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Die Welt · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 DIE^EELT Diese Herren regen sich über die Knebelung der Liberalen seitens der christlich-sozialen Majorität im Wiener Gemeinde- Man sieht, unsere Vertreter werden keine leichte Arbeit haben. Energische Kundgebungen der Gleichgesinnten und treue Mitarbeit unserer Preßorgane werden sie stützen müssen. Nach diesem bezeichnenden Intermezzo wurde die öffentliche Sitzung fortgesetzt. Die zionistischen Kultusräte gelangten in die wichtigsten Ausschüsse und haben ein reiches Arbeitsfeld vor sich. Dr. Ehrlich gehört den Kommissionen für Unterrichtsangelegenheiten und für die Statutenrevision an, Ing. Stricker wurde u. a. in die Kommissionen entsendet, welchen die Lösung der Friedhofsfrage, der Bau des neuen Kinderspitals und des geplanten monumentalen Gemeindetempels obliegt. Christliche Jugenderziehung (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Wie wenig die christliche Jugenderziehung vom Geiste der Liebe getragen ist und wie sehr die harmlosen, kindlichen Gemüter schon auf der niedrigsten Stufe ihrer Entwicklung, in der Elementarschule, durch gewissenlose Hetzerei vergiftet werden, zeigt folgender Fall, dessen Bekanntwerden in jüdischen Kreisen lebhafte Entrüstung hervorgerufen hat: In einer Prager Volksschule, die zum überwiegenden Teil von jüdischen Kindern besucht wird, hat der Katechet in der Religionsstunde an die christlichen Schüler zu Weihnachten ein Büchlein verteilt: „Tiroler Bildchen" von A. Alfa (35. Band der 1. Serie der Kinderbibliothek „Nimm und I i e s", Verlag von Eberle u. Reckenbach, Einsiedeln); die erste Erzählung in diesem Buche ist eine blutrünstige Ritualmordgeschichte, von . der schwärzesten Phantasie angehaucht und aufs grauenvollste ausgemalt. Ein Christ wird von Juden durch Geld bestochen, ihnen sein Kind anzuvertrauen; sie führen es dann in den Wald, binden es an und der grausame Rabbiner tötet cs, zersticht es und zapft ihm das Blut ab. ... Mit solchen Geschichten wird also die Phantasie der christlichen Kinder in der Religionsstunde genährt und die niedrigsten Instinkte geweckt. Das alles geschah hinter dem Rücken des Direktors, der, auf Grund des österreichischen Volksschulgesetzes, entsprechend der jüdischen Schülermajorität e i n Jude ist; seine Autorität dürfte nicht groß sein, wenn sich der katholische Priester seiner Anstalt solches erlaubt. Es wurden Schritte wegen einer Untersuchung eingeleitet. Ein Nachwort zur Unterredung über das Angolaprojekt (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Wir berichteten in der „Welt" vom 29. November 1912 über eine Unterredung, welche der Präsident der Ungarischen Zionistischen Landesorganisation, Herr Ing. B. Beregi, mit dem hervorragenden portugiesischen Staatsmanne Magelh a e s Lima, über das Angolaprojekt hatte. Zu derselben Zeit, als diese Unterredung in der „Welt“ und in dem offiziellen Organe der Ungarischen Zionistischen Landesorganisation, in der „Zsidö Szemle“, veröffentlicht wurde, brachte auch das Assimilantenblatt, welches in neuester Zeit seinen ganzen Ehrgeiz in die Förderung der Ito setzte, eine Unterredung mit Lima. Das Blatt fühlte sich veranlaßt, in seiner Nummer vom 15. Dezember 1912 gegenüber Herrn Präsidenten Beregi (in dem es irrtümlicherweise auch den Berichterstatter der „Welt“ vermutete) festzustellen, daß über die Unterredung in der zionistischen Presse irreführende Informationen verbreitet wurden, daß sein eigener Bericht den 45 Wortlaut der Unterredung treu widergebe, während der Bericht der „Welt“ tendenziös entstellt sei. Zuerst sei darauf hingewiesen, daß die Unterredungen nicht zur gleichen Zeit stattfanden. Die von uns veröffentlichte Unterredung wurde zu einer Zeit und in einem Lokale geführt, wo unsere Gegner nicht anwesend sein konnten, ebenso, wie wir nicht bei der anderen Unterredung anwesend waren. Die Insinuation, nicht den richtigen Wortlaut veröffentlicht zu haben, müssen wir zurückweisen und können das um so eher, als der veröffentlichte Wortlaut der anderen Unterredung den von uns veröffentlichten Text bekräftigt. Sagte doch Lima: „Die Kolonisation Angolas war das Projekt Zangwills. Die Territorialisten kamen zu uns mit ihrem Plane . . .“ — „Was die Frage der Autonomie betrifft, wurde darüber meines Wissens noch sehr wenig verhandelt." „In Angola, welches zweimal so groß ist als die österreichisch-ungarische Monarchie, gibt es zweifellos ungesunde Gebiete. Aber unsere Behörden würden die Sümpfe austrocknen, würden für Kanalisation Sorge tragen und dann, versichere ich Sie, würde das Land so gesund sein, wie Südeuropa.“ Dies die Hauptschlagworte der anderen Unterredung. Man möge diese mit unserem Texte vergleichen. Eine einzige „Abweichung“ ist da zu finden. Bei uns heißt es: „Wir versteifen uns nicht darauf, die Juden, oder nur die Juden anzusiedeln.“ In der anderen Unterredung ist zu lesen: „Ich meinerseits würde mich für den Plan der Ito entscheiden.“ Es ist klar, daß Lima im ersteren Satze die Meinung der portugiesischen Oeffentlichkeit, im zweiten Satze aber seine persönliche Meinung kundgibt. Es finden sich aber in dem von uns veröffentlichen Texte einige Sätze, die in der anderen Unterredung nicht zu finden sind, und zwar diejenigen, aus welchen hervorgeht, daß 90 <\o des Bodens in Angola unkultiviert ist und daß Europäer bisher trotz der kostenlosen Ueberlassung des Bodens nicht dazu zu bewegen waren, sich dort anzusiedeln. Wir nehmen an, daß der andere Interviewer keine diesbezügliche Frage stellte. Im übrigen ist Ihr Berichterstatter bevollmächtigt zu erklären, daß der in der „Welt“ erschienene Wortlaut der Unterredung treu wiedergegeben wurde. Es wird daher kein Wort davon zurückgenommen. Ein jüdisches Gymnasium in Budapest Schon seit langer Zeit standen mehrere größere und kleinere Legate zur Gründung eines jüdischen Gymnasiums zur Verfügung. Diese Fonds wurden vor einigen Jahren mit ministerieller Bestätigung zu einer Stiftung zusammengezogen, welche der Errichtung und Erhaltung eines jüdischen Gymnasiums in Budapest dienen soll. Dieser Plan tritt nun endlich nach vielen Jahren in das Stadium der Verwirklichung. Ein großes Grundstück im Werte von 400 000 Kr. ist bereits seit langem erworben. Für den Bau standen bisher nur 1 100 000 Kr. zur Verfügung, da aber noch weitere 400 000 Kr. benötigt werden, wurde um Staatshilfe angegangen, die auch gewährt wurde. Im Staatsvoranschlag für das Jahr 1913 sind diese 400 000 Kr. für den Bau eines jüdischen Gymnasiums bewilligt worden. Es wird nun hoffentlich bald zum Baue des Instituts geschritten werden, welches den Namen „Jüdisches Stiftungsgymnasium zu Budapest“ führen wird. Association des Jeunes Juifs (Von unserem Berichterstatter.) Paris. So lautet der Name, unter welchem hier vor einigen Monaten ein Verein begründet wurde, dessen Ziel es ist, „das geistige Niveau der jüdischen Jugend zu heben und unter derselben das Gefühl der Solidarität und Brüderlichkeit zu festigen“. Wenn irgendwo, so kann man in diesem Falle

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