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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 DIE3§KLT 15 Mädchenschule (Beth-Sepher Le-Banoth) und Lehrerinnenseminar in Jaffa konnten. Der Glaube an den alleinseligmachenden Klassenkampf hatte bei manchem Bilu-Mitgliede im stillen den Gedanken reifen lassen, in der „neuen Kommune" auch für die marxistischen Theorien ein bescheidenes Plätzchen zu erobern. Dazu kamen noch einige Stürmer und Dränger hinzu, die zur baldigen Rettung des Volkes . ie Erweiterung des Programms forderten. Auch Amerika sollte nämlich von der Bilu als eins ihrer Zukunftsgebiete — als „Nachtasyl" natürlich — anerkannt werden. Gegen alle diese unliebsamen Erscheinungen machten die Führer und Schöpfer des Bilu- Verbandes energisch Front. So lesen wir in einem der interessantesten Bilu-Aufrufe jener Tage: „Wir wollen hier nicht die Ursachen besprechen, woraus unsere angebliche Entfremdung von unserem Volke zu erklären ist. Eins aber wollen wir doch hervorheben, daß die letzten Schreckenstage, die über unser Volk hereingebrochen sind, all die Scheidewände, die einer Einigung von uns „Söhnen" mit unseren Vätern und Müttern im Wege standen, vollständig zerstört haben. Bei der Belagerung von Paris gab es auch in Frankreich Royalisten, Bonapartisten, Kommunisten usw., als aber der Deutsche vor den Mauern von Paris erschienen war — da schlossen sich sämtliche Parteien zu einer einzigen moralischen Kraft zusammen. Genau so hat auch die ans Tageslicht getretene unglückliche Lage des jüdischen Volkes jede Möglichkeit zur Teilung unserer Nation in Klassen und Stände unwiderruflich beseitigt. Wir sind die Söhne jenes Volkes, das in letzter Zeit seine einzig mögliche Rettung vor dem Untergang in der Emigration gefunden hat und nach langer Prüfung zur Erkenntnis gelangt ist, daß einzig und allein Palästina das Land ist, in dem unser Volk durch produktives Schaffen, speziell durch den Ackerbau moralisch und körperlich gesunden kann." — Dieses interessante offizielle Comunique der Charkower erschien später als bescheidene ,,Korrespondenz“ (im Woskhod 1882 Nr. 32), um auf diese Weise dem wachsamen Auge der Zensur zu entgehen. Und das Volk ging. Eine fluchtartige Massenauswanderung setzte ein. ln der österreichischen Grenzstadt Brody allein sammelten sich in einem Monat ca. 20 000 jüdische Flüchtlinge aus Rußland, denen im Aufträge der Alliance Carl Netter hilfreich zur Seite stand. Waren doch „die weit geöffneten westlichen Grenzen“ der einzige Anker für die Hoffnungslosen. Und nun geschah das Unglaubliche. Auch diese einzige Rettungsmöglichkeit wurde ganz unerwartet den Verfolgten genommen. An einem schönen Maimorgen erschien ein Zirkular des Ministers, wonach „jede Agitation zwecks Auswanderung von Juden aus dem russischen Reiche streng verboten wird. Zuwiderhandlungen werden mit Verbannung nach Sibirien bestraft". (Rasswjet v. J. 1882, Nr. 28.) Die Folgen dieses Verbotes blieben begreiflicherweise nicht aus. Die Agitationen zur Auswanderung nach Amerika blieben längere Zeit still. Es ist bezeichnend, daß einzig und allein „das Comite der Söhne Bilu in Charkow" unter völliger Ignorierung des Regierungserlasses seine Werbearbeit zugunsten einer Massenauswanderung nach Palästina in aller Ruhe fortsetzte. Das einzige, was sie tun mußten, war, daß sie ihr Komitee in ein „Zentralbureau" umwandelten und es im Juli 1882 nach Odessa verlegten, um im Zentrum des jüdischen Lebens mit größerer Energie ans Werk gehen zu können. So war im Leben der Bilu in kurzer Zeit ein wichtiges Ereignis eingetreten: die Gründung des Odessaer Zentralbureaus und dessen Hauptabteilung in Konstantinopel. Es war somit der erste Schritt getan für den schweren, dornenvollen Weg. (Ein zweiter Artikel folgt.) 85 jähriger Kolonist mit Urenkel am Pflug

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