Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 14 (7.4.1898)
- Article
- Das neue Ghetto
- Date
- 1898-04-07
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr,l4. ,pk2$Wdr Seite 13 irgendwo auf der Flucht. Rabbi Josuah schreibt: Im Monat Ab^des Jahres 5143 — vierzehntes Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung — waren in Mainz schon Vorzeichen der Judenverfolgung zu bemerken. Ein eigener Fall war der Fall des Jünglings^Moses ben Abraham. Moses war ein wackerer Jüngling, Sohn eines Handelsmannes, und wollte Gelehrter werden. So saß er in einer Sommernacht über den alten Büchern unserer Weisen und lernte. Da hörte er Wehruse durch die Nacht. Er beugte sich zum Fenster hinaus. Es war nicht im Ghetto. Draußen schrie man', vor dem Ghetto. Das Klagen wurde immer grässlicher. Da jammerte es ihn in seinem Herzen, dass er sich aushob und hinausschritt. Tie Mutter wachte aus, als er durch die Stube gieug. „Wohin gehst Du, mein Kind, so spät bei der Nacht!"... „Mutter, ich höre Jemand um Hilfe wimmern!"... Und er verschwand in der Nacht . . . Als er nicht miederkam und die Mutter sich in Angst verzehrte, stand sie auch aus und gieng hinaus, ihn zu suchen. . . Auch sie kam nicht wieder. . . Am anderen Morgen fand man Moses erstochen vor dem aufgerissenen Thore des Ghettos, und an der Leiche saß fröhlich lächelnd die Mutter... Sie war irrsinnig geworden. . . Nun, was sagen Sie zu der Geschichte? I a c o b. Dass rcy diefenstMoses von Mainz liebe und aus ihn stolz bin. Und so muss Jeder von uns handeln. Der Nothruf kann auch einmal echt sein. Friedheimer. Aber wir sind zu schwach. Jacob. Wenn der Starke großmülhig ist, wo ist das Verdienst? Aber der Schwache! Ta wird's rühmlich. Friedheimer (zuckt die Achseln, breitet die Arme aus lässt sie wieder fallen). 5. Scene. Die Vorige», Rheinbcrg. Rheinberg (von links, aus Friedheimer zu). Ich höre eben dass Sie da sind! Drückt ihm die Hand, nickt Jacob sehr kurz zu.) Wo ist Wasserstein? Jacob. Dort. Rhein berg (eilt zur Glasthür). Jacob. Ich habe mit Dir zu reden, nicht Wasserstein. R h e i n b e r g. Du? . . . Lasst mich ihn nur begrüßen! (Oeffnet die Thur halb, ruft überaus freundlich hinaus). Guten Abend, Wasserstein! Wasser st e i n. Abend, Rheinberg. Rheinberg. Sie wünschen nichts von mir? Wasserstein. Nichts, ich Hab' nur telophoniert. Rhein berg (süß). Sie selbst haben sich bemüht! Jacob (trocken). Komm schon — und mach' die Thür zu! Rhein berg (thut es und geht nach vorn). Also, was verschafft mir die Ehre? F r i e d h e i m e r l halblaut). Wir haben mit Ihnen in einer sehr ernsten Sache zu sprechen. R h e i n b e r g. Wir? . . . Beide? I a c o b. Jawohl. Und ich werde es Dir mit zwei Worten sagen. (Leise eindringlich.) Du hast den Rittmeister Schromm ruiniert — Du musst den Schaden wieder gutmachen. Rheinberg (ebenso leise). Ich Hab' ihn ruiniert? (Bricht in nervöses Lachen aus.) Tu bist verrückt! Er bat sich selbst ruiniert. (Zieht Jacob einige Schritte weit weg von Friedheimer, flüstert ihm ins Lhr.) Und mich hat er mitruiniert! Jacob (verblüfft). Was? R h e i n b e r g. Ich bin in einer verzweifelten Lage — es ist strenges Geheimnis. Niemand darf es wissen — lblickr sich scheu um) — am wenigsten Wassersrein, denn sonst erzählt er es morgen an der Börse. Dann wäre ich verloren. Jacob. Was ist geschehen? Rh e i n b e r g. Ich bin eingezwickt. Ich bin Tubnitzer Rosamunden-Actien schuldig und kann mir sie nicht verschaffen. Die Actien sind plötzlich aus dem Verkehr verschwunden. Ich habe den Kops in der Schlinge — und wenn er will, kann er zuziehen. Jacob. Er? Wer? Rh ein berg. Das weiß ich nicht. Es ist unheimlich. Der Mann, den ich nicht sehe, kann mit mir machen, was er will. Er kann mir den Preis dictieren -- nach seinem Belieben. Wenn ich wüsste, wer es ist, könnte ich zu ihm