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Die Welt · 1898-04-07 · 14 (7.4.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
14 (7.4.1898)
Article
Das neue Ghetto
Date
1898-04-07
Page
14 (sequence 3)
Language
German
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I*S*r Nr- 14 gehen und ihm mein halbes Vermögen anbieten. Er kann auch mein ganzes verlangen, so muss ich's ihm geben — und den letzten Nagel da aus der Wand — und noch froh sein, wenn er mich nicht zwingt, von der Börse auszubleiben. Jacob (ernst). Das ist Deine Strafe. F r i e d h e i m e r (ist aufgestanden, nähert sich Jacob). Nun, brauchen Sie noch meine Unterstützung, oder haben Sie Herrn Rheinberg schon überzeugt? Jacob. Es war nicht möglich. Friedheimer (zu Rheinberg). Glauben Sie Ihrem Schwager! Er bat mich, ihn zu begleiten, weil Sie vielleicht auf meine Worte etwas geben würden. Rheinberg (verwirrt). Gewiss, gewiss! Friedheimer. Sie haben den Rittmeister sicher nicht übervortheilt — nach Börsenbegriffen. Wenn er auch ein Geschäftsmann wäre, dürfte er sich nicht beklagen. Aber Sie sind ihm in Börfen-Operationen überlegen. Daraus erwächst für Sie die Pflicht, ihn schadlos zu halten. Rheinberg. Wo denken Sie hin? Ich habe gegen ihn keinerlei Pflicht. Das glaubt nur mein Schwager, der Schramm in Schutz nimmt — ich weiß nicht, warum. Friedheimer. Weil er mit Recht annimmt, dass aus einem solchen Falle wieder gegen uns Juden Capital geschlagen wird. Das ist auch meine Ansicht. Darum stehe ich hier und bitte Sie, Schramm aufzuhelfen. Rh einb erg. Sie irren, Schromm verdient keine Hilfe. Er hat schrecklich dumm und leichtsinnig gehandelt. (Stampft mit dem Fuß.) Warum b. hielt er die Actien nicht ruhig im Kasten? Warum hat er sie verpfändet? Ganz abgesehen davon, dass die Lotterwirtschaft in seinem Bergwerk die Ursache von allem Unglück ist . . . Für dieses Bergwerk, das nicht zwei Millionen wert war, drei zu bekommen — das war ihm recht! Jetzt, weil er durch seinen Leichtsinn sich und andere ruiniert hat, jetzt beklagt er sich . . . Fragen Sie Wasserstein, ob ich den Rittmeister um sein Geld gebracht habe? Es war ein Zufall (Gepresst) — ein unglücklicher Zufall . . . (Eilt zur Thür, ruft hinaus.) Wasferstein! Wasferstein (draußen). Rheinberg? (Tritt ein.) Was wollen Sie? Rheinberg. Sie sollen sagen, ob ich irgendein Börfenmanöver gemacht habe, um Schromm zu ruinieren? Wasserstein. Wie heißt Manöver? Sie haben verkauft, wie die Tendenz war zu verkaufen. Ich, du, er, wir, ihr, sie — alle haben verkauft. Schlechte Ware verkauft man. Rosamunden sind geworden schlecht, hat man sie verkauft. Wo ist da ein Manöver? Wenn man schlechte Papiere nicht verkaufen darf, hört sich das Geschäft auf. Ich Hab' auch verkauft. (H ermine und Charlotte sind durch die Mitte wieder eingetreten) Rheinberg. Sind Sie schon gedeckt, Wasserstein? Wasserstein. Schon lang. Und Sie, RheinbergV Rheinberg (mit mühsamer Unbefangenheit). Ich auch. Natürlich! Wasserstein. Was geht uns der Rittmeister an? Kenn' ich den Rittmeister? Kennen wir den Rittmeister? 6. Srene. Die Vorigen, Diener, später Schromm. Diener (von links, meldet). Herr Rittmeister von Schromm. Rh e in b erg (schnell). Ich bin nicht zuhause. Diener. Er hat sich schon beim Portier erkundigt. Rheinberg. Ich bin nicht zu sprechen. Jacob (leise zu Rheinberg). Du wirst der Auseinandersetzung auf die Dauer nicht ausweichen können... Ob früher oder später. Rheinberg (laut). Ich bin jetzt nicht in der Verfassung. Ich habe keinen ruhigen Kopf. . . Sprich Du mit ihm. Jacob. Ich? Rheinberg. Oder wer immer .. . Macht, was Ihr wollt! Ich bin nicht da. (Rechts ab.) Jacob (richtet sich auf, zum Diener). Lassen Sie den Herrn eintreten! W a s s e r st e i n (hält den Diener am Arm zurück, leise). Sie!... Sie sind ein starker Mensch. Wenn Sie laut reden hören, kommen Sie herein — und . . . (Macht die Geberde des Hinauswerfens.) Diener. Sehr wohl! (Ab.) W a s s e r st e i n (leise zu Charlotte). Wo ist die Glocke? Charlotte (zeigt ängstlich). Dort . . . Wozu? Wasserstein (zuckt die Achseln). Man kann nicht wissen. Hermine. Charlotte, wir sollten vielleicht hinausgehen. (Wendet sich nach rechts.) Schromm (stürmt von links herein, den Hut aus dem Kopf, bleibt wie angewurzelt stehen, als er die Damen erblickt, nimmt den Hut ab, verbeugt sich steif, wenig). Charlotte (gezwungen lächelnd). Guten Tag, Herr Rittmeister! Schromm (wiederholt die Verbeugung gemessen, wendet sich zu Jacob). Wo ist Herr Rheinberg? Charlotte. Mein Mann wird sehr bedauern —er musste leider gleich wieder Weggehen. Jacob (kalt). Ich bin informiert — und werde für ihn Rede stehen. Schromm (fixiert ihn). Sie? Charlotte. Die Herren haben geschäftlich zu reden? . . . Komm', Hermine, wir wollen nicht stören . . . Adieu, Herr Rittmeister! ("Ab rechts mit Hermine.) 7. Srene. Jacob, Schromm, Friedheimer, Wasferstein. Schromm (verbeugt sich wie ftüher, wartet bis die Damen abgegangen, nachher zu Jacob). Sie sind informiert — über den Bettug? Jacob (ruhig). Ich empfehle Ihnen, keine solchen Ausdrücke zu gebrauchen . . . Schromm (höhnisch herausfordernd). Widrigenfalls? Jacob. Ich müsste zu meinem Bedauern diese Unterredung abbrechen — die ich selbst wünsche. Der Sachverhalt soll aufgeklärt werden. S ch r o m m. Was gibt's da aufzuklären? Jacob. Zunächst liegt kein Betrug vor. Schromm. Das sagen Sie! W a s s e r st e i n. Das mus s jeder Mens ch - sagen. Schromm (misst Wasserstein vom Kopf bis zu den Füßen). Wer ist das? W a s s e r st e i n (höflich). Mein Name ist Wasferstein. Schromm (wendet ihm den Rücken, zu Jacob). Ich bin um mein Hab und Gut gebracht. Sie werden mir wohl einzureden versuchen, dass es mit rechten Dingen zugieng. Jacob. Ja, das werde ich versuchen. Schromm. Ein — Advocat kann alles! Jacob (beherrscht sich). Herr Rittmeister, bleiben wir ruhig! ... Es war ein verhängnisvolles Zusammentreffen. An der Verschleuderung Ihrer Actien war Rheinberg nicht schuld. Wasferstein. Zu was haben Sie die(7Actien verpfändet? Schromm (wettert ihn an). Schweigen Sie! Was erftein (verletzt). Ich bitte sehr. (Zieht fick Jacob. Hätten Sie die Actien in Ihrem Besitz behalten, so konnten Sie die Panik, die Entwertung überdauern, die nach dem Grubenunglück eintrat. Heute stehen die Actien schon wieder viel höher. S ch r o m m (grimmig lachend). Ja freilich, jetzt ist ja der Streich schon ausgeführt. Jetzt bin ich schon bestohlen!

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