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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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16 Nr. 1 ------- DIE2qKELT Palästinabilder Wer einmal Palästina durchwandert hat, weiß, wie vieltönige Schönheiten ihm Gegend um Gegend enthüllte. So wechselreich wie das Klima, wie die Bevölkerung, ist auch1 die Physiognomie des Landes. Einheitlich ist nur ein Undefinierbares: vielleicht die strenge und ruhigliebliche Begrenztheit der Formen, die bei aller Mannigfaltigkeit nur höchst selten zu trotzigen Felslandschaften und ebenso selten zu Ueppigkeit und schwelgerischem Reichtum sich wandelt. Vielleicht liegt aber in diesem einheitlichen Eindruck auch etwas, was durch das Historische und durch das Seelische mitbestimmt ist. Herzlzypresse bei Mozah So erfordert auch das richtige Sehen des Landes nicht ein rasches Durchwandern, sondern ein wechselndes Verweilen an jedem Orte. Das Einzelbild muß so zu einem gewissen Abschluß kommen, und nicht aus dem unmittelbaren Vergleich, sondern aus der inneren Reproduktion können die Spuren eines Gesamtbildes erweckt werden. Der Albumsammlung von Lichtdruckphotographien, welche vor kurzem im Verlage der „Jüdischen Zeitung“ in Wien erschienen ist*), kann nachgerühmt werden, daß der Mann, der diese Aufnahmen gemacht, Palästina wirklich so bereist und so angeschaut haben muß. Zwar kann eine Photographie nicht jene Lebenstreue haben, die außer der unmittelbaren Erscheinung auch noch die verborgenen Seiten, das geheimnisvolle Bewegen und Ruhen in der Landschaft, die feineren Züge der menschlichen Lebensverhältnisse wiedergibt. Doch ist es erstaunlich, wieviel hier durch Auswahl der Aufnahmeobjekte, durch besonders gute Standpunkte und wohl *) „Palästina im Bild“, drei Albums, nach Aufnahmen von Leo Kann, auch durch gute Aufnahmszeiten in bezug auf Beleuchtung erreicht worden ist. So heben sich diese wirklich künstlerischen Aufnahmen, die mit größter technischer Sorgfalt ausgeführt wurden, sehr vorteilhaft von manchen traditionell schablonenhaften Aufnahmen palästinensischer Landschaften ab. In bezug auf die Schönheit sowohl wie die Schärfe der Einzelheiten sind besonders hervorzuheben: einige der Gebirgslandschaften in Judäa, Samaria (z. B. Nablus) und die herrlichen Ufer des Tiberiassees, das prächtige dunkelschattige Bild von Haifa mit einigen Bäumen des Palmenhäines im Vordergründe: die Strand- und Hafenbilder, z. B. die in tausend Reflexen schimmernde See vor Jaffa oder der Dünenweg bei Haifa; dann manche wenig betretene Gebirgslandschaften Hochgaliläas, des Libanon- und Hermongebietes, darin der reizende Uebergang durch die Jordanquellen. Mit bewundernswerter, manchmal fast ergreifender Treue sind mehrere der einsamen Stätten im Lande wiedergegeben, die in ihrer schlichten Eigenart so viel zu sprechen scheinen. Wie abgedroschen erschien uns z. B. das „Grabmal Rachels“, das wir hundertmal auf Bildern sahen und das hier fast bloß durch die Dimension und durch' den Lichtton neu vor unseren Augen zu erstehen scheint. Oder die paar Grabsteine mit einem alten knorrigen Olivenbaum in Ramleh. Ueberhaupt kommt die Art, wie der Baumwuchs: Zypressen, Oelbäume, Orangenbäume, Eukalypten den Charakter einer Gegend für das Auge so sichtlich beeinflussen, sehr gu* zur Geltung. Nicht zu scheiden vom Landschaftselemf/ . und gerade im Orient organisch damit verbunden ist der Charakter der Städte. Auch von diesen (Tiberias. Safed, Bethlehem, Hebron) ist manches meisterhaft getroffen, besonders Alt-Jerusalem mit seiner eintönigen Steinfarbe, die nur durch die Hügelungen des Bodens, die wechselreichen Konturen der Gebäude und durch die Kraft der Beleuchtung, die allerdings im Gesamtbild sehr herabgedunkelt ist, eine Differenzierung aufweist. Gern sehen wir die paar genrehaften Bilder der arabischen Märkte, die wie alle anderen sehr scharf im Detail ausgearbeitet sind. Während in den Darstellungen der Städte und der bekannten allgemeinen Sehenswürdigkeiten eine Beschränkung geübt werden konnte, da hier an Reproduktionen von christlicher Seite manches gute existiert, so tritt mehr in den Vordergrund, was anderwärts nicht zu finden Sjst und für uns in Palästina Ausgangspunkt des jüdischen öegenwarts- und Zukunftslebens ist: unsere Kolonien und kulturellen Institute. Da tritt vor allem der für Palästina charakteristische Gegensatz ins Auge: Das Malerische der Städte und auch was ihr Anblick seelisch zu uns spricht, zeigt sich mehr in den Gesamtansichten, in perspektivischen Fernblicken. Anders der Charakter der Kolonien. Das stimmungsvolle Straßenbild im Nachmittagssonnenschein, wenn die Eukalypten Schatten auf die grell beleuchteten Straßen werfen, die Menschen, die von oder zu dem Felde gehen oder reiten, Kindergruppen — das drückt sich durch intimere Züge in seiner Eigenart aus. Bei der Aehnlichkeit im äußeren Gepräge der meisten Kolonien gelang es doch', manches Individuelle zu treffen und, z. B. bei Sichron Jakob und Rosch-Pinah, manchen prächtigen Anblick festzuhalten, der sonst momentan den Betrachter fesselt, ihm aber bald wieder entschwindet. Die neuen Farmen Ben- Schemen, Kinereth, Medschdel, Umdjuni usw. sind überhaupt noch wenig, manche gar nicht reproduziert worden, und hier kam es nicht so sehr auf das Malerische an, als zu zeigen, wie überhaupt so eine jüdische Farm, auch in all ihren Details, mit ihren Wirt-

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