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Die Welt · 1900-08-31 · 35 (31.8.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
35 (31.8.1900)
Article
III. Tag
Date
1900-08-31
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 ,Die & Welt" Seite 11 neu redigiert werden, dass die einzelnen Bestimmungen in kurzen und knappen Sätzen ausgedrückt werden. 2. Es wird ein inniger Connex zwischen Schekelgruppen und Vereinen einerseits und der Centrale der betreffenden Landes-Organisation in derWeise proponiert dass die Vereine beauftragt werden, neben ihrer ordentlichen Mitgliederliste ein Verzeichnis aller in ihrer Stadt (Rayon oder Bezirk) befindlichen Scheckelzahler anzulegen und sorgfältig weiterzuführen. In einem Orte können auch mehrere Ortsgruppen mit Genehmigung des Landes-Comites gegründet werden. 3. Die Bildung der Hundertschaften zu Wahlgruppen obliegt den Landeseomit6s, welche zu diesem Zwecke eine Centrailiste zu führen haben. 4. Der Congress erklärt es für wünschenswert, dass ein Pressausschuss aus der Mitte des Congresses gebildet werde, welchem zu diesem Zwecke ein ständiges Pressbureau in Wien unterstellt wird. 5. Der Congress erklärt die Schaffung eines Nationalfonds für wünschenswert und beauftragt das Actions- Comite, die einleitenden Schritte hierzu zu unternehmen. Zu dem Antrage, den Congress nur alle zwei Jahre einzuberufen, bemerkt Dr. Herzl, dass es sich empfehlen würde, in dieser Angelegenheit nur eine Resolution zu fassen, da der Fall eintreten könnte, dass das Actions-Comite doch genöthigt wäre, den Congress in zwei aufeinanderfallenden Jahren einzuberufen. Dr. Auerbach beantragt eine Resolution, durch die es dem Actions-Comite anheimgestellt werden solle, ob es den Congress im nächsten Jahre wieder einberufen will. Da diese Resolution abgelehnt wird, bringt Dr. Herzl die Frage zur Abstimmung, ob der Congress im nächsten Jahre eine neuerliche Tagung wünscht. Es wird h i erauf beschlossen, im nächsten Jahre wieder einen Congress abzuhalten. (Stürmischer Beifall.) Gegen den Antrag des Prof. Gott heil bezüglich der Federation spricht sich W. Schur (Chicago; aus. da man den einzelnen Organisationen freie Hand lassen müsse. Frau Prof. Gottheil tritt für diesen Antrag ein, weil die Vereine, die keinem Verbände angehören, bei der Agitation nur hinderlich seien. Mr. Tunkle (Georgia) erklärt dass nach seiner Ueberzeugung Amerika und Canada viel zu gross seien, um eine derartige Organisation durchzuführen. Man müsse überall die freie Entwicklung der Vereine dulden, die direct mit dem Actions-Comite in Verbindung stehen sollten. M an i 1 o ff (Amerika) tritt ebenfalls für die Freiheit der Vereine ein und erhebt gegen die amerikanische Federation den Vorwurf, dass sie die Freiheit der Einzelvereine unterbinde und ihnen die für den Congress zu wählenden Delegierten vorschreibe. Prof. Dr. Gottheil erklärt er habe diesen Antrag im Namen aller englisch sprechenden Federationen eingebracht und wundert sich, dass speciell Herr Schur, der in der noidamerikanischen Federation doch eine führende Stellung einnehme, sich gegen diesen Autrag ausgesprochen habe. Die Freiheit der Entwicklung müsse wohl gewahrt werden, aber eine so grosse Bewegung müsse auch ein Centrum haben. Die Federation mische sich in die inneren Angelegenheiten der einzelnen Vereine nicht ein. Im übrigen beziehe sich dieser Antrag bloss auf die englisch sprechenden Länder. Leo Mozkin wünscht Aufklärung über die von Herrn Maniloff gegen die „Federation of American Zionists" erhobenen Vorwürfe. Dr. Friedemann tritt für den Antrag Gottheil ein, weil man es in jedem Lande nur mit einem Führer zu thun haben könne. Prof. Dr. G o 11 h e i 1 tritt den von Herrn Maniloff erhobenen Anwürfen entgegen, die ganz ungerechtfertigt, seien. Ein Beweis hierfür liege darin, dass Herr Maniloff gegen den Willen der amerikanischen Federation in den Congress entsendet worden ist. Gordon (Liverpool.) meint, dass die Federationen nichts anderes leisten, als dass sie drei- und vierfache Schekelsteuern vorschreiben, die sich die ärmeren Zionisten nicht leisten können. Diese Federationen seien nicht Sache der englischsprechenden Delegierten allein, sondern aller Zionisten. (Beifall.) Er will wohl zugeben, dass eine Centralisation nöthig sei; allein die Versuche, die man bisher mit den Federationen gemacht habe, seien sämmtlich fehlgeschlagen. Miss Bluestone (New-York) hält es auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung für unmöglich, Erspriessliches zu leisten, wenn die verschiedenen Vereine sich nicht zu einem Verbände zusammenschliessen. Die Federationen seien die treibende Kraft, und in dem Momente, wo diese auseinandergehen, falle auch die ganze Arbeit zusammen. (Beifall,) Mr. J. C o w e n (London) tritt im Interesse der Ordnung und der Disciplin für die Federationen ein. Maniloff wiederholt seine Vorwürfe, dass die amerikanische Federation die Freiheit der Einzelvereine unterbinde. S c h e i n k i n (Russland) wünscht, dass der Congress sich nicht mit Fragen befassen mög*>, die nicht die Allgemeinheit, sondern lediglich einzelne Länder betreffen. Dr. G a s t er tritt für die Federation ein. E< sei nicht richtig, wenigstens in Betreff der englischen Federation nicht, dass sie an ihre Mitglieder allzu grosse Ansprüche stelle. Die englische Federation verlange bloss zwei Schillinge, von den einer als Schekel an das Actions-Comite abgeführt und der andere zu Agitationszwecken verwendet werde. Die Verwaltungskosten der englischen Federation würden nicht von diesem Gelde, sondern aus privaten Mitteln Einzelner bestritten. (Widerspruch.) Nur mit vereinten Kräften könne etwas geleistet werden, nie und nimmer aber bei Zersplitterung der Kräfte. Wenn man sich hier, bei einer so kleinlichen Sache, nicht zu einer Organisation verstehen könne, wie wird das jüdische Volk sich je in einer grossen Frage einigen? (Zustimmung.) Redner habe sich selbst davon überzeugt, welch grosse Arbeit die Federationen leisten. (Beifall.) Mr. Lennox L o e w e (Johannesburg) spricht sich gegen den Antrag Gott heil aus und tritt dafür ein, dass man dem armen Manne, der nur einen Schekel gebe, dieselben Rechte einräumen möge, wie dem reichen. Das sei aber nicht der Fall, wenn der Antrag G ottheil vom Congresse zum Beschlüsse erhoben werde. (Beifall.) Präsident Dr. Herzl legt, ohne für oder gegen die Sache Stellung nehmen zu wollen, die Schwierigkeiten dar, die dem Actions-Comite aus dem Verkehre mit jedem Einzelvereine erwachsen müssten. Auf irgend eine Weise müssen die einzelnen Vereine sich verbinden. Sonst würden ja fast die ganzen Sckekelgelder in Brietmarken aufgehen (Zustimmung) und überdies die Unzukömmlichkeiten sich sicherlich ins Endlose steigern. (Lebhafter Beifall.) Die Sitzung wird um S Uhr abends auf eine Stunde unterbrochen. Nacht-Sitzung. Nach der gegen '/t10 Uhr abends durch den Präsidenten Dr. Herzl erfolgten Eröffnung der Sitzung schlägt der Obmann der Permanenz-Comtnission Dr. Bodenhelmer bezüglich des nachmittags in Discussion gezogenen Antrages des Prof. Gottheil über die Federationen folgende Resolution vor, die im Einklänge mit dem Organisations-Statut stehe: „Der Congress erklärt, dass es Pflicht sämmtlicher zionistischer Organisationen des Landes ist, sich der Landes-Federation anzusch Ii essen, empfiehlt ferner dringend, die Federationen in Districte zu theilen, für welche besondere Organisationen im Einverständnisse mit der Federation zu schaffen sind. Dagegen beschliesst der Congress, dass die künftigen Wahlen zum Congresse nicht durch den Delegiertentag der Federationen, sondern durch die einzelnen zionistischen Vereine direct an Ort und Stelle unter der Controle der Federationen erfolgen.* (Lebhafter Beifall.) Dr. Bodenheimer bemerkt hierzu, diese Resolution im Auftrage der Permanenz-Commission zurückziehen zu müssen, wenn von irgend einer Seite die Eröffnung der Debatte hierüber verlangt würde. Da Mr. Co wen diese Resolution als für England unannehmbar bezeichnet und von verschiedenen Seiten Rufe nach Eröffnung der Debatte laut werden, zieht Dr. Bodenheimer namens der Permanenz-Commission seine Resolution zurück, worauf ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung über den Antrag Gottheil angenommen wird. (Lebhafter Beifall.) Rabbiner Dr. M. Gaster (London), bei seinem Erscheinen auf der Rednertribüne lebhaft acclamiert, will über das geistige Element im Zionismus sprechen und die Philosophie des Zionismus kurz darstellen. Der Zionismus sei zu einer culturellen Bewegung im Judenthum und in der Menschheit geworden. Von unserer Hoffnung, unser Volk in das Land seiner Väter zu führen, werden wir allmählich auch weiter geschoben auf die unmittelbaren Thatsachen des Lebens, die sich vor unseren Augen abspielen. Es treten an uns auch Fragen der unmittelbaren Gegenwart heran, die eine Lösung von uns verlangen. Aus den traurigen Ereignissen in Rumänien habe sich ein moralischer Bankerott gerade auf derjenigen Seite ergeben, in welche das jüdische Volk bisher sein ganzes Vertrauen gesetzt hat. Die abermals ausgestreckten Hände der Allianzen, an die

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