Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 28 (13.7.1900)
- Article
- Weshalb hat man mich ausgewiesen?
- Date
- 1900-07-13
- Page
- 8 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 8 „Die Welt'6 Nr. 28 aufrichtig — dacs diojenigon. welche aus "Rumänien hierher wsmdernt auf öffentlichen Strassen, wie ich in den Zeitungen gelten habe, unter den Bogen von Brücken übernachten und dort förmlich campieren. Das ist eine neue Einrichtung in Wien. . W enn Christen das machen w ürden, so würde mit ihnen in sauz anderer Weise her umgesprungen werde n." . Die Auswanderer in Lemberg. Ein Lemberger Gesinnungsgenosse meldet un> : Am 5. d.'M. sind hier 170 jüdische Auswanderer aus Rumänien, mit Schiffspäss«m nach Canada versehen, durchgereist. Am Bahnhofe wurden sie während der einhändigen Pause vou den hiesigen Zionisten gastfreundlich bewirtet. Unsere Bilder.*) Der uralte Jammer, das immer neur» Leid — Ahasver und kein Ende. Wieder einmal greife der Jude zum Wanderstahe, seiner letzten Stütze, da das Land der Geburt keinen Halt mehr bietet. Schwank und gebrechlich ist die sonderbare Stütze, einem geknickten Schilfrohre vergleichbar. Kaum wird es unseren armen rumänischen Brüdern glücken, mit ihrer Hilfe festen Fuss zu fassen. Gleichwohl, was sollten sie denn anfangen? Es ist ihres Bleibens nicht mehr in dem ungastlichen Lande, das keinen Raum für sie hat, keine Verwendung und kein Brot. So klammern sie sich denn an den Wanderstab, die morsche Stütze. Und ehe sie von dannen ziehen, pilgern sie zu dem Theuersten, das sie zurücklassen: zu der umfriedeten Ruhestätte ihrer Eltern und Voreltern. Sie nehmen Abschied vom »guten Orte", ehe sie auf immer Lebewohl sagen der geliebten Heimat, die ihnen fürwahr kein guter Ort war .. . Weiss schimmert jener Leichenstein im Sonnenlichte und die Bäume wiegen 1?ise die \\ lpfel über den Hauptern der Auswanderer. Sie aber lehnen und kauern an der Umfriedung in voller Rciserustung. Wehmuth und Nach lenklichkeit in dvn Blicken... Ein anden-r Anblick. Ein Segelschiff, das im Begriffe ist, von Galatz nach der Insel Cypern abzugehen. Auf dem Verdeck befinden sich ungefähr 300 jüdische Emigranten, Männer, Frauen und Kinder. Man sieht sie in den verschiedensten Stellungen. Einige haben das Takelwerk erklettert und winken von da oberf der Heimat und den zurückbleibenden Freunden ihre letzten Grüsse zu. Ein reisefroher, hoffnungsvoller Jüngling, der am höchsten emporgeklettert ist, lächelt befriedigt vor sich hin. Ihm steht die Welt offen und ärger als daheim wird es ihm wohl auch in der Fremde nicht gehen. Neben ihm drückt ein anderer junger Mann traurig d«_n Hut in die Stirn. Und tieftraurig ist auch der Gesichtsausdruck der unten stehenden Auswanderer. Selbst die Gesichtchen der Kinder zeigen ernste Betrübnis. Eine abgehärmte Frau, die ihre Hand auf die Schulter des Gatten stü'zt, schluchzt bitterlich . . . *).Wir verdanken die Originale beider Bilder der Liebenswürdigkeit des Herrn Photographen Marco Klein in B r a i 1 a, dem wir hiermit besten Dank sagen. Die Bukarester offieiöse Dementier-Presse und der Zionismus. Die rumänische Regierung schämt sich. Dass die öffentliche Meinung Europas sich durch die Massenauswanderungen rumänischer Juden gezwungen sieht, in die vielfach ans Mittelalter gemalinenden rumänischen Zustände ein kleinwenig hineinzuleuchten, ist den Machthabern in Bukarest begreiflicherweise sehr unangenehm. Und so lassen sie denn die grosse Dementierspritze auffahren. Allerdings mit einer riesigen Ungeschicklichkeit. Ihre Verteidigung erinnert nämlich allzu sehr an die bekannte Ghetto-Anekdote von dem zerbrochenen Topfe, die Heinrich Heine so ergötzlich fand. Zuerst liess die Regierung durch ihre Officiösen ableugnen, dass die rumänischen Juden überhaupt in grösserer Anzahl auswandern. Etwas später, als sie