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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 19 DIE^ELT nur zwei Siedlungen, Kienereth und Daganjah in der Nähe von Tiberias hat, von denen Kinereth seit Monaten an eine amerikanische Gruppe verpachtet ist, während Daganjah von alteingesessenen Arbeitern bewirtschaftet wird, deren religiöser Radikalismus schon längst verflogen ist. Der ganzen Angelegenheit, die schon von den hiesigen Eiferern ungemein aufgebauscht wurde, liegt folgender Vorfall zugrunde: Ein oder zwei Arbeiter kamen an einem Festtag nach Tiberias, und da sie hier keine Bekannten hatten, kauften sic einige Lebensmittel in einem nichtjüdischen Geschäfte. Mit der „Reiterattacke gegen den Sabbat“ hat es folgende Bewandtnis: Ein jüdischer Kolonist aus Deutschland, der vollständig unabhängig ist, also weder mit dem N.-F. noch mit der Rothschildschen Kolonisation das geringste zu tun hat und dessen Frau im Krankenhaus in Tiberias lag, ritt an einem Sabbat dorthin, als er hörte, daß es seiner Frau schlecht gehe . . . Daß die Jugend in Untergaliläa in religiösen Dingen eine freiere Haltung einnimmt, ist hier seinerzeit mitgeteilt worden. Dazu brauchte es nicht der maßlosen Uebertreibungen des „Israelit“. Im übrigen wandte sich diesbezüglich bereits der Chachambaschi von Tiberias an die umliegenden Kolonien und erhielt entsprechende Zusagen. Aus den Kolonien Ber-Adas. Unsere Siedlung, die ca. 2 Stunden von Jaffa entfernt ist und über 4000 Dun am umfaßt, grenzt an das bereits vor acht Jahren erworbene K’far Saba, das mehr als 7000 Dunam groß ist, wovon bereits der größte Teil mit Mandel- und Eukalyptusbäumen bepflanzt ist. Als wir hier an die Gründung der neuen Siedlung gingen, wollten wir uns mit den Besitzern von K’far Saba zu einer Kolonie vereinigen. Der Vorteil der Vereinigung wäre in erster Reihe für den einzelnen Besitzer eine geringere Belastung, denn in den kleineren Kolonien werden die einzelnen Siedler von den öffentlichen Lasten und Verwaltungskosten besonders hart betroffen. Die Vereinigung wäre auch wohl zustande gekommen, wenn die Parzellenbesitzer in K’far Saba dort als Kolonisten leben wollten. Viele der Besitzer von K’far Saba wohnen jedoch in Jerusalem oder gar im Ausland und lassen den Boden durch andere bearbeiten. Nun liegt die geplante Verschmelzung nicht gerade im Interesse dieser Vertreter und so widersetzten sie sich, vorläufig leider mit Erfolg, der Vereinigung. Vorläufig bleiben also K'far Saba und Ber-Adas örtlich vereinigte, aber in der Verwaltung noch getrennte Siedlungen. Der Boden beider ist von gleicher Qualität und eignet sich besonders für Mandelpflanzungen, ln K’far Saba brachten in diesem Jahre die bereits ertragsfähigen Pflanzungen ungefähr 40 000 Frcs. brutto, wovon ein Teil durch den Verkauf von Eukalyptusholz erzielt worden ist. Auch hat K’far Saba einen Brunnen sowie ein größeres gemeinschaftliches Haus als Werkstatt für die Arbeiter, Magazin usw. Der Verein „Esra“ in Berlin hat beschlossen, dort zwölf Häuschen für Arbeiterfamilien zu bauen. Auch in Ber-Adas wird an einem Brunnenbau gearbeitet. Die Arbeiter wohnen vorläufig in einer provisorischen Holzbaracke. Jetzt, nach dem reichlichen Frühregen, werden die Felder gepflügt und nach einigen Monaten werden wir an die eigentlichen Vorbereitungsarbeiten für die Bepflanzung unseres Bodens gehen. Rischon le Zion. Die Verwaltung der J. C. A. hat Herrn Direktor G 1 u s k i n als besondere Prämie für seine vorzügliche Leitung des Weingeschäftes 5000 Frs. überwiesen. Herr Gluskin spendete diesen Betrag für öffentliche Institute unserer Kolonie. Ekron. Auf Veranlassung des Dr. agr. Zagorodsky wird jetzt in unserer Kolonie dem Futterbau, namentlich dem Anbau der Wicke, mehr Aufmerksamkeit zugewandt. IH REVUE DER PRESSE 47 In einem „Die Sprachenfrage in Palästina“ betitelten Aufsatz bespricht die „Kölnische Zeitung“ in ihrer Nummer vom 24. Dezember u. a. die Fortschritte des Hebräischen in Palästina. Der Artikelschreiber berichtet darüber: „In den letzten Jahren hat das Hebräische in Palästina einen wohl nie gedachten Aufschwung genommen dank den unausgesetzten Bemühungen der Zionisten. Man ist überrascht, zu sehen, wie diese Sprache zu einem neuen und reichen Leben wieder auferstanden ist. Augenblicklich ist es die Lehrsprache in den meisten jüdischen Schulen und Lehranstalten. Man darf daher auch nicht erstaunt sein, nicht nur vereinzelt hebräisch auf der Straße, sondern ganze Ortschaften wie Tiberias und Safed am See Genezareth diese Sprache sprechen zu hören. Mit einer bemerkenswerten Ausdauer arbeitet das jüdische Volk daran, dieser Sprache ihre frühere Bedeutung wiederzugeben, und zweifelsohne wird es ihm bei den Fortschritten der jüdischen Kolonisation hier im Lande auch gelingen.“ Es heißt ferner in dem Aufsatz: „Zu wenig Bedeutung wird auch bis jetzt einer anderen Sprachart beigemessen, obgleich sie gerade von uns Deutschen in erhöhtem Maße beachtet zu werden verdient; es ist der sogenannte „Jargon“ jüdisch-deutsch, welcher etwa von SO 000 Menschen gesprochen wird.“ In Nr. 35 des „Haolam“ bespricht die Redaktion die jüngste Rede Kokowzews in der Reichsduma, namentlich denjenigen Teil, der die Einbringung einer Regierungsvorlage betr. Errichtung staatlicher Getreidespeicher ankündigt. Das Blatt weist nach, daß die Verwirklichung dieser im Interesse der russischen Kleinbauern unternommenen Aktion den Ruin vieler Tausende von jüdischen Existenzen zur unausbleibliches! Folge haben wird. Während man ruhig annehmen könne, daß die meisten Versprechungen, die in der Kokowzewschen Rede den verschiedenen Ständen und Völkerschaften des russischen Reichs gemacht wurden, leere Vertröstungen auf eine ferne Zukunft darstellen, sei nicht daran zu zweifeln, daß diese Ankündigung der Regierung, die einen Todesstreich für den jüdischen Getreidehandel bedeutet, recht bald in die Tat umgesetzt werden wird. In derselben Nummer wird die Haltung der assimilatorischen Leitung der Anglo-Jewish Association, namentlich Mr. Claude Montefiores, gegenüber einem Vorschläge unserer Gesinnungsgenossen C o w e n und Greenberg, der auf die Schaffung eines Zentralkomitees sämtlicher großer jüdischen Organisationen abzielte, treffend kommentiert und im Zusammenhang damit auf die sieghafte Wirkung der zionistischen Gedankenwelt auf nichtzionistische Kreise, wie er jüngst u. a. auf der Konferenz der jüdischen Jugend in Italien zutage getreten ist, hingewiesen. — Jakob Leszcynski erörtert die wirtschaftliche Lage der Juden in Russisch-Polen im Hinblick auf die neueste Boykottbewegung und weist nach, daß diese Bewegung schon vor den Dumawahlen in Warschau in schönster Blüte stand, wenn auch nicht davon gesprochen wurde. — Die Nummer bringt ferner u. a. die Fortsetzung des Aufsatzes von S. L. Zitron „Zur Geschichte der hebräischen Presse“ und eine Reihe vorzüglicher belletristischer Beiträge sowie die ständigen Rubriken Zionismus, Rußland, Ausland und Literarische Nachrichten. Jaffa. Das Jerusalemer poale-zionistische Wochenblatt „Haachduth“ publiziert in seiner Nr. 8 ein längeres Schreiben von Morris Wintschewsky (Ben-Nez), New York, das in ver-

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