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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 11 DIE3§&LT Chebra-Kadischa gibt es Zionisten, die offizielle Zeitschrift des ungarischen israelitischen Landeskulturvereins „Mult es Jövö“ gibt in ihren Spalten der jüdisch-nationalen „Idee“, dem Zionismus, einen immer breiteren Raum, und die durch diesen Verein und durch die Wohltätigkeit des ungarischen Judentums erhaltene jüdische Mensa wird der Schauplatz ständiger Geplänkel (die Zionisten speisen abgesondert von der ungarisch gesinnten Jugend). Das Rabbinerseminar möge Religiosität, Patriotismus, unbedingte Treue zur ungarischen Nation den Seelsorgern (sic!) der Zukunft beibringen, nicht aber berechtigte Verfolgung und Haß seitens der ganzen Bevölkerung auslösen wegen einer Bewegung, die seit ihrer Geburt den Patriotismus, die Anhänglichkeit an Vaterland und Nation vermissen läßt.“ Es folgt nun ein Zitat aus einem antizionistischen Artikel des nationalistisch-feudalen Organs „Budapest! Hirlap“, über welchen wir bereits berichteten, und der Schlußpassus: „Die Gemeinde und sämtliche konfessionellen Institutionen muß man von dieser Wahnidee und ihren Verbreitern säubern. Die Ehre des ungarischen Judentums ist aufs Spiel gesetzt. Es muß ohne Aufschub gehandelt werden im gutgemeinten Interesse der israelitischen Konfession." Allgemein war man neugierig, den Verfasser oder den Unterzeichner dieses famosen Aufrufs, welcher in vielen Hunderten von Exemplaren versandt wurde, kennen zu lernen. Doch war dieser nicht geneigt, der allgemeinen Neugier Rechnung zu tragen und sandte die Zirkulärchen ohne Unterschrift in die Welt hinaus. Ein mutiger Anonymus unternahm es also, den trotz der riesigen Schwierigkeiten auch in Ungarn kräftig vorwärtsschreitenden zionistischen Gedanken in tückischer Weise mit den schmutzigsten Waffen der Verleumdung zu bekämpfen. Um dem sauberen Schriftstück eine größere Beachtung zu erzwingen, wurden viele Exemplare in den Kuverts der Tageszeitung „Budapest! Hirlap“ versandt. Die Arrangeure dieser neuesten Hetzkampagne gegen die zionistische Bewegung wollten dadurch den Adressaten Schrecken einjagen und ihnen vorspiegeln, daß das Zirkular aus Kreisen stammt, welche dem „Budapest! Hirlap“, dem führenden nationalistischen Organ, nahestehen. Ein Mitarbeiter der „Zsidö Szemle“ verlangte deshalb von der Redaktion dieses Blattes Aufklärung. Der Chefredakteur v. Csajthay gab die Erklärung ab, daß das Blatt der Angelegenheit vollkommen femstehe und daß der Name des Blattes mißbraucht wurde. Am folgenden Tage brachte „Budapest! Hirlap“ nachstehende geharnischte „Warnung“: „Unsere Redaktion wurde auf einen unverschämten Mißbrauch aufmerksam gemacht, welchen unbekannte Individuen mit dem Namen des „Budapest! Hirlap“ verübt haben. Sie sandten ein mittels Schreibmaschine geschriebenes Pamphlet an die angesehenen jüdischen Bürger Budapests, in welchem sie die jüdische Gemeinde, die Chebra Kachischa und ihre Schwesterinstitutionen anklagen, daß diese in ihrer Leitung dem internationalen und vaterlandslosen Zionismus Raum geben. Der Ton des Pamphlets ist roh und ungezogen, vor allem aber persönlich. Die sich im Dunkel Verbergenden haben einen Teil der Exemplare in Kuverts des „Budapest! Hirlap“ versandt Es wird die Aufgabe der Polizei sein, zu eruieren, auf welche Weise die Diebe zu unseren Kuverts gelangt sind. Wir begnügen uns vorläufig mit der Erklärung, daß wir uns über den Zionismus unsere Meinung gebildet und diese vor nicht langer Zeit auch offen ausgesprochen haben. Mit dem Verfasser und Verbreiter des Pamphlets haben wir aber nichts gemein. Wir werden die Gelegenheit finden, seine Person ausforschen und sein diebisches Vorgehen exemplarisch bestrafen zu lassen.“ Die neueste Nummer der Zeitschrift „Mult es Jövö“ schreibt hierüber wie folgt: „Auch wir lasen die sogenannte Flugschrift und wir müssen uns wirklich sehr schämen, wenn wir bedenken, daß — alle Anzeichen sprechen hierfür — Juden sich zu solchen niederträchtigen Denunziationen hinreißen lassen können. Ob wir Zionisten sind oder nicht, das eine ist sicher, daß wir, wenn wir ehrliche Menschen und ehrliche Juden sind, diejenigen nicht verleumden können, welche nach ihrer Art, auf alle Fälle aber mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele, selbstlos, ja mit großen Opfern für das Judentum kämpfen. Die Wiener Gemeinde suchte sich die Begeisterung und die Energie der Zionisten auf die Weise nutzbar zu machen, daß sie ihnen zwei Vorstandsstellen überließ. Die Wiener sind gewiß auch gute Patrioten. Sie glauben aber auch nicht mehr an das naive Märchen, daß der Zionismus, welcher für Palästina arbeitet — wofür auch in jeder jüdischen Synagoge tagtäglich gebetet wird —, Vaterlandsverrat sei. Die Zionisten demonstrieren ja immerfort selbst ihren guten Patriotismus. Aber abgesehen vom Wesen der Sache, müssen wir, als gute ungarische Patrioten . . ., auf das allerenergischste dagegen protestieren, daß der für uns alle heilige Begriff des Patriotismus durch die Autoren solcher Analphabeten-Geschwätze kompromittiert wird. Das sind keine Patrioten, sondern — nennen wir sie mit dem richtigen Wort — Dummköpfe.“ Der Ito-Unfug in Ungarn - Wir berichteten bereits wiederholt über die Ito-Bewegung, die hier im verflossenen Sommer plötzlich entdeckt und nach Ungarn importiert wurde, um hier als ,,Gegengift“ gegen den Zionismus zu wirken. Wir hätten eigentlich keine Ursache, der „ungarländischen Ito“ größere Beachtung zu schenken, wenn wir nicht durch das Verhalten ihrer Arrangeure dazu gezwungen wären. Die Budapester Generalagentur der Ito betrachtet nämlich die ganze Bewegung als ihr eigenes Geschäft Sie erkühnt sich, als eine Konkurrentin der zionistischen Bewegung aufzutreten, und da sie auf reeller Basis keinen „Absatz“ finden kann, arbeitet sie mit den Mitteln des unlauteren Wettbewerbes. Sie hat die Stirn, unsere Palästinakolonisation als „Konkurrenzgeschäft“ zu betrachten, von welchem man die „Kundschaft“ zurückhalten muß. Die unglaublichsten Lügenmärchen werden daher über Palästina erzählt, wo angeblich alles zugrunde geht. „Die Sicherheit der jüdischen Kolonien in Palästina ist endgültig erschüttert, die Auswanderung wird jetzt selbst aus Palästina ein großes Material erhalten“, verkündet die Generalagentur der „ungarländischen Ito“. Und wie wird erst die eigene „Ware“ feilgeboten! Mit den Zehntausenden von Juden, die bereits kolonisiert wurden und mit den Millionen von Juden, die erst kolonisiert werden sollen, wird nur so herumgeworfen. Man möchte fast glauben, daß es zu wenig Juden zum Kolonisieren gibt. Für die Agenten der „tmgarländischen Ito“ ist ihr neuestes Geschäft eine Lebensfrage. Sie spüren, daß ihnen der Boden unter den Füßen langsam entzogen wird, und daher muß etwas „Wohltätiges“ für das Judentum geleistet werden. Was wird aber geschehen, wenn der ungarische Dorfjude, der sich jetzt die großen territorialistischen Siedlungen vorspiegeln läßt, neugierig wird und nähere Aufklärungen verlangt? Die Leitung der Ito-Oiganisation, in der gewiß national denkende Männer sitzen, sollte ihrer ungarländischen Vertretung doch ein wenig auf die Finger sehen! Soziale Bestrebungen im Londoner Judentum (Von unserem Berichterstatter.) London. Als ein erfreuliches Zeichen des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls unter den Londoner Juden kann die allerneueste Gründung eines jüdischen Verbandes für Frauenstimmrecht betrachtet werden. Wie man sich auch zu dieser Frage stellen mag, so wird man doch an-

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