Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 35 (2.9.1898)
- Article
- III. Congreßtag
- Date
- 1898-09-02
- Page
- 23 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 35. Sache. Schon als Experiment. Er vertheidigt die Fruchtbarkeit Palästinas und die gute Verwendung der Products. Er tritt für die industrielle Colonifation ein. Pineles tritt dem Berichte Mozkins entgegen. Er sucht nachzuweisen, dass die Informationen Mozkins unrichtig seien. Er bestreitet das Recht des Congresies, sich in die Sachen der Colonien einzumischen, bevor man durch Erhebungen das richtige Maß der Anschuldigungen gefunden hat. Nach Pineles erklärt R a p p ap o r t, dass er entschieden für die Ausführungen Mozkins eintrete. Er wünscht die Colonifation fortzusetzen. Dr. Schlaposchniko ff tritt für Colonifation ein. Rabbiner Rabbinowitsch spricht hebräisch. Er anerkennt die Berechtigung des politischen Zionismus. Er stellt mehrere Anträge, welche die Colonifation in rationeller Weise unterstützen Seine Anträge werden dem Colonisationsausschusse zugewiesen, bis auf denjenigen, welcher die Schaffung eines Comites in Constantinopel bezweckt. Nach Rabbinowitsch nimmt Dr. L o e w e das Wort. Er bekämpft lebhaft die Ausführungen des Redners Bambus. Er schließt: „Seien wir praktische Zionisten, seien wir politische Zionisten — aber seien wir ehrlich\" Bujes tritt für den politischen Zionismus ein, will aber den praktischen Zionismus nicht aufgeben. Es wird Antrag auf Schluss der Debatte ohne Anhörung von Rednern gestellt. (Angenommen.) Referent Mozkin erklärt, nur die Wahrheit sagen zu wollen, ohne Rücksicht, ob er jemandem zuliebe oder zuleide spreche. Er verurtheilt aufs schärfste die Administration der Palästina-Colonisation, welche von Privatpersonen betrieben wird. Es gibt auch gute Elemente in der Administration, sie können aber zu keinem Einflüße kommen, weil sie eben nicht so sind, wie man sie gerne hat. Was er gesprochen habe, halte er aufrecht. Nicht ein Geheimnis und keine Neuigkeit habe er bringen wollen; aber die Thatsachen, die er gesunden, müsse er constatieren. Nachdem Mozkin seine Rede geschlossen, begründet Mr. Herbert B entwich seinen Antrag auf en dloe-Annahme der Anträge des Cvlonisationsconntes. Bevor abgestimmt wird, verliest Aron Markus eine Petition, die sich auf Colonifation bezieht. Er beantragt, es möge der Congress sich mit der Regierung Argentiniens in Verbindung setzen und die ehemaligen Colonisten wie einen Vertreter der jetzigen einvernehmen, damit gegen die Administratoren in geeigneter Weise vorgegangen werde. Dem Actionscomite wird es überlassen, in geeigneter Weise diese Verbindung herzustellen. Rev. W i s e und I. H. E l l m a n n beantragen, dass zu Punkt 2 der Anträge ein Zusatz komme: „Die für die Administralionsausgaden nöthigen Mittel bestreitet das Actionscomite, welchem diese Coulmission untersteht."' Die Anträge werden Jeu bloc sammt Zusatzanrrag angenommen. Als nächsten Punkt der Tagesordnung erklärt der Präsident die Culturfragen. Rabbiner Dr. Ehrenpreis erklärt, der Zionismus strebe keine religiöse und keine antireligiöse, sondern eine nationale Cultur an. Man müsse dem Volke den geistigen Inhalt geben, nach dem es dürste. Es solle sich nicht nur an den ftemden Dichtern erfteuen, sondern auch an seinen eigenen. Die vornehmste Aufgabe müsse eine erziehliche sein. ES sei Pflicht des Congresies, diejenige Organisation und Institution zu schaffen, welche dazu beitragen, den Mangel der Jugenderziehung zu beheben. Es müffen außerhalb der bestehenden Organisation Formen gefunden werden, die den genannten Zweck erfüllen. Darum habe die Cultur-Commission die Gründung eines allgemeinen hebräischen Sprachvereines in Aussicht genommen. Die hebräische Sprache und ihre Erlernung sei die erste Bewegung einer jüdischen Cultur. Der allgemeine Sprachverein soll diese Frage lösen. Referent stellt folgende Schlussanträge : 1. Der Congress beschließt die Gründung des „Allgemeinen hebräischen Sprachvereines" mit dem Sitze in Wien auf Grund des den Congressmitgliedern vorliegenden Statutenentwurfes und wählt einen aus fünf Mitgliedern bestehenden Vorstand, welchem die behördliche Legalisierung des Vereines und die Leitung desselben in der nächsten Geschäftsperiode obliegt. Für diesen Vorstand beantragt der Culturausschuss folgende 5 Herren: Lector M. Friedmann, Wien; Profeffor Leo Kellner, Wien; Dr. Leopold Kahn, Wien; Dr. Ehrenpreis, Djakovar: Dr. Korkis, Lemberg. 2. Der Congress wählt eine fünfzehngliederige Cultur- Commission, welcher alle geistigen Aufgaben der zionistischen Bewegung zugewiesen werden. Die Cultur-Commission ist innerhalb der vom Congreffe gefassten Beschlüsse in ihrem Wirkungskreise völlig selbständig. Dem Actionscomite steht nur in dem Falle das Recht des Einschreitens zu, wenn die Cultur-Commission ihren durch die Congressbeschlüsse bestimmten Wirkungskreis überschreiten sollte. Der jeweilige Obmann der Cultur-Commission hat Sitz und Stimme im Actionscomite. Das Actionscomite wird angewiesen, die Verwaltungskosten der Literatur-Commission aus den Schekeleinnahmen zu bestreiten; ferner einen ausreichenden Theil ihrer Einnahmen der Cultur-Commission für ihre positiven, vom Congresse beschlossenen Arbeiten zur Verfügung zu stellen. 3. Der Congress beschließt die Culturarbeit in Palästina, speciell der Errichtung und Erweiterung der Schulen, namentlich dem Bet-Seter in Jaffe seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden; der Congress hält es jedoch für nothwendig, dass vom Actionscomite behufs Erforschung der Culturverhälrnisse in Palästina ein Delegat dorthin entsendet werde. Der Referent empfiehlt folgende Resolution: Der Zionismus erstrebt nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes und befindet sich hiebei aus dem Boden der modernen Cultur, an deren Errungenschaften er festhält. Der Zionismus unternimmt nichts, was dem Religionsgesetze des Judenthums widerspricht. Der Culturausschuss des Congresies wird in Permanenz - erklärt. Dr. Gast er, stürmisch begrüßt, sagt: „Bisher haben wir von Millionen Geldes, von Millionen Menschen, von Bankgründung und Colonifation gesprochen, also von vergänglichen Dingen der Welt. Jetzt wollen wir von Millionen Seelen sprechen, von den unvergänglichen Gütern der Cultur und Erziehung, von Glaube und Wahrheit. Soll unser Zionismus lebenskräftig sein, so darf er sich nicht einseitig auf politische und nationale Regeneration beschränken, sondern muss als sein Lebenselement die geistige Wiedergeburt einschließen." Redner hebt als ein Charakterrslikon des jüdischen Volkes seinen un- - verwüstlichen Optimismus hervor. „In den ärgsten Zeiten sagte es: „Es wird besser werdenFür die Juden gab es nie ein Mittelalter; bei ihnen, wie bei den Juden Aegyptens war es immer hell, wenn es auch ringsum finster war. Es ist ein Theil unserer Religion, alles Gute und Schöne auf dem Wege der Erziehung zu erstreben. Daher die vielen Schulen, die nach jüdischem Gesetz vor allem erbaut werden müssen. Das find die Schulen für die israelitischen Kinder; der Zionismus ist aber eine Schule für die Kinder Israels!" Redner betont die Wichtigkeit des religiösen Momentes für die zionistische Bewegung. Der Einzelne möge denken, wie er wolle, aber er hüte sich, gegen die Gesetze der Rechtgläubigkeit irgendwie zu verstoßen. Redner stellte einen diesbezüglichen Antrag,' der die stürmische Zustimmung der Versammlung fand. Dr. Gaster wurde von einigen begeisterten Delegierten auf die Schultern gehoben und im Saale herumgetragen. Rabbiner Rabbinowitsch aus Poltawa erklärt, dass eine religiöse Haltung des Congresies dem Zionismus ungezählte Anhänger bringen würde. Rabbiner Dr. Thon erklärt, dass im Zionismus das Bindemittel gefunden sei, welches die verschiedenen religiösen