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Die Welt · 1898-09-16 · 37 (16.9.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
37 (16.9.1898)
Article
Culturcommission
Date
1898-09-16
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 37. Seite 7 cultitrförbcntb ist, uub dass die blo ßeKenntnis der hebräischen Sprache genügt, nm uns sichere, unzweifelhaste und dauernd opferfreudige Juden zu schaffen. Der allgemeine hebräische Sprachverein will somit eine Lücke im Erziehungssystem und im System des religiösen Unterrichtes in allen Ländern ergänzen, er will als eine selbstständige, auf eine eigene Kraft beruhende Institution überall, wo Juden wohnen, überall, wo das Bedürfnis vorhanden ist, Lehrcnrse errichten, für Knaben und Mädchen, zum Zwecke der Erlernung der hebräischen Sprache. Sie haben alle den Entwurf vor sich, ich glaube, die einzelnen Bestimmungen nicht erörtern zu müssen, wir haben Ihnen nur das allgemeine Princip angegeben imb ich will hinzufügen, dass die hebräische Commission, welche mit der Gründung des Vereines betraut worden ist, sich dieselbe so vorstellt, dass der Congrcfs, wenn derselbe im Principe einverstanden ist, sich zugleich als General-Versammlung constituiert und die erfolgte Gründung ausspricht. Der Congress wird auch zugleich den Verwaltnngskörper wählen, welcher die weiteren Schritte behufs Legalisierung desselben veranlagen wird. Der zweite positive Antrag, den ich ihnen vorzulegen habe, ist folgender: Die Einsetzung einer lögliederigen Cultur- Commissiou, welche alle Aufgaben, die nicht durch den hebräischen Sprachverein gelöst werden, die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte, die Förderung der hebräischen Literatur durch Vorlesungen, Bibliotheken u. s. w. in ihre Hand nehmen soll. Aber diese Central-Commission, die wir einsetzen und der wir den ganzen Complex der Arbeiten übergeben wollen, muss arbeitsfähig sein. Ich will nicht die Thatsache unterdrücken, dass die im Vorjahre gewählte Commission ein todtgeborenes Kind war. Sie war absolut nicht fähig zu arbeiten. Wenn man eine Commission wählt und sie nicht mit gewissen Machtbefugnisien ausstattet und ihr keine Geldmittel zur Verfügung stellt, kann sie sich nur constituieren, darüber ' hinaus aber nichts unternehmen, weil sie aus Schritt und Tritt gehemmt ist. Die Commission, die ich heute beantrage und die berufen ist, im nächsten Jahre positive Arbeit zu leisten, soll — dies ist mein Antrag — innerhalb der Grenzen der vom Congresse gefassten Beschlüffe in ihrem Wirkungskreise autonom sein. 2. Soll der jeweilige Obmann der Cultnr-Commissiou Sitz und Stimme im Centralcomite in Wien haben. 3. Das Actionscomitö wird angewiesen, sämmtliche Verwaltuiigskosten der Cultur-Commifsion ans den Einnahmen des Schekels zu decken, ferner einen entsprechenden Theil der Einnahmen der Cultur-Commifsion für die positiven, vom Cvugresie beschlosieuen Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Ein zweiter, sehr wichtiger Theil der Arbeit dieser Commission betrifft die positive Culturarbeit in Palästina selbst. Von vielen Seiten ist im letzten Jahre petitioniert und angeregt worden, dass gerade diesem Theile der Arbeit besondere Aufmerksamkeit zugewendet werde; denn die Anschauung lebt allgemein, dass, wenn wir eine wirkliche, organisierte nationale Cnltur, die aus unserer Vergangenheit herauswächst, und als unser ureigenstes Eigcnthnm blühen und gedeihen soll, schaffen wollen, dies einzig und allein auf dem Boden Palästinas geschehen kann, dort wo die Heimat der Cnltur gewesen ist. Dort, wo sic entstanden und gewachsen ist, wird sie auch zur höchsten Blüte emporblühen. Darum stellt die Cultur-Commissiou den Antrag: Ter Congress beschließt, der Culturarbeit in Palästina, besonders der Erleichterung und Erweiterung der Schulen, speciell dem Bet-Sefer in Jaffa seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden; der Congress hält es jedoch für nothwendig, dass das Actionscomitö behufs Erforschung der Culturververhältniffe in Palästina einen Delegierten dorthin entsende." Es wird Ihnen noch eine ganze Reihe von Resolutionen und Vorschlägen vorgelegt werden. In erster Linie mache ich Sie aufmerksani auf den gemeinsamen Antrag der Herren Dr. Kahn nnd Dr. Gaster, welcher von ganz besonderer Tragweite und außerordentlicher Wichtigkeit ist. Es handelt sich um die Einsetzung einer wissenschaftlichen Commission für die Feststellung und Fixierung des Wortschatzes der hebräischen Sprache bis in die letzte Zeit. Die Herren Referenten werden ihren Antrag eingeheud begründen Ein weiterer Antrag, der aus der Mitte der Herren Congress-Delegierteu hervorgegangen ist, der mehr als vierzig Unterschriften zählt, ist leider von der Commission abgelehnt worden. Derselbe lautet; „Es solle vom Congress ein moralischer Einfluss auf die Alliance Israelite in Paris ansgeübt werden, dass die von ihr geleiteten Schulen im Orient und insbesondere in Palästina die hebräische Sprache zur Bortragssprache machen." Ich bedauere nochmals, dass dieser Antrag von der Cultur-Commissiou abgelehnt wurde. Eine ganze Reihe weiterer Anträge ans der Mitte der Versammlung kann ich hier nicht zur Sprache bringen. Dieselben sind theils Wiederholungen, theils Abänderungen dcffen, was schon vorgebracht wurde, theils an sich gegenstandslos. Die Cultur-Commifsion hat beschlossen, alle diese Anträge mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit der zu wählenden Commission zur näheren Prüfung und Untersuchung zu überweisen. Somit wäre ich zu Ende. Meine Verehrten! Nochmals will ich Ihnen dringend und nachdrücklich ans Herz legen, diese Aufgaben, die in der allgemeinsten Form skizziert wurden, ja nicht zu unterschätzen. Es geht ein heftige Bewegung durch die Reihen unserer Genossen im Osten. Wer die hebräische Presse im letzten Jahre gelesen hat, der hat sich von der theils verhüllten, theils offenen Erbitterung überzeugen können, welche infolge Vernachlässigung gerade dieses Theiles der Arbeit entstanden ist, und es.wird ein nicht wieder gntzumachender Fehler sein, wenn wir auch diesmal auseinandergehen, ohne in dieser Richtung Wandel geschaffen zu haben; denn was wir suchen, ist die Seele unseres Volkes, unser Geistesschatz für alle Ewigkeit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nach dem Referate des Dr. Ehrenpreis ergreift Dr. Leopold Kahn (Wien) das Wort zur Begründung seiner mit Dr. G a st e r gemeinsam eingebrachten Anträge. Unter dem Beifalle des Congresses verliest dann Doctor Kahn folgende Vorschläge: ln Anträge des Dr. Gaster nnd Dr. Kahn. Es sei eine Commission aus 16 Fachmännern zu bestellen, welche seitens des Congresses mit der Aufgabe betraut werde: 1. Den ganzen Wortschatz aus unserem Schriftthume wissenschaftlich nach den Principien der modernen Lexikographie historisch, philologisch uud kritisch zusammeuzustellcu. In diesem Gesamnltwörterbuche sollen die Wörter ausführlich hebräisch erklärt uud mindestens mit einer lateinischen Uebersetzuug versehen sein. 2. Die neuen Worte und Bezeichnungen, welche für moderne und wissenschaftliche, insbesondere auch technische Begriffe gebildet werden, zu fixieren. 3. Principien festzustellen, nach welchen diejenigen Fremv- Wörter, deren Aufnahme infolge ihrer allgemeinen Herrschaft in allen Culturfprachen oder infolge wissenschaftlicher Nothwendigkeit — letztere mangels einer entsprechenden neuen Wortoildunc — geboten erscheinen, in die hebräische Sprache erfolgen soll 4. Eine allgemein giltige Aussprache vorzuschlagen, welch, alle Abweichungen, die das gegenseitige Verständnis erschweren abzuschaffen geeignet erscheint. 5. Die Vorarbeiten, für welche der Congress die Koste, bestreitet, müffen dem nächsten Congresse vvrgelegt werden. 6. Die Commission soll dann die Resultate ihrer fort schreitenden Arbeiten in einer periodischen Druckschrift womögliä in einer Monatsschrift veröffentlichen.

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