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Die Welt · 1900-09-07 · 36 (7.9.1900) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
36 (7.9.1900)
Article
IV. Tag
Date
1900-09-07
Page
10 (sequence 4)
Language
German
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Seite 10 „Die j& Welt" Nr. 36 klänge mit den Bedürfnissen und Wünschen des Volkes fort und fort befinde. Das, glaube ich, kann man von unserer Vertretung des jüdischen Volkes sagen. (Stürmischer Beifall.) Und wenn ich Ihnen nun einen Abschied gebe, bevor wir uns wieder weit in die Welt zerstreuen, so ist es namentlich der ernste Rath, dass Sie überall in Ihren Landsmannschaften und Landes-Organisationen einträchtig wirken; dass Sie diejenigen Behörden, die Sie sich selbst gegeben, auch das Jahr hindurch anerkennen und mit ihnen in Eintracht arbeiten. (Stürmischer Beifall.) Ich glaube, Sie können die Ueberzeugung haben, und S:e haben die Ueberzeugung, dass Ihre Landes-Comites aus ernsten und eifrigen Männern bestehen. So nehmen wir nun Abschied und gehen mit unserer alten Begeisterung hinaus, um zu wirken für unser altes Land und unsere ewige Sache!" (Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Saale und auf der Gallerie.) Delegierter N. Solokow (Warschau) richtet nunmehr Dankesworte an das Präsidium und das Actions-Comite. „Ich fühle das Unzulängliche in dem Titel," sagte er, „wenn ich den Mann, der unseren Stolz, unser Programm bildet bloss unseren Präsidenten nenne. Dr. Herzl ist unser Führer, der Schöpfer dieser Bewegung. Der Schlussmoment des Congresses ist ein erhebender Moment für uns. Wir blicken mit Stolz zurück auf den Ernst, die Ruhe, die Regelmässigkeit, die scharfe Logik, den weit ausschauenden politischen Blick, mit denen die Verhandlungen geführt und sämmtliche Parteiströmungen in den nöthigen Schranken gehalten worden sind." Redner dankt auch der „English Zionist Föderation" und ihren eifrigen Führern, sowie alien ihren Mitarbeitern für die den Delegierten und Gästen erwiesene Gastfreundschaft. (Stürmischer Beifall.) Nach einigen Dankesworten des Mr. J. L. Green berg im Namen der englischen Zionisten erklärt Dr. Th. Herzl den IV. Zionisten-Congress für beendet. Die Versammlung erhebt sich darauf wie Ein Mann und bringt in Gemeinschaft mit den dichtgefüllten Gallerien dem Präsidium begeisterte Ovationen dar. Abends fand in den Congress-Sälen das von der „English Zionist Federation* zu Ehren der Delegierten veranstaltete Bankett statt. Es herrschte eine gehobene Stimmung. Es toasteten u. a.: Dr. Nordau, Dr. Herzl, Mr. J. Z a n g w i 11, Dr. Leopold Kahn etc. Wir werden in nächster Nummer über dieses Bankett ausführlich berichten. Epilog. Die Congress-Verhandlungen haben heute ihr Ende erreicht. Die Festesstimmung, die uus die ganzen vier Tage' lang in ihrem Banne hielt, verflüchtigt sich langsam und macht dem nüchternen, kritischen Verstände Platz. Er tritt mit einer Frage an uns heran : Hat uns der heurige, der vierte, Congress mehr gebracht als Reden, schöne Reden, „Reden voll von Seufzern"? Man braucht keinen Augenblick zu zögern, um diese Frage zu bejahen. Denn der vierte Congress bedeutet einen Wendepunkt in der Art, und Weise der zionistischen Thätigk e i t. Er hat, und das gibt ihm seine Signatur, den Grundstein gelegt zu einer praktischen Socialreform innerhalb des Judenthums. Das ist viel, sehr viel. Die Zionisten sollen nunmehr den praktischen Anforderungen, die das tägliche Leben an sie stellt, in höherem Grade ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Allerdings ohne deshalb das Endziel aus dem Auge zu verlieren. Nicht mehr soll ihre Thätigkeit eine ausschliesslich agitatorische und culturelle sein; auch die Einleitung solcher wirtschaftlicher Organisationen, durch die die Zionisten sich, wie Dr. Herzl in seiner Eröffnungsrede sagte, den gegenseitigen Beistand in Notfällen einigermassen gewährleisten, wird fortan eine ihrer vornehmsten Aufgaben sein. Der Zionismus soll auch wirklich das Erbe der bankerotten jüdischen Wohlthätigkeits- Anstalten antreten, wie er deren moralisches Erbe bereits angetreten hat. Gewiss, das wird Arbeit, viel Arbeit kosten. Wer aber die Begeisterung und die Aufopferuugsfähigkeit unserer Zionisten auf dem Congresse zu beobachten Gelegenheit hatte, für den darf auch darüber kein Zweifel obwalten : wir werden diese Arbeit leisten'. London. am Abende der Schluss-Sitzung des IV. Congresses. Die General-Versammlung der Jüdischen Colonialbank. Die zweite ordentliche General-Versammlung der Actionäre des „Jewish Colonial Trust Limited" fand am 17. August im grossen Saale des Winchester House, London, City, um 12 Uhr statt. Anwesend waren sämmtliche Mitglieder des Aufsichtsrathes und des Directoriums, ferner der Rechtsanwalt und General-Secretär der Bank und circa 500 bis 600 Actionäre. Nachdem der Vorsitzende Herr Dr. Wolffsohn den Wunsch der Versammlung, die Verhandlungen in deutscher Sprache zu führen, constatiert hatte, verlas der General-Secretär den Text der Ankündigung der Versammlung, worauf der Vorsitzende folgenden Bericht erstattete : Geehrte General -Versammlung! Genau vor einem Jahre hatte ich die Ehre, Ihnen bei der General-Versammlung in Basel über die Vorarbeiten und Gründung der Jüdischen Colonialbank Bericht zu erstatten. . Schon damals waren die Directoren sich bewusst, dass ihnen ungeheure Schwierigkeiten bevorstehen, und dass die Arbeiten, die sie erwarteten, viel Mühe, Geduld und Umsicht beanspruchen werden. Ist doch unsere Bank mit ihren vielen Actionären. die über die ganze Erde zerstreut sind, in ihrem Zwecke und Ziele so ganz verschieden von allen anderen Banken und geschäftlichen Unternehmungen! Die Schwierigkeiten waren aber tatsächlich— wie Sie aus dem weiteren Berichte ersehen werden — noch viel grösser und stärker, als wir anzunehmen berechtigt waren, und dennoch, hoffe ich, werden Sie mit dem Resultate, das ich Ihnen hier vorlege, wohl zufrieden sein. Bei dieser zionistischen Arbeit, bei unserer Bank, müssen wir das Politische von dem Geschäftlichen trennen. Wir müssen in jeder Beziehung hierbei nur Kaufleute sein ur>d werden gut thun, von dem englischen Volke, dessen Gastfreundschaft wir geniessen und unter dessen Schutz wir unsere Bank gestellt haben, zu lernen und auch dessen praktisches Sprichwort: „Zeit ist Geldzu beherzigen. Ich werde mich daher kurz fassen und Ihnen der Reihe nach über das, was wir im verflossenen Jahre geleistet haben, über den heutigen Stand und über die Aussichten für die Zukunft berichten. Damit Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie aus allen Ländern der Welt hier zusammengekommen sind, uns besser verstehen, und damit auch unsere Gegner, die uns bei jeder Gelegenheit, bei jeder Kundgebung angreifen und uns ungerechte Vorwürfe machen, mehr Verständnis für unsere Sache bekommen, will ich Ihnen die Schwierigkeiten mittheilen, mit d^nen wir zu kämpfen hatten. Unsere Freunde werden daraus lernen, wie sie uns helfen können, uns unsere schwere Arbeit zu erleichtern, und unsere Gegner werden — wenn sie gerecht sind — mit mehr Wohlwollen und mit mehr Unparteilichkeit uns behandeln. Vor allem will ich darauf hinweisen, dass continentale und englische Actien gesellschaften in ihren Routinearbeiten und Usancen von einander grundverschieden sind. Ohne zu untersuchen, welche Einrichtungen die besseren sind, müssen wir uns, da unsere Bank in England ist, voll und ganz nicht nur nach den englischen Gesetzen, sondern auch in allen anderen Dingen nach den englischen Usancen und Gewohnheiten richten, obgleich dadurch viele Mühe und Arbeit für die grosse Masse unserer auswärtigen Actionäre und Agenten entstehen. Unsere Arbeit war keine geringe. Ich muss dies ausdrücklich hervorheben, denn wie es scheint, wissen es viele unserer Actionäre nicht, sie würden sonst nicht so sehr um ihre Actien gedrängt und nicht so oft reclamiert haben. Von der Einzahlung der ersten 20 Percent eines Shares bis zur definitiven Auslieferung desselben sind viele Handlungen, viele Eintragungen u»d Zwischencorrespondenzk?n nothwendig, vielen Unterhandlungen mit Fiscalbehörden und unzähligen anderen Zwischenfällen, die ausserhalb unserer Controle liegen, ist ebenfatls Rechnung zu tragen. Bei einer derartigen Fülle von Arbeit konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass hie und da Irrthümer unterlaufen sind, und dass dadurch viele Actionäre verhältnismässig lange auf ihre Actien warten mussten.

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