Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 28 (13.7.1900)
- Article
- Weshalb hat man mich ausgewiesen?
- Date
- 1900-07-13
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 28 „Die & Welt?' Seite 7 wird überzeugt haben, sie nicht verabsäumen wird, den Schuldigen anzuklagen. Sollte sie es aber vorziehen, darüber zu schweigen, dann möge sie sich nicht wundern, "wenn nächstens auswärtige Blätter dieses halbbarbarische Land mit Schmeichelnaraen wie Judenverfolger und Judenfresser bezeichnen werden. Wann werden die hiesigen Polizeiorgane endlich aufhören, den Ochsenziemer zu gebrauchen?? Etwas Auswandererstatistik. Die hier folgende Zusammenstellung der in den letzten Wochen ausgewanderten Gruppen ist weit entfernt davon, vollständig zu sein; immerhin bietet sie viel Interesse. Zu Beginn des Monais Juni wanderten zu Schiff via Rotterdam nach Amerika 31 Familien mit 90 Personen aus. Es folgten: Eine aus 110 jungen Leuten bestehende Fussgängergruppe, die unter dem Namen der Berlader Gruppe ■M bekannt geworden ist; sodann eine aus 50 Personen bestehende Handwerkergruppe: eine aus 75 jungen Leuten bestehende, „Jin" genannte Gruppe; eine weitere, ebenfalls 75 Personen zählende irreguläre Gruppe, die zu Schiff' direct bis Hamburg, respective bis Rotterdam reiste; eine Gruppe von 50 Familien mit 250 Seelen, deren Mitglieder einiges Vermögen besitzen; eine Fusswanderergruppe von 60 völlig mittellosen Emigranten; eine Gruppe von 50 jungen Mädchen aus Roman; eine aus 154 Personen bestehende Gruppe, deren Mitglieder theils aus G a 1 a t z und theils aus Bu karest stammen; die Gruppe „Pietonii", aus 60 Personen bestehend; die Gruppe „Friedhof, aus 250 Personen bestehend; eine 600 Personen zählende Gruppe, die zu Schiff direct nach Amerika reiste; eine aus 52 Familien mit 300 Seelen bestehende Galatzer Gruppe, die mit einem Segelschiffe nach Cypern abgieng; eine 125 Personen zählende Fusswanderergruppe aus ßacau; eine Gruppe von 396 Personen aus Bukarest, darunter 35 Hochschüler : eine Gruppe von 155 Psrsonen aus Bottuschani;. eine Fussgängergruppe von 130 Personen, durchweg Arbeiter, gleichfalls aus Bottuschani; eine Gruppe von 106 Personen aus Dorohoi; eine Hand werker gruppe von 330 Personen aus P1 o e s t i; eine Fussgängergruppe von 05 jungen Leuten aus V a s 1 u i; eine Gruppe von 100 Personen aus Podul-Illoie; eine Fussgängergruppe von 85 jungen Leuten aus R o m a n: eine Studentengruppe von 100 Personen aus Galatz; eine Fussgängergruppe von 65 Personen aus Pietru-Neamti: eine Fussgängergruppe von 40 Personen aus F o c s a n i; die 165 Personen zählende Gruppe , Baron Hirsch* aus Crajova etc. etc. Und angesichts dieser beredten Ziffern finden die rumänischen Reptilienblätter und Regierungs - Agenturen den Muth, dem Auslande zu „melden", dass die Zahl der jüdischen Auswanderer „übrigens eine geringe" sei \1 Die rumänische Judenauswanderung im Wiener Gemeinderathe. In der Sitzung des Wiener Gemeinderatb.es vom 0. d. M. interpellierte" Gemeinderath Schwer den Bürgermeister Lueger wegen der in Wien eintreffenden rumiinisehen Auswanderer, von denen er behauptete, dass sie die Gefahr der Einschleppung einer Seuche involvieren. Erfragte an, ob der Bürgermeister geneigt sei, dem Stadtphysikate die strengste Ueberwachung der in Wien ankommenden jüdischen Auswanderer aufzutragen und im Sinne des § 17 des Gemeindestatutes vom 24. März l'JOO die Ausweisung jener Auswanderer, die sich nicht mit ihrer Heimatsberechtigung ausweisen können, zu verfügen. Hierauf antwortete Bürgermeister Dr. Lueger: „Ein Ausweisungsrecht in dem Sinne, wie es der Herr Interpellant autfassf. dürfte mir wohl nicht zustehen, und wenn es mir auch zustände, so muss ich sagen, es würde mir unangenehm sein, von einem solchen Rechte Gebrauch machen zu müssen. Es ist ja eigentlich Sache der Polizei, dafür zu sorgen, dass bezüglich des Fremdenverkehres Ordnung herrsche. Ich verstelle es nicht, wie geduldet werden kann — ich sage es ganz