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Die Welt · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
36 (7.9.1900)
Article
IV. Tag
Date
1900-09-07
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 ,Die # Weif* Nr. 36 würden hierdurch gestärkt werden. Zu demselben Zwecke sollten auch Productiv-Genossenschaften gebildet werden. Lebenhart (Prag) meint ebenfalls, dass die Gründung solcher jüdischer Banken grossen Nutzen stiften könne, und weist in dieser Beziehung auf das von den Prager Zionisten gegründete jüdische Institut hin. Schachtel (Breslau) regt die Bildung von Fachorganisationen nach dem Muster der in Deutschland bestehenden Gewerkschaften an und beantragt, eine Commission einzusetzen, die sich mit der Frage zu befassen hätte. Wiener (Leipzig) hält die wirtschaftliche Unterstützung des jüdischen Volkes für eine der wichtigsten Aufgaben des Congresses und wünscht mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit die Einsetzung eines Ausschusses zur Berathung über diese Frage. Dr. Menczel (Czernowitz) empfiehlt Vorsicht bei Errichtung von Credit-Genossenschaften und Rücksichtnahme auf die localen Verhältnisse. Sodann wird ein Schreiben des Dr. Feiice de R a - v e n n a zur Verlesung gebracht, in welchem er sein Fernbleiben vom Congresse entschuldigt und demselben seine besten Grüsse entbietet. Weinmann (Köln) regt die Schaffung einer Statistik der Wirtschaftsverhältnisse der Juden an. L o z i n s k i (Russland) wünscht die Einsetzung eines Hilfs-Comites in Nordamerika und Canada, das jedem jüdischen Emigranten in der ersten Zeit mit R?.th und That beizustehen hätte. Tolkowski (Antwerpen) hält die Errichtung einer Ackerbauschule für die Heranbildung eines tüchtigen, landwirtschaftlich gebildeten Nachwuchses für wünschenswert. Dr. Auerbach (Galizien) regt die Schaffung eines Hilfsfonds an, um jüdischen Armen Arbeit zu verschaffen, eventuell augenblickliche Unterstützung zu gewähren. Jeder Verein solle verpflichtet sein, einen Beitrag zu dem Fonds zu leisten. Mehrere andere Redner sprechen sich in ähnlichem Sinne aus, worauf der Antrag der Permanenz-Commission, einen Ausschuss zur Behandlung der eben discutierten Vorschläge und Anregungen einzusetzen, angenommen wird. Diesem Ausschusse stehe das Cooptations-Reeht zu. Ein Antrag Dr. B r a g i n s bezüglich der Gründung von Vereinen und Genossenschaften zur Hebung der materiellen Lage der Juden, ebenso die anderen im Laufe der Debatte gestellten Anträge und Anregungen werden dem Actions-Comite" zur Damachrichtung empfohlen. Von dem Referenten Prof. Gregor Belkowsky (St. Peterburg) wird hierauf die Discussion über die jüdische Colonialbank eingeleitet. Er bespricht die Unterschiede zwischen dem „Jewish Colonial Trust" und den bisher bestehenden „Chartered Companys* und gibt sodann einige Wünsche und Anregungen bekannt, deren Erfüllung aber noch nicht durchführbar sei, da der Trust erst dann seine Operationen beginnen könne, wenn 250.000 £ eingezahlt sind. Derzeit fehlen zu diesem Betrage noch 100.000 <£. Unter den Ursachen, dass dem so ist, führt Referent insbesondere an, dass noch nicht alle Gesinnungsgenossen sich der Colonialbank in entsprechender Weise agitatorisch angenommen haben. Zur Förderung der Bank werde die Gründung der „Jewish Colonial Trust Shares Clubs" gewiss wesentlich beitragen. Es könne keinem Zweifel unterliegen, dass wir vor dem herannahenden Beginne der Operationen der Bank stehen. Die Colonisations-Arbeit der Bank solle sich aber stets in jüdisch-nationalem Geiste bewegen. Der Trust soll im gegebenen Momente die nöthige Bahn einschlagen, um auf die wirtschaftlichen, culturellen und nationalen Verhältnisse in Palästina einzuwirken. Er muss entweder die Organisation en gros ermöglichen oder irgendwelche Concessionen, die vom jüdisch-nationalen Standpunkte wertvoll sind, erwirken. Das ist das nächste Problem, das unser Trust zu lösen hat. Das soll uns begeistern und uns als Richtschnur in unserer Thätigkeit dienen. Werden wir es thun, dann wird der jüdische Volkswille sich in eine vollendete Thatsache umwandeln. Und Wollen ist Können. Können ist aber für uns der Beginn der grossen culturellwirtschaftlichen Arbeit Israels, nicht nur zu seinem eigenen Nutz und Frommen, sondern auch für die gesammte Menschheit. Können ist für uns, als Juden und Menschen zu leben. Das ist das grosse Arbeits-Programm unseres Trusts, und das werden wir verwirklichen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) — Die Sitzung wird um 3 Uhr unterbrochen. Nachmittags-Sitzung. Nach der um J/45 Uhr erfolgten Wiederaufnahme der Sitzung von Seiten des Präsidenten Dr. Herzl wird die Discussion über die Jüdische Colonialbank eröffnet. Taubes (Kolomea) bezeichnet die Colonialbank als den Körper, der gesund sein muss, wenn man die Seele der Bewegung gesund erhalten wolle. Es gäbe verschiedene Ursachen, weshalb viele den Betrag, den sie ursprünglich gezeichnet hatten, nicht eingezahlt haben. Er beantragt, eine fünf- bis sechsgliedrige Commission einzusetzen, welche den ganzen Complex der ßankfrage prüfen soll. Präsident Dr. Herzl verweist darauf, dass ein Aufsichtsrath im Actions-Comite ohnehin gewählt werde. Der Antrag Tau b e s könne daher nur den Zweck haben, das Actions-Comite zu überprüfen, welches das Bindeglied zwischen Bank und Congress sei. Dr. Rosenbaum (Minsk) wünscht eine genaue Erforschung der Verhältnisse in Palästina, wobei das Actions- Comite die intelligenten Kräfte, die uns in Palästina bereits zur Verfügung stehen, mit heranziehen sollte. Auch sollte man die bestehende Literatur über Palästina einer Ueberprüfung unterziehen und eine neue Palästina-Literatur schaffen. (Beifall.) Auf eine Anfrage des Herrn Rosenthal entgegnet Präsident Dr. Herzl, dass seines Wissens das Directorium der Bank sich bemühe, eine geeignete Persönlichkeit als ständig in London wohnenden Manager für die Bank zu finden. Hauptsache wäre jetzt zunächst die volle Einzahlung der gezeichneten Shares, damit der Trust actionsfähig gemacht werde. Bis zu dem Augenblicke, wo die Geschäfte beginnen, hält es das Directorium nicht für nöthig, Ausgaben für eine besonders kostspielige Managerkraft zu machen. N e w m a n (Johannesburg) theilt mit, dass in Johannesburg allein 12.000 russische Juden leben, die in sehr ärmlichen Verhältnissen hinkommen. Es bestehe dort eine Bank, die diesen Leuten mit kleinen zinsenfreien Darlehen aushelfe. Redner spricht die Hoffnung aus, dass die Colonialbank in Johannesburg eine Filiale errichten werde, die dort sehr erspriesslich wirken könnte. (Lebhafter Beifall.) Lebenhart (Prag) regt an, den freihändigen Verkauf der Actien in den einzelnen Orten durch Vertrauenspersonen und Vereine unter deren Haftung besorgen zu lassen. Dr. Elias (Mülhausen i. E.) wünscht die Aenderung des § 14 der Bankstatuten nach der Richtung, dass neben der Generalversammlung den Gründeractien ein Bestimmungsrecht über die Verwendung der nicht behobenen Dividenden eingeräumt werde. Rechtsanwalt Rosenbaum referiert sodann namens der Statutenrevisions-Commission über die Statutenänderung und beantragt, die wichtigeren Aenderungen auf ein Jahr zu verschieben. Nur drei unmittelbar nothwendige Aenderungen sollten jetzt bereits durchgeführt werden. M o z k i n stellt die Anfrage, ob die Statutenrevisions- Commission den vorjährigen Beschluss über die Abschaffung der lebenslänglichen Gründeractien ausgeführt habe. Rechtsanwalt Rosenbaum erwidert, dass die Durchführung dieses Beschlusses auf Schwierigkeiten mit Rücksicht auf die englischen Gesetze gestossen sei. Er habe sich deshalb an das Actions-Comite gewendet, allein dasselbe habe auf der stricten Durchführung des Congressbeschlusses bestanden. M o z k i n beantragt, man möchte eine Resolution fassen, durch die der Congress sich gegen die lebenslänglichen Gründeractien ausspricht. Dr. Kokesch will diese Resolution dahin geändert wissen, dass bis zur nächsten Statutenänderung ausser dem Aufsichtsrathe keine andere Person Gründershares erhalte. Mozkin aecommodiert sieh diesem Antrage, worauf er angenommen wiid. Mozkin stellt weiters an die Statutenrevisions- Commission die Bitte, die Statuten derart zu ändern, dass lebenslängliche Gründeractien nicht mehr vergeben werden können. Die Permanenz-Commission beantragt hierauf folgende Resolution: „Angesichts der elenden Lage der ausgewanderten rumänischen Juden richtet der Congress einen dringenden Appell an die Zionisten aller Länder, diese Juden moralisch und materiell zu unterstützen und ihnen womöglich Arbeit zu verschaffen. Zugleich macht es der Congress den einzelnen Landes-Organisationen zur Pflicht, Subscriptionslisten aufzulegen behufs Gründung eines Nothstandsfonds, der derzeit zur Unterstützung und Weiterbeförderung der rumänischen Juden zu verwenden sei. Insbesondere mögen hierzu die Organisationen von Nordamerika und Canada angehalten werden."

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