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Die Welt · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Article
Das neue Ghetto
Date
1898-04-01
Page
15 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 JPkOWdC Seite 15. und sein Schwager haben Geld gebraucht. Wie also die Rosamunden-Actien ausgegeben waren . . . Charlotte. Haben sie sie verkauft? Wasser st ein. Nein.AEs war ausgemacht, dass sie die nicht gleich verkaufen dürsen — weil sie damit den Cours gedrückt hätten. Darum sind sie hergegangen und haben ihre Aktien bei einer Bank lombardiert. H e r m i n e. Was heißt das? W.a'sserstein. Sie haben daraus Geld ausgenommen—im ganzen eine Viertelmillion. Damit " haben sie ihre Schulden gezahlt. Aus einmal chricht der Strike aus. Jetzt waren keine Käufer für die Rosamunden zu finden. Aber der Cours hat sich gehalten — wir haben ihn gehalten. Rheinberg und ich. Aus einmal kommt das Grubenunglück. Da Hab' ich meine Hand abgezogen und mir scheint. Rheinberg auch. Die Actien sind heruntergekracht. Tie Bank war nicht mehr gedeckt und hat Schromm aufgefordert, sein Darlehen zurückzuzahlen, sonst werden die Psandactien verkauft. Wahlen hat er nicht können also sind dieActien um einen PappenstielanderBörs'verkauft w orden. Jetzt h at er kei - ne Actien und kein Bergwerk. C h arl otte. O weh! W affe r st e i n. Was geht das mich an? .... Ich werd' noch einen Löffel Caviar bitten. H e r m i n e. Weiß mein Mann von der Sache? W a s s e r st e i n. rum soll er es wissen? Jeder weiß es. 4. Scene. Vorige, Jacob, Friedheimer. Jacob (von links). Kommen Sie nur, Herr Doctor! Wir brauchen keine Anmeldung. Charlotte. Ah, Herr Doctor! (Geht Friedheimer entgegen.) Ein seltener Gast! (Alle sind ausgestandcu.) Friedheimer (drückt ihr die Hand). Wasser st ein. Ich habe die Ehre, Herr Doctor! Friedheimer (nickt ihm zu, dann zu Charlotte«. Herr Rheinberg ist nicht da? Charlotte. Roch nicht zuhause. Wasser st ein. Im Club wird er sein. Soll ich telephonieren? Jacob. Ja. Charlotte. Der Diener wird hinsprechen. Jacob (leise zu Charlotte). Lass' nur den Wasserstein und wir möchten überhaupt allein bleiben. Wasser st e i n. Soll ich telophonieren? Charlotte. Bitte! W a s s e r st e i n. Ich fliege. (Ab rechts.) Hermine (zärtlich). Jacques, Du hast mich nicht geküsst. J3 a c o t». Verzeih' mein Schatz! (Küsst sie ans die Stirn.) H e r m i n e. Es geht etwas Ernstes vor! Ich seh' es Dir an. I a c o b. Thut mir den Gefallen und bleibet mit Wasserstein draußen — oder schickt ihn weg. Charlotte. Das wird nicht gehen. Fritz hat ihn herbestellt. '-••• H ermi n^e (leise zu Jacob). Ich habe Angst. Etwas Unangenehmes ist Dir passiert. Jacob (ebenso). Sei ganz^ruhig. Mir persönlich nichts. Mein Wort daraus! Wasser st e i n (znrückkehrend). Ich habe telophoniert. Er kommt. Charlotte. Dante . . . Wollen Sie nicht eine Cigarre rauchen? Wasser st e i n. Ich rauch' — ich rauch' nicht, wie Sie wünschen. Charlotte. So gehen wir da hinaus. W a s s e r st e i n. In den Wintergarten? S bitte sehr. (Mil Charlotte durch die Mitte ab). Jacob (zu Hermine). Geh' Du auch mein Kind! (Fuhrt sie bis an die Glasthür, die er hinter ihr schließt.) Friedheimer «'setzt sich links vorn). So schrecklich war es also? Jacob (zurückkommend, nicht declamatorisch). sticht zu schildern, nicht zu sagen. Als ich ankam, förderte man eben Leichen zutage. Vor der Einfahrt des Rosamunden - Schachtes standen die Weiber und schrien, stöhnten, winselten. Und manche waren stumm. Die Hab' ich gar nicht ansehen können . . . Ach, die Bilder bring' ich nicht mehr aus meinen Augen. Alles ist schwarz. Der Kohlenstaub taucht alles in Trauer. Tie Fetzen, die sie anhaben, sind von der Kohle dunkel. Und der schneidende Herbstwind bläst durch die Lumpen, dass die hageren Glieder frösteln. Der Himmel sogar ist dunkelgrau. Und Kinder haben sie, dass es einen jammert. Kleine Kinder, die schon ernste, alte Gesichter haben, und es war mir, als blickten sie in einer Angst nach dem schwarzen Loch, das auch sie einmal verschlingen wird. Da werden sie hinunterfahren, wie ihre Väter, die man jetzt herausholt. Ta unten, unter Tage, werden sie die eisernen Hunde schleppen, noch als halbe Kinder — für fünfundvierzig Kreuzer täglich . . . Später, wenn sie Häuer sind, kauern und liegen sie in den Löchern und hacken über sich die Kohle in der Finsternis — und eine Unvorsichtigkeit mit der Lampe genügt. dass die schlagenden Wetter dreinsahren. . . Diesmal ist das Wasser gekommen. Das gibt Leichen! . . . (Bedeckt sich die Augen). Und morgen fahren sie doch wieder ein, unter Tage. Sie müssen! Sonst verhungern sie draußen im Freien. Fr i e d h e i m e r. Mein junger Freund, niemand leidet mehr, als er fühlen kann. Das hat Gott weise eingerichtet. Wer bloßfüßig geht, hat aus den Sohlen eine dicke Haut. ■

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