, von der er doch weiß, daß sie erst in neunzig Jahren Früchte tragen wird, so daß vielleicht seine Enkel, wahrscheinlich aber erst die Urenkel, die ersten Früchte davon genießen werden, er selbst jedoch kaum den ersten Schatten ihrer Blätter sehen dürfte. Da weist der morsche Alte auf die Palmen ringsum mit den Worten: „Wenn meine Urgroßväter und Ahnen nicht ebenso Bäume gepflanzt hätten wie ich, ohne Rücksicht darauf, daß sie selbst ihren Schatten und ihre Früchte nicht genießen würden, so würden wir heute hier nicht unter Palmen wandeln." Auch wir sind nicht in der Lage, die Früchte der Bäume zu genießen, die von unseren Spenden im fernen, aber unserer Seele ewig nahen Heimatlande unseres Volkes gepflanzt werden. Das darf uns nicht abhalten, Bäume zu spenden. Denn unseren Kindern und Nachkommen bereiten wir die Heimat Das Neujahr der Bäume am fünfzehnten Schebat feiern unsere Brüder, indem sie in festlicher Weise das öde Land mit Bäumen bestellen, die dereinst der Wanderer Straßen umrahmen und beschatten sollen. Wir feiern ebenso fröhlich mit, indem wir die Oelbaumspende bedenken, die dazu bestimmt ist, daß das Neujahr der Bäume gefeiert werden soll in alle Zukunft im jüdischen Lande. Heinrich Loewe. O ff □□□□□D WELTCHRONIK Die politische Situation (Vom unserem Berichterstatter.) Kon stantinop e 1. Die Hoffnungen der Friedensfreunde werden durch den Druck, den die Mächte gegenwärtig auf die Türkei ausüben, nicht gerade belebt. De Wiederaufnahme des Krieges soll vermieden werden; aber die Türken wollen sich doch nicht zu jedem Frieden zwingen lassen. Und wenn man vermuten konnte, daß der klug rechnende Kriegsabscheu Kiamil Paschas in der Nachgebe-Politik bis zum Ende gehen würde, so hat die Existenz einer starken Kriegspartei, selbst im Schoße des Kiamilschen Ministerkabinetts, offenbar einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Leute, die es wissen müssen, sagen, daß Kiamil Pascha nur noch eine Frist von Tagen hat, daß er aber mit dem strategischen oder diplomatischen Falle Adrianopels ganz sicherlich sofort verschwindet. De Tschataldscha-Armee schreit nach Kampf, der Kriegs-, der Marineminister, der Unterstaatssekretär des Großvesirs, der auch Stimme im Kabinett hat, und die nun geeinigte, aus Komiteemännem wie Ententisten gebildete, neuerstarkte jungtürkische Fronde, sind mit dem Armeewillen einig. Es ist also mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Kanonen wieder losgehen, mitten im entsetzlichen Balkanwinter. Wenn das der Fall ist, so wird es diesmal eine Verzweiflungsschlacht werden. De bisher erlebten Greuel werden vor den neuen erblassen. Und die Hauptstadt mag wohl wieder vor den Folgen bangen, ob die Türken nun siegen oder fallen. Man wird bald wieder nach den europäischen Panzerkreuzern im Bosporus und der Mannara ängstliche und sehnsüchtige Ausschau halten. In ein paar Tagen werden wir es wissen. Reformen für Armenien Das Wort Reformen hat einen bösen Klang für die Türken. Es führt Immer irgendein drohendes Verhängnis mit sich. Man wird vielleicht einmal sagen können, daß die Türkei an den Reformen zugrunde ging. An denen, die sie ausführte, wie an denen, die sie nicht ausführte. Denn das ist eben das Tragische: daß sie in einem richtigen Instinkt vor dem dahinter lauernden Abgrund immer mit allen Mitteln versucht hat, den Reformen zu entgehen, sich mit tausend Künsten, ja mit Gewalt, so lange als irgend möglich ihrer zu erwehren; gerade dieses Nicht-Reformieren-Wollen hat dann aber das ganze Unglück: die Unzufriedenheit, die Intrige, den Aufstand im Lande und schließlich den Druck vom Auslande verursacht, der die Regierung zu Reformen zwang, die dann aber viel weitgehender ausfielen, als sie ursprünglich gedacht waren und in ihrem Gefolge bis zur Sprengung des Staatsrahme ns führten. So war es mit Albanien, so vollzieht es sich jetzt mit Mazedonien. Man wird daher begreifen, welche Empfindungen die Türken jetzt beherrschen müssen, wenn sie heute von der Dringlichkeit von Reformen für Armenien hören. Den Armeniern ist kein Vorwurf zu machen, daß sie ihre Stimme erheben. Ihr Volkswille war seit undenklicher Zeit geknechtet, und ihr Volksleben Katastrophen ausgesetzt, die nur in den russischen Judenpogromen Analoga haben. Noch heute sind Gut und Leben der anatolischen Armenier nicht gesichert. Das ist kein Zustand, der dem bösen Willen der türkischen Regierung zuzuschreiben wäre; die allgemeine unzureichende Gesetzgebung des Landes ist schuld und die Wildheit der kurdischen Nachbarn, mit denen das armenische Element vermischt ist. Aber es bleibt begreiflich, daß die Armenier diesen Zustand nicht mehr ertragen können. Sie mögen auch noch seine gefährliche Verschlimmerung befürchten, angesichts der Aufpeitschung der religiösen Leidenschaften im Gefolge des famosen christlichen Balkankreuzzuges und der starken Abnahme der Autorität der Konstantinopeler Zentralregierung infolge der Katastrophe des gesamten Reiches. Es ist nicht Schuld der Armenier, das hinter ihnen Rußland lauert, um aus ihrem Leidensproblem für sich Kapital

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