Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
36 (7.9.1900)
Article
IV. Tag
Date
1900-09-07
Page
9 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315888-3372217--21651-3372330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 36 „Die $l Weif Seite 9 Dr. Joffe (Jaffa) referiert sodann namens der Colonisations-Commission und beantragt eine Resolution, dahinlautend, der Congress möge den Wunsch aussprechen, man möchte sich in Bezug auf die Colonisation in der bisherigen Linie weiterbewegen, nämlich vor allem die in Palästina bereits Ansässigen mit der Agricultur beschäftigen, insonderheit jene Juden, die bereits türkische Unterthanen sind und jetzt ohne jegliche Arbeit dastehen. (Beifall.) Sch einkin richtet einen Appell an den Congress. sich in erster Reihe der palästinensischen Juden anzunehmen, die ebenso bedrängt seien, wie die in Rumänien. (Lebhafter Beifall.) Die Vorschläge der Commission solle man annehmen und dann zuhause fieissig arbeiten. Ingenieur T e m k i n spricht sich auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in ähnlichem Sinne aus. Der Obmann des ständigen Colonisations-Ausschusses, Dr. M. Gast er, weist auf die bescheidenen, zur Verfügung stehenden Mittel hin, die es unmöglich gemacht haben, etwas Beträchtliches zu leisten. Insbesondere die Bank konnte ihre Thätigkeit noch nicht aufnehmen, aber es wurde mit allen jüdischen Colonisationsvereinen Fühlung genommen, um ein einträchtiges Vorgehen zu ermöglichen. Er hofft, im kommenden Jahre mehr und Erfreulicheres berichten zu können. (Lebhafter Beifall.) Rabbinowitz (Lodz) tritt gleichfalls für die Unterstützung der Colonisation Palästinas und der jetzigen jüdischen Bevölkerung des Landes ein, sonst sei eine Immigration nach Palästina unmöglich, denn thatsächlich finde leider eine Emigration aus Palästina statt. Er beantragt, den Bericht der Colonisations-Commission ohne jede weitere Debatte anzunehmen. (Beifall.) Dr. Steinb erg (Brest Lit.) fordert zu rascher Hilfe für die Juden in Palästina auf, sonst würden andere helfen. Das müsse aber vermieden werden. (Beifall.) Dr. Herzl bemerkt, dass von uns schon bei verschiedenen Gelegenheiten Gelder nach Palästina geschickt worden sind. Namhafte Unterstützungen seien jedoch nur dann möglich, wenn man für einen Fonds Sorge trägt. Dr. Steinberg meint, ein solcher Fonds müsse aus privaten Mitteln geschaffen werden. Jeder möge zuhause in diesem Sinne wirken. (Beifall.) Dr. Herzl erklärt, es werde gewiss mit Freude begrüsst werden, wenn man derartige Anstrengungen mache. Er empfiehlt ein gemeinsames Vorgehen mit dem Odessaer Comite. Nach der Ansicht Dr. G a s t e r s werde auch die Ica für eine solche Cooperation zu haben sein. Die Verantwortung für diese Behauptung müsse er freilich Dr. G a s t e r überlassen. (Zustimmung.) Barbasch, Mitglied des Odessaer Comites, theilt mit, dass er beauftragt sei, in dieser Angelegenheit in Paris zu intervenieren. Präsident Dr. Herzl erklärt, dass man dann demnächst die gemeinsame Action beginnen könne. Die gegebenen" Anregungen werde das Actions-Comite gewiss beachten. Der Bericht des Colonisations-Ausschusses wird sodann zur Kenntnis genommen. Hernach referiert Dr. M e n c z e 1 namens des Organisations-Ausschusses und schlägt mehrere Resolutionen vor, die angenommen werden. Ein Antrag zur Unterstützung des „Beth-Hasepher" in Jaffa mit einem Betrage von 1000 Francs wird ebenfalls angenommen. Präs. Dr. H e r z 1 erklärt, dass ein Congressmitglied für denselben Zweck bereits 1000 Francs zur Verfügung gestellt habe. (Stürmischer Beifall.) Für die Nationalbibliothek in Jerusalem werden gleichfalls 1000 Francs gewidmet. (Stürmischer Beifall.) Dr. Abr. Kornhäuser bittet namens seiner Przemysler Wähler, die Schule in Jaffa zu unterstützen und auf die Einführung der hebräischen Sprache als Unterrichssprache zu dringen. Frau Prof. Gottheil stellt den Antrag, es solle sich in jedem Lande eine Organisation der Damen bilden; durch diese Organisationen solle die Pflege der hebräischen Sprache als einer lebenden gefördert werden. Dieser Antrag wird unter stürmischem Beifall des Congresses angenommen. J. Ellmann (Braila) referiert sodann namens des Agitations-Ausschusses und stellt eine Reihe von Resolutionsanträgen, die sämmtlich angenommen werden. Präs. Dr. Herzl macht die Mittheilung, dass das Actions-Comitemitglied Architect Oscar Marmorek und sein Bruder Dr. Alexander Marmorek durch den plötzlichen Verlust ihres Vaters in die tiefste Trauer versetzt worden sind. Er fordert die Congressmitglieder auf, sich zum Zeichen ihrer Trauer von ihren Sitzen zu erheben. Dies geschieht. Sodann macht die Permanenz-Commission ihre Vorschläge für das engere Actions-Comite. Es werden vorgeschlagen : die vorjährigen Mitglieder des Actions-Comites Dr. Theodor Herzl (Stürmischer langanhaltender Beifall), Dr. M. Schnierer (Lebhafter Beifall). Dr. Leop. Kahn (lebhafter Beifall), Dr. O. Kokesch (Lebhafter Beifall) und Architect Oscar Marmorek (Lebhafter Beifall.) Sämmtliche für das Wiener Actions-Comite vorgeschlagenen Herren werden hierauf per acclamationem gewählt. In das grosse Actions-Comite werden gewählt: Berthold F e i w e 1 für Mähren; Dr. S. W e i s s für die österreichischen Alpenländer: Dr. K o h n für Böhmen; Dr. Mayer Ebner für die Bukowina; Prof. Dr. Max Mande lstam m, Ing. Ussischkin, Dr. Kohan-Bernstein, Dr. Tschlenoff, Ing. Temkin, Rechtsanwalt Dr. Jasin o w s k y, Dr. Brück, Prof. Dr. Gregor Belko vsky, Rabbiner Rabbinowitz - Sopotzkin, Dr. Bendersky, Dr. J e 1 s k i und Rechtsanwalt Rosenbaum für Russland; Dr. Alex. Marmorek für Frankreich: Joel Weil für die Schweiz; Rechtsanwalt Dr. K. Herbst für Bulgarien; Dr. Feiice R a v e n n a für Italien; Dr. M. Ga st er, Josef C o w_e_n und J. Masse 1 für England : J. S. Tol k o w s k i für Belgien; Dr. V alenc i e n für Nord-Afiika; S. Pi n el es, Dr. Moscowici und Rabbiner Landau für Rumänien; Rev. Stephen S. W i s e, Rev. Dr. B. F e 1 s e n t h a 1, Rev. Schäfer und Prof. R. G o 11 h e i 1 für Nordamerika; IngenieurK e s s 1 e r für Südafrika; Dr. S. Rosenheck, Dr. S cn u r, J. L. 'L i p s c h ü t z für Galizien •, Rabbiner Dr. R ü 1 f und Dr. Bodenheim er für Deutschland; Clarence J. de S o 1 a für Canada. Ueber vielseitiges Verlangen werden noch folgende Mitglieder in das grosse Actions-Comite gewählt: Dr. A1 k a 1 a y für Serbien; Rev. Dr. P. M e n d e s für Nordamerika; S. P e p r o für Südafrika; Rabbiner Dr. S. Dünner für Holland. Die Cultur-Commission wird in ihrer vorjährigen Zusammensetzung belassen. Ein Antrag des Rabbiner Reines jun., überhaupt keine Cultur-Commission zu wählen, wird abgelehnt. In den Colonisations-Ausschuss werden gewählt: Dr. G a s t e r, Ing. Ussischkin, Dr. Brück, Leo Weiss, J. Gewitsch, Dr. Alex. Marmorek, S. Pin el es, J. Kremenetzky und B. Barbasch. Ein Antrag, die Talmud-Thora-Schule in Jaffa zu unterstützen, wird dem Actions-Comite zur Berücksichtigung abgetreten. Dr. Brück referiert sodann namens des Finanz- Ausschusses. Von einem Präliminare, führt es aus, könne wohl keine Rede sein, da die Mittel nicht regelmässig genug einfliessen. Nichtsdestoweniger wurde ein Budget vorgelegt, dessen Ziffern so massig sind.'dass man staunen muss, wie man damit das Auskommen finde. Das Actions-Comite verdient dafür vollen Dank. Die Bedürfnisse können aber nicht rechtzeitig gedeckt werden, weil die Schekelgruppen mit den Schekelzahlungen säumig sind. Der Congress solle daher die Schekelgruppen in einer Resolution auffordern, in Hinkunft mit der Abführung der Schekelgelder nicht säumig zu sein, sondern womöglich jeden Monat einen aliquoten Theil der entfallenden Schekel abzuführen. Auch sollten die Organisationen die Spendenbücher intensiver ausnützen. Endlich möge das Actions-Comite in der Folge den Finanz-Ausschuss rechtzeitig einberufen, den Finanzbericht aber nicht dem Congresse, sondern dem Finanz- Ausschusse vorlegen. (Zustimmung.) Präsident Dr. Herzl: „Und jetzt, geehrter Congress, sind unsere Berathungen für diesmal zu Ende. Die Zeit des Gedankenaustausches und des Redens ist für uns jetzt für einige Zeit vorüber, unde<? soll wieder die Zeit des Handelns, der Agitation und Thätigkeit beginnen, damit unsere Ergebnisse im folgenden Jahre, so weit es an uns liegt, nicht hinter den jetzigen zurückbleiben. So wie vom Actions- Comite nur ein bestimmtes Mass von Leistungen, aber nicht der endgiltige Erfolg verlangt werden kann, so ist es auch mit jedem einzelnen von Ihnen. Aber wir müssen jeder auf unserem Punkte thun, was wir können. Manche, welche unsere früheren Congresse gesehen haben, haben eine gewisse Gleichförmigkeit in den Verhandlungen und in dem Vorgebrachten constatieren wollen. Bedenken Sie aber, dass das das Charakteristische eines Vertretungskörpers wie des unserigen ist, und man verlangt nicht von. jeder Volksvertretung, dass sie in jedem Jahre ein neues Land herbeischaffe, wohl aber verlangt man, dass sie sich im Zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.