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Die Welt · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 7 DIBBELT Bergmann, Präsident der Mailänder Gemeinde, Cavaliere Prof. C o 1 o m b e , Sekretär des Komitees. Die Fragen, die in der diesjährigen Versammlung auf der Tagesordnung standen, waren: 1. Sammlung einer genauen Statistik der Juden in Italien. 2. Die jung-jüdische Bewegung in Italien. 3. Die Vereinigung der beiden Rabbinerseminare (Livorno und Florenz). 4. Die Organisation der kleineren Gemeinden. 5. Die Besetzung des Großrabbinats in Tripolitanien. 6. Propaganda der hebräischen Sprache und Verbreitung der hebräischen Literatur. 7. Der Krieg aut dem Balkan und die Juden. S. Festsetzung eines allgemeinen öffentlichen Kongresses der jüdischen Gemeinden in Italien. Die Verhandlungen konnten leider nicht öffentlich stattfinden, da die Verhältnisse in Italien noch nicht zu einer offenen Aussprache reif sind. Es handelt sich — wie versichert wird — vorläufig darum, die Grundlage einer Verständigung zu' schaffen und alle nötigen Vorarbeiten zustande zu bringen. Und da muß man es dem Komitee lassen, daß es in den wenigen Jahren seiner Existenz wirklich vieles geleistet hat: es hat den kleineren Gemeinden materiell und moralisch geholfen, ihre Reorganisation (wenigstens teilweise) durchgeführt, Mißstände beseitigt und das Interesse für jüdisches Leben wieder wachgerufen. Und vieles will es noch für die Sache des Judentums in Italien und auswärts tun, wie man aus dem Communique, das es über die Arbeiten der jetzigen Versammlung veröffentlicht hat, ersehen kann. Nach einer kurzen Nachrufsrede für den Mailänder Advokaten Gino R a c a h , der vorgies Jahr «verschieden ist und einer der eifrigsten italienischen Zionisten war, ein — wie es im Communique heißt — „eifriger Verfechter der jüdischen Renaissance und Seele der Mailänder Kongresse, die zur Bildung des Gemeindebundes führten", ging man zur Tagesordnung über. Es wird zu Punkt 1 bedauert, daß die Gemeinden der Aufforderung zur Sammlung einer genauen Statistik der Juden in Italien noch nicht Folge geleistet haben, und es wird beschlossen, sich auch besonders an die Rabbiner zu wenden, damit sie im Einvernehmen mit den Vertretern der Gemeinden das nötige statistische Material sammeln. Zu Punkt 2 erklärt das Komitee, daß die jung-jüdische Bewegung sich der Sympathien der Gemeindeverwalter erfreut und beschließt, der Kommission, die vom ersten jungjüdischen Kongreß, der voriges Jahr in Florenz stattfand, zum Studium der jüdischen Schulen und ihrer Verbesserung eingesetzt wurde, einen Beitrag von 200 Fr cs. zur Verfügung zu stellen. Zu Punkt 3 konstatiert das Komitee mit Genugtuung, daß es schließlich nach mehrjährigem Kampf gelungen ist, die zwei Rabbinerseminare (Livorno und Florenz) zu vereinigen. Was Punkt 4 betrifft, werden verschiedene Berichte über die Tätigkeit des Komitees zugunsten einer Reorganisation der Gemeinden von Neapel, Parma, Udine, Senigallia, Pesaro, Genua usw. erstattet. Gute Resultate seien besonders in Neapel und Parma erzielt worden, ln bezug auf Punkt 5 wird besonders die Bedeutung der Einverleibung Tripolitaniens und der Cyrenaica für das italienische Judentum hervorgehoben. Dadurch seien dem Komitee neue Aufgaben gestellt, die dringend Eine Lösung verlangen. Eine dieser Aufgaben sei eben die Besetzung des Großrabbinats in Tripolitanien mit einer geeigneten Persönlichkeit. Zu diesem Zwecke wurden lange Verhandlungen mit der Regierung und den Oberrabbinem von Rom, Florenz und Livorno geführt, die aber bis jetzt noch kein praktisches Resultat ergeben haben. Rabbiner Dr. Margulies, als Rektor des italienischen Rabbinerseminars, sei deswegen nach Tripolis gefahren, um die Lage der Juden in diesen neuen Provinzen zu studieren und dann auf Grund seiner Beobachtungen die geeignete Person für diesen Posten vorzuschlagen. Es wird diesbezüglich beschlossen, einen Vertreter nach Tripolis zu senden, der die Sache in die Fl and nehmen soll. Das Komitee gibt ferner seiner Genugtuung Ausdruck über die Tätigkeit der P r o - Cultura-Vereine, die in den größeren Städten, besonders in Rom, Florenz, Padua, Mailand, Verona usw. viel für die Propaganda der hebräischen Sprache und Literatur leisten und beschließt, sich mit den verschiedenen Pro-Cultu ra-Vereinen in Verbindung zu setzen, um auch in die kleineren Gemeinden, wo solche Vereine nicht existieren, Redner zu entsenden. Zu diesem Zweck stellt das Komitee den Vereinen einen vorläufigen Beitrag von 500 Frcs. zur Verfügung. Eine interessante Debatte bot die Diskussion über die Notlage der Juden in der Türkei und in den Balkan ländern. Das Komitee fordert die einzelnen Gemeinden auf, größere Summen für die Unterstützung der Notleidenden zu sammeln und versichert, es werde sich mit den anderen jüdischen Weltorganisationen in Verbindung setzen, um über die Vorgänge im Balkan zu wachen, damit nicht aus den neuen Verhältnissen den Juden irgendwelcher Schaden oder Einschränkung ihrer Rechte widerfahre. Das Komitee verpflichtet sich auch, für den Schutz der rumänischen Juden einzutreten, da diese — wie bekannt — unter schweren politischen und moralischen Ungerechtigkeiten zu leiden haben. Zum Schluß wurde eine Kommission gewählt, die mit den Vorarbeiten für den ersten allgemeinen Kongreß der italienischen Judenheit beauftragt wurde. Der Zeitpunkt für diesen Kongreß soll nicht später als gegen Hälfte des Jahres 1913 festgesetzt werden. Der zweite Kongreß der jüdischen Jugend in Italien Vorige Woche (22.»—23. Dezember) fand — wie die „Welt" bereits angekündigt hat — der zweite Kongreß der jüdischen Jugend in Turin statt. Dieser zweite Kongreß war ein wahrer Triumph unseres nationalen Gedankens. Hat man während des ersten Kongresses vorsichtig alle „zionistische" Diskussion vermieden, so ist doch der Boden für eine offene Aussprache über unsere nationalen Aspirationen in der letzten Zeit genügend vorbereitet worden. Und das hat man besonders der „Settimana Israelitica" in Florenz und dem in Triest erscheinenden zionistischen Blatt „II Corriere I s r a e 1 i t i co", zu danken, die fortwährend Interesse für unsere Sache zu erwecken wußten. — Der zweite Jugendkongreß hatte folgendes Programm: 1. Sonntag, den 22. um 2,30 Uhr, Eröffnungssitzung im großen Saal der jüdischen Gemeinde. Vortrag des Advokaten Alfonso Pacifici aus Florenz über: „Die hebräische Sprache.“ Abends 9 Uhr: Bericht des Herrn Dr. David Krinkin (Rom), der soeben von seiner Palästinareise zurückgekehrt ist, über „D i e jüdische Kolonisation in Palästina" (mit Lichtbildern). 2. Montag: Bericht des Herrn Emilio Bacchi aus Turin über „Die beste und praktischste Art, die jüdische Jugend in Italien zu organisieren". Abends 9 Uhr: Bankett zu Ehren der Kongressisten, das vom Vorstand der Gemeinde gegeben wurde. Dienstag: Bericht des Herrn Dr. David Prato aus Florenz über „Die Juden in Tripolitanien und der Cyrenaica" und Vortrag des Herrn Rabbiner Dante Lattes, Direktor des „Corriere Israelit! co", aus Triest über „Die religiösen Zeremonien". Abends 9 Uhr: Dr. Elia S. Artom aus Florenz über „D ie jüdische Schule in Italic n". Mittwoch, den 25.: Bericht des Herrn Dr. Umberto Cassuto aus Florenz über das Thema „Für eine Geschichte der Juden in Italic n“. Diskussion über verschiedene Vorschläge (Zionismus, Pro-Cultura-Vereine, Die Lage der Juden im Yemen und die Notwendigkeit ihrer Colonisation in Palästina usw.). Aus diesem Verhandlungsprogramm können sich unsere Leser einen klaren Begriff über die Ziele der Besten unter der jüdischen Jugend in Italien machen. Hoffentlich wird es unserer Sache gelingen, durch die rege Tätigkeit dieser Jugendgarde in unserem Lande die Sympathien unserer halb assi-

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