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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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20 Nr 1 DIE2§KELT schiedener Beziehung interessant ist und dem in gewissem Sinne symptomatische Bedeutung zukommt. Symptomatisch ist das Schreiben nämlich insofern, als es uns beweist, daß der nationale Gedanke auch in den Reihen der jüdischen Sozialisten siegreich vordringt. Wintschewskv gehört zu den ältesten Vorkämpfern des jüdischen Sozialismus. Seine vornehme Natur im Verein mit einer glänzenden publizistischen Begabung gewannen ihm die Herzen des jüdischen Proletariats. Er redigierte einige Jahre die New Yorker Monatsschrift „Zukunft“ und wurde stets von allen Parteirichtungen der jüdischen Arbeiter in Amerika gleichmäßig verehrt. Seine ersten literarischen Arbeiten waren noch in hebräischer Sprache abgefaßt, zu einer Zeit, als er gemeinsam mit Aaron Libermann und M. L. L i 1 i e n b 1 u m wirkte. Später ging er nach Amerika, wo er über 30 Jahre ausschließlich im Jargon schrieb. Sein jetziger Brief im „Haachduth" ist sein erster Versuch, zur hebräischen Sprache zurückzukehren. Wintschewsky schreibt: „Als ich vor sechs Jahren, anläßlich meines 50. Geburtstages, an die Abfassung meiner Erinnerungen ging, da fühlte ich, daß ein Altneues in meinem Innern seine Auferstehung feierte, daß ich trotz meines langjährigen aufrichtigen Internationalismus ein Vollblutjude bin und daß meine heiße Liebe zu unserer hebräischen Sprache nicht geringer ist als zu jener Zeit, da ich als 17 jähriger Jüngling meinen ersten Aufsatz im .Hammagid* veröffentlichte. In den letzten sechs Jahren hat sich mein jüdisches Empfinden immer mehr verstärkt. Ich vertiefte mich in die jüdische Geschichte und las mit großer Liebe unsere Hagadoth, die ich vor 35 Jahren voreilig in Bausch und Bogen verurteilte. Noch mehr: je mehr ich mich selbst beobachtete, je länger ich in die Tiefen meiner eigenen Seele schaute, um so klarer wurde mir, daß bei allem, was ich für die Mühseligen und Beladenen unseres armen jüdischen Proletariats getan und geschrieben habe, doch im letzten Grunde nicht Marx und Lassalle, nicht Börne und Jacoby, nicht Lessing und Fichte, Bielinsky und Tschernischewsky, sondern jene Großen der jüdischen Nation, Männer wie Arnos und Jesajas, Hillel und Rabbi Akiba und viele andere aus verschiedenen Generationen mir vorschwebten. Diese waren für mich im tiefsten Grunde meiner Seele ausschlaggebend und zielbestimmend. Je näher ich aber dem jüdischen Lager kam, um so mehr gewahrte ich, daß sich große Veränderungen vollzogen haben. Am auffallendsten ist wohl die Verjüngung der hebräischen Sprache. Der alte, schwerfällige Schwulst ist wie weggefegt und hat einer modernen, natürlichen Ausdrucksweise weichen müssen. Welch ein Jungbrunnen der Kraft und Schönheit sich da offenbarte, dies beweist am deutlichsten die Bialiksche Dichtung. Daß aber mit der neuen Sprache auch ein neuer Inhalt, eine neue, freiere Weltanschauung in die Gemüter zog, war ja weiter kein Wunder. Ich mußte mir gestehen, trotzdem ich nach wie vor kein Zionist bin, daß der Abstand zwischen meiner geistigen Welt und der allgemeinen Entwicklung des jüdischen Volkes gar nicht mehr so groß ist." Zum Schluß spricht Wintschewsky seine Hoffnung aus, daß es ihm in vorgerückten Jahren noch vergönnt sein wird, zur hebräischen Sprache, seiner Jugendliebe, zurückzukehren und stellt seine weitere Mitarbeit im „Haachduth" in Aussicht. oooooooli € o o o o o o o I AUS DER BEWEGUNG ( o o o o o o o looooooo Dreizehnter Delegiertentag des Niederländischen Zionistenbnndes Der dreizehnte Delegiertentag des Niederländischen Zionistenbundes wurde am 25. und 26. Dezember in Hertogenbosch abgehalten. Er war von 120 Delegierten besucht. Das E. A. C. war durch Herrn Dr. Arthur Hantke vertreten, dessen Beteiligung an den Beratungen von wesentlicher Bedeutung für die Resultate der Tagung war. Der Delegiertentag wurde mit einer Rede des Bundesvorsitzenden, Dr. jur. S. Franzie Bercnstein, eröffnet. Dieser führte aus, es sei ein Wachstum der Bewegung in Holland zu konstatieren, und auch der indirekte Einfluß unserer Idee auf die Gedankenrichtung der holländischen Judenheit werde Tag für Tag größer. Der Redner besprach hierauf eingehend die allgemeine Lage der Bewegung und richtete an die Anwesenden einen Appell zur Arbeit und zur Einheit. Er begrüßte in herzlichen Worten das Mitglied des E. A. C., Dt. Hantke, und erteilte diesem das Wort. Dr. Hantke dankte für die freundliche Begrüßung und übermittelte die Grüße des E. A. C. Auch er ermahnte zur Einigkeit. Die einigenden Momente über die trennenden zu stellen, sei jüdische und namentlich zionistische Pflicht. Denn diese Einheit, sie bestehe, und zwar nicht nur im Dulden, sondern auch im Wollen und in der Tat. Im Mittelpunkt dieser Einheit befinde sich Palästina: deshalb sollen wir einen palästinensischen Nationalismus propagieren. Dieser aber führe uns zum hebräischen Palästina, das wir aus eigener Kraft schaffen müssen, und das wir auch schaffen können, wenn wir die Arbeit nicht der Leitung überlassen, sondern sie selber übernehmen. Denn die Leitung kann nur Direktiven geben, die Arbeit aber sei Pflicht der Gesamtorganisation. Der Redner gab zum Schlüsse seinen Wünschen für den guten Verlaut der Versammlung Ausdruck. Nachdem der Vorsitzende der Ortsgruppe Noord-Brabant, Herr F. Gaben, die Versammlung begrüßt hatte, verlas der Bundesschriftführer, Herr Nehemia de L i e m e. Begrüßungsbriefe des Direktoriums des J. N.-F., des ehemaligen J. N.-F.- Kommissärs, Herrn H. Aronowitz, u. a. Sodann wurde eine geheime Sitzung abgehalten, in welcher über interne Fragen der Organisation und über das Parteiorgan „De Joodsche Wächter" beraten wurde. Am folgenden Morgen wurde als Resultat der geheimen Sitzung eine Anzahl Resolutionen eingebracht, die von den Herren Dr. J. Cohen, Neh. de Lieme und Dr. L. S. Ornstein beantragt und mit großer Mehrheit angenommen wurden. Insbesondere besagen diese Resolutionen, daß die öffentliche Propaganda in Holland ausschließlich Sache des Bundesvorstandes und der Ortsgruppen-Vorstände sei; es dürfe also keine öffentliche Propagandaversammlung oder öffentliche zionistische Aktion stattfinden, welche nicht vom Bundesvorstände direkt oder indirekt gutgeheißen worden ist. Die Leitung der zionistischen Weltorganisation solle keinem Zionisten einen besonderen Auftrag in Holland ohne Mitwissen und — falls der Auftrag eine öffentliche Aktion zur Folge haben könnte — ohne Zustimmung des Bundesvorstandes er- Bei der Besprechung der Jahresberichte wurde die Meinung laut, man solle einen besoldeten Parteisekretär ernennen. Der Vorsitzende versprach, diesen Antrag in Erwägung zu ziehen. Es wurden sodann nach reger Besprechung des Arbeitsprogramms für die nächsten zwei Jahre die Wahlen vorgenommen. Gewählt wurden: Zum Bundesvorsitzenden: Herr Nehemia de Lieme (Haag); zum Bundesschriftführer: Herr Dr. S. A. van Vri es] and (Amsterdam); Mitglieder des Bundesvorstandes: Herr Dr. J. Cohen (Arnhem), J. H. Kann (Haag), Alfred Polak (Tilburg), Dr. L. S. Ornstein (Groningen), M. J. V a s D i a z (Amsterdam). Redaktion des „Joodsche Wächter": Henri Edersheim (Amsterdam), Dr. B. P. Gomperts (Amsterdam), Dr. A. van Raalte (Dordrecht). Die Mitglieder des bisherigen Bundesvorstandes Dr. S. Franzie Berenstein, Dr. W. Cohen, J. Hertzberger und Dr. A. van Raalte hatten eine Wiederwahl abgeiehnt. Als Kandidaten für das J. N.-F.-Kommissariat für Holland wurden nominiert die Herren J. Hertzberger (Groningen) und J. M. Prino (Amsterdam). Nach den Wahlen dankte Herr J. Hertzberger unter lautem Beifall der Versammlung dem bisherigen Vorsitzenden Dr. S. Franzie Berenstein für. die erfolgreiche Arbeit, welche er für die Bewegung geleistet, und teilte mit, daß die Versammlung Herrn Dr. Franzie Berenstein in das

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