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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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18 LT Nr. 1 richtet, daß sich in den letzten Tagen kein Krankheitsfall mehr ereignet hat. Immerhin sollen über 30 Personen, meist Juden, von der Seuche hinweggerafft worden sein. Und vielleicht hätte sie noch mehr um sich gegriffen, wenn nicht ein großer Teil der Bevölkerung gleich bei der ersten Kunde von dem Auftauchen der Krankheit sofort die Flucht ergriffen hätte. Dadurch wurde es auch den Zurückbleibenden leichter, die schreckliche Krankheit wirksam zu bekämpfen. Gleich nach dem Bekanntwerden der ersten Fälle erklärte Dr. Bergert in dem Spitzenatelier des Verbandes Jüdischer Frauen den Schülerinnen, wie sie sich im allgemeinen zu verhalten und was sie im Falle einer Erkrankung in ihren Familien zu tun haben. Auch sonst erteilt Dr. Bergert im Spitzenatelier wöchentlich eine Stunde Unterricht in der Hygiene. — Die Volksküche in Tiberias, die dem Palästina-Amt in Jaffa untersteht, erhielt telegraphisch die Ermächtigung, täglich das Doppelte als sonst ausgeben zu dürfen. In Jerusalem bildete sich ein Hilfskomitee, das eine Sammlung für die Notleidenden einleitete und vorläufig ca. 600 Frcs. aufbrachte. Sollte nun die Krankheit wirklich erloschen sein, so steht zu hoffen, daß die wirtschaftliche Depression, die jetzt in Tiberias Platz gegriffen hat, bald überwunden sein wird. Der Wechsel im Gouverneursposten von Jerusalem Der Jerusalemer Gouverneur, Muhaddi Bey, verläßt nächstens infolge einer Weisung aus Konstantinopel seinen Posten.' Man führt diese plötzliche Entscheidung darauf zurück, daß Muhaddi Bey Albanier ist, der nun bei der neuen Gestaltung Albaniens nicht gut weiter Jerusalemer Gouverneur bleiben konnte, zumal er ein naher Verwandter des provisorischen albanischen Finanzministers ist. Dafür spricht auch der Umstand, daß ihm kein neues Amt überwiesen wurde. Muhaddi Bey beabsichtigt daher, sich zunächst nach Aegypten zu begeben, um dort die weitere Entwicklung der Ereignisse abzu- Muhaddi Bey ergriff bald nach seinem Amtsantritt jede mögliche Reformarbeit mit Feuereifer und versprach, auch das jüdische Kolonisationswerk, das doch auf der ganzen Linie vorbildliche Pionierarbeit leistet, nach Kräften zu fördern. Seme rückhaltlose und temperamentvolle Ansprache in Rischon 1 e- Z i o n unterschied sich durch ihre Frische vorteilhaft von den meist üblichen konventionellen Reden hoher Beamten. Plötzlich erfolgte jedoch eine Schwenkung ins judenfeindliche Lager — für eine kurze Zeit. Denn er merkte bald, daß er von den angeblichen Beschützern des Landes in verlogener Weise irregeführt worden war. Hauptsächlich kam es ihm auch darauf an, von der Zentralregierung in bezug auf die jüdische Kolonisation klare Weisungen zu erhalten, und er war deshalb auch über die Proteste der jüdischen Bevölkerung nicht verstimmt. Alles in allem muß man anerkennen, daß er die fünf Monate seiner Amtstätigkeit sich redliche Mühe gegeben hat, in bedrängter Ze t für das Wohl des Landes zu wirken und moderne Reformen in der Verwaltung anzubahnen. Sein Nachfolger im Amte ist der bisherige Abgeordnete des türkischen Parlaments, Tahar Chairadin Bey, - ein entschiedener Gegner der jungtürkischen Partei. Er wird in der arabischen Presse als ein Mann von großer Intelligenz und als gewandter Redner in mehreren Sprachen geschildert. In letzter Zeit wirkte er in Konstantinopel als Professor für türkische Geschichte. Ueberhaupt ist die arabische Presse mit seiner Ernennung sehr zufrieden, da er als ein ausgesprochener Freund der arabischen Nation gilt. Agr. Brill über die Orangenkultur in Kalifornien Wie bereits berichtet, weilte Herr Brill im Aufträge des Barons Edmund Rothschild ca. vier Monate in Kalifornien, um die Methoden des dortigen Pflanzenbaus zu studieren. Letzten Samstag abends hielt er nun in Pethach-Tikw a h ein dreistündiges Referat mit Lichtbildern über die Orangenkultur in Kalifornien, das in vielfacher Beziehung höchst fesselnd war. Aus seinen Ausführungen ergiebt sich, daß ein Dunam Boden in Palästina ungefähr doppelt soviel Orangen hervorbringt als in Kalifornien. Da nun der Arbeitslohn drüben fünfmal so hoch ist als in Palästina (in Kalifornien bezieht ein Tagelöhner 10 Frcs., in Palästina 2 Frcs. Arbeitslohn), so müßte eigentlich hier der Orangenbau unvergleichlich rentabler sein als dort. Dem ist jedoch nicht so: Der Reingewinn ist jetzt in beiden Ländern gleich und bringt ungefähr hüben und drüben eine zehnprozentige Verzinsung des investierten Kapitals. Der Grund für diese seltsame Erscheinung scheint in folgenden Umständen zu liegen: Zunächst legt man in Kalifornien auf die Sortierung und Verpackung das größte Gewicht, so daß die Orangen aus Kalifornien in einem viel besseren, appetitlicheren Zustand auf den Markt kommen und demgemäß bedeutend höhere Preise erzielen. Dann sorgt dort Regierung und Gesellschaft in ganz anderer Weise für den Pflanzer als hier, wo die Pflanzungsbesitzer seitens der Behörden nicht die mindeste Förderung erfahren. Was Herr Brill über die Bewässerungsanlagen in Kalifornien zu erzählen und durch Lichtbilder zu veranschaulichen wußte, klang der Zuhörerschaft beinahe fabelhaft. Daß auch der Transport der Früchte auf das beste geregelt ist, versteht sich bei solchen Verhältnissen von selbst. Bei der Ausdehnung des Bahnnetzes ist es ja weiter nicht zu verwundern, daß Güterzüge die Orangen fast direkt von den Gärten abholen und sie in Eiswaggons auf den Markt bringen. Endlich scheint es von besonderer Wichtigkeit zu sein, daß die dortigen Pflanzer in den Vereinigten Staaten einen kaufkräftigen Markt haben, der noch durch Schutzzölle gegen überseeische Ware abgesperrt ist. Herr Brill machte noch verschiedene praktische Vorschläge bezüglich der Verpackung, wie er sie drüben gesehen hat, und versprach, auf Aufforderung der Kolonisten, demnächst auch über die Mandelkultur in Kalifornien zu referieren. Einstimmig und mit großer Begeisterung sprach die Versammlung dem Baron Edmund Rothschild, der die Reise des Herrn Brill ermöglichte, herzlichen Dank für sein warmes Interesse für die palästinischen Kolonisten aus. Ausl den Städten Tiberias, 15. Dezember. Der Frankfurter „Israelit" vom 5. Dezember bringt einen Artikel unter der Ueberschrift „Eine Reiterattacke gegen den Sabbat“, der der Phantasie seines Verfassers alle Ehre macht, im übrigen aber zumindest als grober Unfug bezeichnet werden muß. Das Blatt schreibt: „Allsabbatlich bietet sich dort (in Tiberias) den aus der Synagoge heimkehrenden Betern ein erbaulicher Anblick: Eine Reiterschar kräftiger Jünglinge aus den umliegenden jüdischen Kolonien benutzt den arbeitsfreien Sabbattag zu einem Spazierritt in die Stadt." Das fromme Frankfurter Blatt jammert oft über die Verleumdungen, denen die Trennungsorthodoxie in Deutschland ausgesetzt ist. Weiß nun das Blatt nichts von dem Hillelschen Grundsatz, wonach man seinem Nächsten nichts zufügen soll, was man selber nicht zu erleiden wünscht? Um dem Zionismus einen Hieb zu versetzen, unterscheidet das Blatt in religiöser Beziehung die Nationalfonds-Güter von den Rothschildschen Kolonien, „wo auch die radikalsten Arbeiter es niemals wagten, einen öffentlichen Chilhul Schabbos zu begehen“. Es fällt einem schwer, auch nur einigen Willen zur Ehrlichkeit bei dem Artikelschreiber vorauszusetzen, denn im Proteste der hiesigen Orthodoxen werden ausdrücklich die Rothschildschen Kolonien mit Namen aufgeführt, und es wird dort gar kein Unterschied zwischen einer Siedlung und den anderen gemacht. Tatsächlich ist Tiberias von einem Gürtel Rothschildscher und privater Kolonien (Jibnael, Milhamie, Kinereth, Poriah, Mizpeh und Migdal) umgeben, während der Nationalfonds und seine Tochter-Institution, die P. L. D. C.,

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