Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316570--56918-3375386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 LT Nr. 1 erkennen müssen, daß in England die Frauenfrage aktuell geworden ist, und da ist es nur zu begrüßen, daß jüdische Frauen, von denen viele an dieser Bewegung einen hervorragenden Anteil nehmen, sich in einem speziell jüdischen Verbände zusammengeschlossen haben. Wie manche andere moderne Idee, hat die Frauenbewegung eine große Anzahl jüdischer Frauen in den Bannkreis ihrer Tätigkeit hineingezogen und sie von jüdischen Interessen abgelenkt. Eine besondere jüdische Vereinigung wird diese meist wohlhabenden Frauen jüdischen Fragen näherbringen. Wie Za ng will, der ein eifriger Verfechter des Frauenstimmrechts ist, hervorgehoben hat, hat schon die zionistische Organisation ihren weiblichen Mitgliedern volle Gleichheit gewährt. In demselben Sinne ist auch die fortschreitende Entwicklung eines jüdischen Hospital-Fonds in London zu begrüßen. Die Idee eines jüdischen Hospitals für London hat sich nur schwer Bahn gebrochen, und auch jetzt noch sind die sogenannten maßgebenden Kreise entschieden dagegen. Eine Anzahl Londoner Hospitäler haben jüdische Abteilungen oder Küchen, und da sie alle von freiwilligen Beiträgen erhalten werden müssen, so wäre ein speziell jüdisches Hospital, das zudem auch christliche Patienten aufnehmen würde, eine beträchtliche finanzielle Last. Es ist aber auch kein Zweifel, daß die große Masse der ausländischen, wenn auch nicht der eingeborenen Juden sich in den allgemeinen Hospitälern nicht wohl fühlt, und da viele Juden auch die englische Sprache nicht beherrschen, so sind sie auf die christlichen Missionskliniken, die zum jüdischen Seelenfang begründet worden sind, angewiesen. Es ist jedenfalls eine eigentümliche Tatsache, daß in einer reichen jüdischen Gemeinde wie London, wo die jüdische Wohlfahrtspflege so hoch entwickelt ist, Missionare aus der jüdischen Spitalnot Nutzen ziehen können. Während der letzten fünf Jahre hat denn auch eine eifrige Agitation für den Bau eines jüdischen Hospitals eingesetzt, und obwohl die besser situierten Kreise sich fast ganz davon fern gehalten haben, so wurden dennoch SOCK) £ in den ersten drei Jahren und 2300 £ im vorigen Jahre in kleinen und kleinsten Beiträgen zu diesem Zwecke gesammelt. Auf einer Versammlung, die vorigen Sonntag stattfand, wurde mitgeteilt, daß nicht nur der Bauplatz schon erworben ist, sondern auch die Pläne fertig sind. Fürs erste sollen 52 Betten errichtet werden. Die Kosten der Errichtung werden sich auf 22 000 £ (440 000 M.) belaufen, und die jährlichen Ausgaben auf ca. 4500 £ (90 000 M.). An und für sich ist das alles nur von Belang, weil es das Solidaritätsgefühl der Juden stärkt und sie so unseren Ideen geneigter macht. Wir fanden dies zur Zeit der Bezalel- Ausstellung bestätigt, und ein neuer Beweis wurde uns vor einigen Wochen bei einer Versammlung zugunsten einer hebräischen Mädchenschule im East End geliefert. Für diese Schule, wo die Ibrith be-Ibrith-Methode mit glänzendem Erfolge angewandt wird, sprachen Damen und Herren, die ausgesprochene Gegner des Zionismus sind. So kann man auch mit Vergnügen feststellen, daß unter einem Aufruf zur Gründung eines „Jüdischen Clubs“ den eine Anzahl bekannter Zionisten mit Achad-Haam an der Spitze erlassen haben, auch die Namen einiger Herren stehen, die sich dem Zionismus gegenüber bisher ganz kühl verhalten haben. Der Club verspricht ein Mittelpunkt des geistig-jüdischen Lebens in London zu werden. Ein jüdischer Frauenbund in Amerika (Von unserem Berichterstatter.) New York. Der Council of Jew'ish Women berief dieser Tage eine Versammlung, zu der sich ein großes Auditorium, das viele prominente Persönlichkeiten aufvvies, einfand. Miss Ladie American, die Präsidentin des Council, berichtete über die Tätigkeit der Organisation und erwähnte bei dieser 'Gelegenheit, daß im letzten Jahre 16 000 jüdische Mädchen zwischen 14 und 29 Jahren in Amerika gelandet sind, und zwar ca. 75 °,o ohne ihre Eltern. Seit 1904 hat der Council etwa 70 000 Mädchen bei der Landung unterstützt, ohne daß ein einziges von ihnen seither um materielle Beihilfe gebeten hätte. Nach Miss American sprach Miss A n t i n, die Verfasserin des Buches „The Promised Land“, das die Geschichte ihrer eigener. Entwicklung vom Ghettokinde zur amerikanischen Bürgerin enthält und hier starkes Aufsehen erregt hat, über die Lage jüdischer Immigrantinnen und die Gefahren, die diesen durch den Mädchenhandel drohen. Miss Antin hält das Problem für so ernst, daß sie glaubt, die amerikanische Staatsregierung werde sich demnächst entschließen müssen, das Fürsorgewerk für jüdische Mädchen, wie es bisher von dem Council of Jewish Women als einer privaten Körperschaft geleistet worden ist, als einen Teil ihrer Verwaltungsarbeit aufzunehmen und sich dabei die bisher geleistete Arbeit des Council zum Muster zu nehmen. Ein jüdischer Sachverständiger im weißen Hause Auf Einladung des Präsidenten Taft fanden sich am 7. Dezember 29 Staats-Gouverneure, einige Kabinettsmitglieder und etwa zehn geladene Gäste im Weißen Hause ein, um die Gewährung eines Bodenkredits an amerikanische Farmer zu diskutieren. Unter den Gästen war auch Herr Leonard Robinson, der Sekretär der Jewish Agricultural and Industrial Aid Society, über dessen erfolgreiche Tätigkeit zugunsten der jüdischen Farmer in Amerika wir kürzlich ausführlich berichtet haben. Herrn Robinson wurde Gelegenheit gegeben, über das von der obengenannten Organisation eingeführte Kreditwesen eingehend zu berichten, und Präsident Taft sowie die übrigen Staatsbeamten bekundeten lebhaftes Interesse an seinen Ausführungen. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. Dezember 1912 abgelaufen war, bitten wir die Abonnementserneuerung unverzüglich vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Cesterreicfr-Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur kostenlosen Ueberweisung der Abonnementsbeträge zu benutzen bitten. Aus allen übrigen Ländern können die Abonnementsbeträge per Postanweisung, Schecks auf europäische Banken oder per eingeschriebene Briefe überwiesen werden. Jedes abgelaufene Abonnement, das bis spätestens 3I. Dezember I9I2 nicht ausdrücklich abbestellt wird, betrachten wir als erneuert. Bestellungen auf Einbanddecken für den Jahrgang 1912 der „Welt“ wolle man unverzüglich aufgeben. — Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung Mark 2.50. Auch im Jahre 1913 werden wir jede Woche eine Anzahl von Exemplaren der „Welt“ auf holzfreiem Papier hersteilen lassen. Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet für Deutschland u. Österreich-Ungarn M.18.— pro Jahr „ alle übrigen Länder.. 24.— „ „ Der gebundene Jahrgang 1912 kann ab Januar zum Preise von Mark 25.— bezogen werden.. Verlag „Die Welt"