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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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g -■' t>[E3§gELf Nr. 1 milierten Juden zu gewinnen. Daß sich unsere; Sache auch da Eingang verschafft, wo wir es ant wenigsten erwartet hätten — in den Vorständen der jüdischen Gemeinden nämlich —, beweisen folgende Tatsachen: Die Gemeinde Venedig hat in einer ihrer letzten Sitzungen beschlossen, für den jüdischen Nationalfonds einen Beitrag von 300 Eres, zur Verfügung zu stellen — und wenn auch die Summe nicht sehr bedeutend ist, so ist dieser Beitrag doch als Manifestation einer italienischen Kultusgemeinde nicht hoch genug einzuschätzen! Aber die Gemeinde von Venedig steht mit dieser Kundgebung nicht allein da, denn kürzlich hat auch die Turiner Gemeinde einen Beitrag von 1000 Fr cs. zugunsten der jemenitischen Kolonisation in Palästina gezeichnet. Die Konstantinopeler Hilfsaktion (Von unserem Berichterstatter.) Konstantinopel. Das Exekutiv-Komitee des Ordens Bene Berith in Chicago hat auf dem Kabelwege neue 20 000 Eres, an die Orient-Großloge für das Hilfswerk übermittelt Damit steigt die Summe der aus Chicago zu diesem Zwecke überwiesenen Gelder auf insgesamt 43400 Frs. Die Versorgung der jüdischen Emigranten in der türkischen Hauptstadt begegnet immer größeren Schwierigkeiten. Die Regierung hat letzthin vor den Toren der Stadtmauern für die mohammedanischen Zugewanderten, die Mohadschirs, Baracken errichtet um so der Gefahr der Durchseuchung der Stadt durch die Emigranten vorzubeugen. Die Stadtbehörden verlangten mm in einigen Stadtvierteln, daß auch die jüdischen Mohadschirs in diese Baracken übersiedelten, und drohten, int Falle der Weigerung die Verabfolgung von Brot an sie einzustellen. Da aber die jüdische Hilfskommission unter keinen Umständen sich dazu verstehen will, ihre Schutzbefohlenen in die höchst ungesunden, schmutzigen, überfüllten und verseuchten Baracken einziehen zu lassen, wird sie darauf verzichten müssen, ihre Aufgabe der Verpflegung durch die Beihilfe der Regierung weiterhin erleichtert zu sehen, und die ausfallenden Brotrationen aus ihren eigenen Fonds ersetzen müssen. Dadurch werden sich die Ausgaben für die Hilfsaktion erheblich steigern. Man darf auch nicht vergessen, daß die kältesten Monate herannahen und eine energische Versorgung mit Heizmaterial stattfinden muß. Die Kohlenbeschaffung allein wird ein Monatsmehr von 4000 Frs. erfordern. Dazu kommt die Massenanschaffung von Schuhzeug, eines der dringendsten, Bedürfnisse dieser Armen. Es darf daher nicht wundernehmen, daß die Versorgung der jüdischen Flüchtlinge in der letzten Woche allein an 12 000 Frs. erforderte. Die Juden für den Kaimakam von Safed Mehrere jüdische Notabein aus Safed telegraphierten an Rabbi Nahum die Bitte, bei der Hohen Pforte um Erhaltung des Kaimakams von Safed Ali R i s a Bej im Amte zu intervenieren. Gegen seine Amtsführung seien Intrigen im Gange, aber sie sei eine Gewähr für die Ruhe und Sicherheit des ganzen Gebietes und seine Abberufung würde eine ernste Gefahr bedeuten. — Der Großrabbiner unternahm das Nötige beim Minister des Inneren und erhielt eine zusagende Antwort. Chanukah in der Hiifsvereinsschule zu Balat Wie alljährlich, feierte auch diesmal die Schule zu Balat Chanukah in ihrer besonderen Weise. Das Fest trug dieses Jahr einen außerordentlichen Charakter, erstens, weil es in der größten Synagoge Konstantinopels stattfand und zweitens, weil es ein restlos hebräisches Fest war. Der Rabbiner von Balat, mehrere Notabein der Gemeinde, Ettern der Schüler und die Oberklasse der .Hilfsvereinsschule von Galata wohnten der Feier bei. Diese begann mit dem Gesänge def Chanukah-Hymne durch den Schülerchor. Alsdann hielten Frau Feinermann und Herr Bennathan, Lehrer der Anstalt, hebräische Ansprachen an die Kinder. Es folgte der Höhepunkt des Festes, eine Theateraufführung in hebräischer Sprache. Das Stück hieß „Hannah w’schiw’a baneha“ (Hanna und ihre sieben Söhne). Etwa 20 Schüler spielten das kleine Drama mit großem Geschick. Nachdem der Beifall verklungen war, rezitierten einige Schüler Gedichte von Bialik und anderen hebräischen Dichtern. Die Feier schloß mit einem zweiten hebräischen Gesang, dem noch ganz am Ende auf Bitten des Rabbiners die Hymne „Od lo aw’da“ folgen mußte. Neue Judenmorde in Saloniki Berlin. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden geht folgendes Telegramm aus Saloniki zu: „Die jüdische Gemeinde in Saloniki ist wiederum in schwere Trauer versetzt worden. Ermutigt durch die Straflosigkeit der verschiedenen Uebergriffe gegen die Juden in der letzten Zeit, haben sich die Griechen weitere schwere Ausschreitungen zuschulden kommen lassen. Am 24. Dezember, abends gegen 5 Uhr, sind zwei jüdische Kaufleute auf offener Straße durch Griechen ermordet worden. Unter der jüdischen Bevölkerung herrschtGgroße Aufregung und Bestürzung. Zahlreiche Familien rüsten sich zur Auswanderung, da sie an einer Besserung der Lage verzweifeln. Als vor einigen Tagen griechische Soldaten, die aus Monastir zurückkamen, hörten, daß Angehörige anderer Truppenteile straflos jüdische Häuser geplündert hatten, begannen auch sie Plünderungen vorzunehmen.“ Das Programm der russischen Regierung (Von unserem Berichterstatter.) Odessa. Kokowzew hat gesprochen. Seine Rede in der Reichsduma vom 19. Dezember wurde in ihrem auf die äußere Politik bezüglichen Teil telegraphisch der gesamten zeitunglesenden Welt übermittelt und von der gesamten Presse allerorts kommentiert. In Rußland wurde indes demjenigen Teil der Rede besondere Aufmerksamkeit geschenkt,' der sich mit der inneren Politik befaßt. Nicht ohne eine gewisse Spannung wurde die Rede erwartet, und diese Spannung löste sich nun in Enttäuschung auf. Zwar besprach der Premierminister eingehend die verschiedensten Gebiete des Staatslebens und stellte zahllose Vorlagen zur Befriedigung der verschiedensten Bedürfnisse der Bevölkerung in Aussicht. Allein, dieses reichhaltige Register vermag ebensowenig über die wahren Absichten der Regierung aufzuklären, wie man sich etwa über den inneren Wert eines Buches nach seinem Inhaltsverzeichnis informieren kann. Die verschiedenen Dumaparteien zeigten sich auch in der Tat wenig befriedigt von dei» Programmrede unseres höchsten Staatsbeamten. Zufrieden sind nur die Herren von der „Nowoje Wremja“ und ihresgleichen. Was die Judenfrage anbetrifft, so hat Kokowzew diese ausdrücklich nicht erwähnt. Seine Rede enthielt indes einen Passus bezüglich der Fremd Völker, der recht versöhnlich anmutete, in Wirklichkeit aber nichts sagte. Herr Kokowzew sprach davon, daß in Rußland, bei Wahrung der Vorherrschaft des russischen Volkes, Raum genug für ein friedliches und ruhiges Zusammenleben aller Völker sei, die Rußland als ihr Vaterland ansehen und seinen Interessen treu ergeben sind. Die Deutung dieser patriotischen Einschränkungsklausel bleibt natürlich der Regierung selbst Vorbehalten. Was es für Bewandtnis mit diesem „Raum für ein ruhiges Leben“ hat, davon weiß ja der jüdische Ansiedlungsrayon

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