Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 46 (18.11.1898)
- Article
- Die zionistische Abordnung in Palästina
- Date
- 1898-11-18
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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ifti. 46 Seile 3 von vornherein unsere Aufgabe sein müssen. Näheres will ich darüber erst sagen, bis ich mit einigen Herren in London Rücksprache genommen haben werde. Für die zu bildende Landgesellschaft wird sich nun auch in Deutschland gewiss eine lebhaftere Theilnahme regen. Gewisse Bedenken, als ob der Zionismus den Juden übel ausgelegt werden könnte, sind heute wohl nicht mehr zulässig. An der geplanten Landgesellschasr wird stch auch das Capital deutscher Juden gern betheiligen. Aus die Frage, ob ich jetzt schon in Palästina wohnen möchte, antworte ich ihnen kurz und bündig: Nein! Das ist gerade so, wie wenn man einen Bauherrn oder Architekten fragte, ob er auf einem Bauplatz wohnen möchte. Nein. Zuerst muss das Haus auf dem Platze errichtet und beziehbar sein, dann wird man es gern beziehen und bewohnen. Indessen gibt auch schon ein beginnender Bau vielen Händen zu schaffen, und der Beginn unserer Thätigkeit wird wohl sogleich einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung des Landes zur Folge haben. Dr. M. T. Schnirer. Frage: Wie steht es mit den sanitären Verhältnissen in Palästina? Antwort: Sie werden begreifen, dass ich nach einem zehntägigen Aufenthalte im Heiligen Lande nicht in der Lage bin, Ihre Frage aus eigener Anschauung zu beantworten. Was ich Ihnen darüber mittheilen kann, das sind nur einige allgemeine Eindrücke, die, wie ich gleich bemerken will, sich im Großen und Ganzen mit dem decken, was von verschiedenen Seiten über diesen Gegenstand gesagt wurde. Sie dürfen also nichts Neues erwarten. F.: Gestatten Sie, Herr Doctor, dass ich meine Frage genau präcisiere: Sind die klimatischen und sanitären Verhältnisse Palästinas einer Colonisierung im großen Stile günstig? Welche sanitäre Missftände bestehen, und wie ist diesen abzuhelfen? A.: Ein Land, in welchem tropisches, subtropisches und continentales Klima so glücklich vereinigt sind wie in Palästina, bietet in klimatischer Beziehung einer Colouisation in größerem Stile keine oder keine wesentlichen Schwierigkeiten. Der Europäer verträgt die Hitze in Palästina im Allgemeinen ganz gut, zumal die hohe Temperatur selbst im Hochsommer durch die frischen Seewinde erträglicher gemacht wird und nachts Abkühlung eintritt. Während unseres Aufenthaltes in Palästina herrschte eine Hitze, die selbst im Sommer kaum übertroffen wird — — das Thermometer zeigte über 30 Grad im Schatten. Trotzdem haben wir die hohe Temperatur ganz gut vertragen und erfreuten sich die Mitglieder unserer Abordnung, mit Ausnahme vereinzelter kleiner vorübergehender Indigestionen, die auf die veränderte Kost zurückzuführen waren, während ihres ganzen Aufenthaltes in Palästina der besten Gesundheit. Dass die aus Europa eingewanderten Juden das palästinensische Klima ganz gut vertragen, haben übrigens die bestehenden Colonien am besten gezeigt. Wenn einmal das Land genügend Wasser (zum Trinken und Baden) und mehr Vegetation besitzen wird, dann werden auch die letzten klimatischen Schwierigkeiten verschwinden. Von den im Lande herrschenden Krankheiten ist die Malaria diejenige, die den Colonisten am schwersten trifft. Wie überall auf alluvialem Boden in nicht oder schlecht bestellten, zum Thcil sumpfigen Ebenen treten die in der Erde enthaltenen Keime beim Aufwühlen des Bodens heraus, übergehen in die Luft And in das Wasser und erzeugen die in solchen Gegenden so häufigen Fiebersormen. Auch in den jüdischen Colonien Palästinas, namentlich jenen in Judäa, herrschte und herrscht noch die Malaria. Durch reichliche Eucalyptuspflanzungen und entsprechende Regelung der Lebensweise ist es zwar gelurigen, sowohl die Intensität als auch die Extensität der .Krankheit zu vermindern. Die wirksamsten Mittel zur Bekämpfung der Malaria — Trockenlegung der Sümpfe und ausgiebige-Bodencultur — können natürlich nur bei einer Colonisierung in großem Maßstabe zur Anwendung gelangen. Was aber durch diese Mittel erreicht werden kann, das zeigen die schönen Ergebnisse, welche die Italiener im Kampfe gegen die mörderischen Fieber der römischen Campagna erzielt haben. In den Spitälern in Jerusalem und Rischon-le-Zion habe ich eine verhältnismäßig große Zahl von Augenkranken gesehen, darunter recht schwere Fälle, deren Verlauf ein unverhältnismäßig rapider war. Ebenso sah ich auf den Straßen von Jerusalem, Jaffa und den Colonien viele Augenkranke. F.: Ist das die ägyptische Augenentzündung? A.: Das Trachom ist zwar in diesen Gegenden-eine häufig vorkommende Erkrankung, aber ebenso wie man doch geneigt ist, jede mit Temperaturerhöhung einhergehende Indisposition als „Fieber" zu bezeichnen, so dürfte, wie ich glaube, auch die Bezeichnung „Trachom" vielfach missbraucht und für Augenaffectionen angewendet werden, die mit der sog. ägyptischen Augenentzündung nichts zu thun haben. Wie dem aber auch fei, sicher ist, dass die Zahl der Augenkranken eine ziemlich erhebliche ist. Ueber die Ursache dieser Erscheinung konnte ich eine einheitliche und stichhältige Erklärung von den dortigen Collegen nicht erhalten. Die verschiedenen von den Laien angeführten Schädlichkeiten können nur als Reizmomente angesehen werden, die den Boden zur Ansiedlung und Entwicklung der Krankheitserreger präparieren. Ein wichtiger Factor in der Verbreitung der Augenkrankheiten in Palästina scheint mir die dort allgemein herrschende Unsauberkeit zu sein. F.: Herrscht die auch in den Colonien? A.: Im Gegentheil, die Colonien bilden in Bezug aus Reinlichkeit einen wohlthuenden Contrast zu den Städten. Allein in Bezug auf hygienische Reinlichkeit kann man mit einer kleinen Variante des bekannten Dichtermortes sagen: „Es kann der Reinste nicht gesund bleiben, wenn es dem schmutzigen Nachbar nicht gefällt." Ich meine nicht nur die individuelle, sondern allgemeine Reinlichkeit. Im Kampfe gegen die kleinsten Lebewesen, diese größten Feinde des Menschengeschlechtes, ist jene absolute, peinliche Sauberkeit erforderlich, welcher z. B. die moderne Chirurgie ihre glänzenden Erfolge verdankt. Wenn der heutige Chirurg bei seinen Operationen nur gründlich ausgekochte Instrumente benützt, die von ihm gesetzten Wunden mit gekochtem Wasser reichlich bespült, ja sogar seine sogfältig gesäuberten Hände mit frisch gewaschenen Zwirnhandschuhen bedeckt, so thut er nichts anderes als das Princip der absoluten Sauberkeit in die Praxis Umsetzen. Die Sache scheint außerordentlich einfach, und doch hat es vieler Jahrhunderte bedurft, um dahin zu gelangen, und die moderne Medicin ist erst auf dem Umwege durch die Bakteriologie und durch die aus dieser hervorgegangene Antisepsis zu diesem herrlichen Talisman gekommen. Das ist es, was wir in Palästina dringend brauchen. Sauberkeit, Reinlichkeit in Stadt und Land, in Haus und Hof, ober- und unterirdisch. Die Mittel hiezu sind Wasserversorgung, Canalisation, Straßenpflasterung rc. 2c. F.: Das sind aber ziemlich kostspielige Dinge, die für unsere Colonien nicht erreichbar sind? — A.: Gewiss. Damit sprechen Sie aber das Uri heil gegen das bisherige System der Infiltration der Juden in Palästina. Hygienische Einrichtungen größeren Stiles,