Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 13 (1.4.1898)
- Article
- Das neue Ghetto
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 j*$Wdtr Nr. 13 mir's bequem machen. Aber sonst! . . . Ich bin ein Pechvogel ... 2. Scene. Vorige, Diener, dann Bichler. Diener (tritt links sin, schwarzer Frack, weiße Halsbinde). Euer Gnaden, der Herr Doctor Bichler ist da. Charlotte. Bitten Sie ihn. Und dann servieren Sie den Thee. Diener (verschwindet einen "Augenblick links, kehrt dann hinter Bichler zurück, schließt den Wintergarten und bringt nachher den Thee). Wasser st ein. Ich werd' ihn auch insultieren. H e r m i n e. Con! W a s s e r st e i n. Wieso? H e r m i n e. Consultieren. Wasser sie in. Heißen Sie mich con—sultieren. V i ch l e r (von links, eine Leitung in der Hand, grüßt kurz). Den Kindern sehlt nichts. Wer ist der Patient? Charlotte. Ich . . . (Weist ihm einen Platz an.) Aber es geht mir schon besser. Bichler (knurrt). Seit Sie mich holen ließen? So ist's immer. «Setzt sich.) Charlotte. Ja. Ich hatte Migräne . . . Vorbei. Bichler. Ra, meinetwegen. Ich komme doch noch lieber zu Gesunden. W a s s e r st e i n «der sitzen geblieben). Das lass' ich mir gefallen. Das ist ein Doctor! Herr Doctor, Sie nu'issen auch mein Hausarzt werden. B i ch l e r (betrachtet ihn über die Brille hinweg». Ah? W affe r st e i n. Wirklich! Seit es mir gut geht — sehlt mir jeden Augenblick etwas. B i ch l e r « spöttisch nnterthänig». Ich bitte nur über mich zu verfügen. . . «In Hermiue.) Ist Ihr Mann schon zurückgekehrt? H e r m i n e. Aus Dubnitz? Ja. Seit vorgestern. Und in einer Aufregung! B i ch l e r. Die ist doch zu begreifen. Es war schrecklich. Charlotte. Sie meinen das Grubenunglück? Bichler. Ich habe in meinem Leben viel Elend und Krankheiten gesehen - «hebt die Zeitung.) aber wenn ich das lese, üb erläuft's mich. W a-sserstein. Sie haben da das Abendblatt? (Nimmt ihm das Blatt aus der Hand, ein Blick hinein.) Fest! . . . Danke. (Gibt es zurück., Bichl e r. Ich las eben im Fahren den Bericht. C h a r l o t t e. Etwas Neues? Bichler. "Nein. Dinge, die man schon seit acht Tagen weiß. Nur sind da genauere Schilderungen des Herganges . . . Ein Reporter hat im Spital mit einem Schwerverwundeten gesprochen. . . (Liest aus der Zeitung.) Aussage des Peter Vednik: „Wir waren seit einer halben Stunde eingefahren und arbeiteten im linken oberen Stollen der Rosamunde. Ich sprach noch mit meinen Nebenmännern. Wir wussten nicht, dass man unten sprengen wird. Aus einmal hören wir einen Knall. Wir werfen alle das Werkzeug hin und lausen nach dem Fahrschacht. Hinter mir stolpern einige. Wie wir in den Kreuzgang kommen — lausen sie schon von allen Seiten. .Die untere Rotte ist verloren", schreien sie. Dort ist mein Sohn. Ich will versuchen, zu ihm zu dringen. Da schreien sie: .Das Wasser kommt!- Sie wollen mich halten. Ich reiß' mich los und laufe. Aber wie ich zu den Gerüsten komme, bricht es zusammen, und unter den Balken hervor haben sie mich dann geholt und herausgesordert. . Folgt die Schilderung seiner Wunden. (Pause.) H e r m i n e. Der Arme! Wasserstein (leise, erregt). Es zerreißt mir das Herz. Bichler. Nachschrift. Telegraphisch wird gemeldet, dass auch Peter Vednik seinen Verletzungen erlegen ist. (Fallet die Zeitung zusammen.! H e r m i n e (wischt sich die Thränen aus den Augen). Mein Mann hat es mir schon erzählt. Dieser Arbeiter war vor sechs Wochen bei ihm. Damals ist Jacques zum erstenmal nach Dubnitz gereist, um die Sache der Arbeiter zu ordnen. Bichler. Ja, man sagt, dass er sie zum Strike bewogen habe. W a s s e r st e i n (erregt). Entschuldigen Sie, der Strike ist erst ausgebrochen, wie Doctor Samuel schon hier war. Bichler. Woher wissen Sie das? Wasser st e i n. Der Strike ist ausgebrochen vor vier Wochen, nachdem die Dubnitzer Rosamunden-Actien schon an der Börs' eingesührt waren. Bichler. Nach drei Wochen waren die Arbeiter ausgehungert und mussten wieder einsahren. Aber während ihrer Abwesenheit hatte das Wasser gearbeitet — gewühlt . . . Und als sie wiederkamen. . . Wasser st ein. Es wird mir ganz weich. Aber wer kann dafür? Bichler (erhebt sich ernst). Das ist die Frage! . . . Charlotte. Sie nehmen doch noch eine Tasse Thee mit uns. (Bietet ihm eine an.) Bichler. Danke, ich habe Eile... (Zu Hermine.., Grüßen Sie Ihren Mann von mir! (Verbeugt sich.) Wasser stein. Grüß' Sie Gott, Herr Doctor! Bichler (ab). 3. Scene. Charlotte, Hcrmine und Wasserstcin am Theetisch, später Diener. Hermine. Seit dieser Geschichte ist Jacques ganz außer sich. Tag und Nacht denkt er an nichts Anderes. Charlotte. Dein Mann ist ein überspannter Mensch — vor Wasserstein darf man es ja sagen. Wasser stein. Ich bitte, vor mir dürfen Sie alle^ sagen. (Schlürft den Thee.) H e r m i n e. Ueberspannt nennst Du das, wenn eine Herz für arme Menschen hat. W a s s e r st e i n. Ich sag' Ihnen, mir ist das Gruben Unglück auch nahegegangen. Ich war so erschüttert, das' ich bin an die Börs' gegangen und Hab' alle meine Kohlen esfecten verkauft. Ich Hab' nichts mehr wissen wollen vo Kohlen, wenn Menschen zugrund' gehen dabei. . . Un der Zufall hat wollen, dass mein Herz mir das Richtig eingegeben hat. Ich Hab' bei den höchsten Coursen ve, kauft. Dann sind sie gefallen. . . Ah, denk' ich mir, s ist das! Und ich bin in die Contremine gegangen un Hab' verkauft und verkauft. . . Und es war gut. C war sehr gut . . . Ich werd' noch ein Leberbrotche nehmen, ja? Diener «(von links). Herr Rittmeister von Schrom ist da. Charlotte. Ich lasse bitten. Diener. Er kommt nicht zur gnädigen Frau, sa er — sondern zum gnädigen Herrn. Charlotte (ärgerlich). Der Herr ist nicht zuhauj Diener. Ich hab's ihm ja gesagt. Er hat mi angeschrien, ich soll gut Nachsehen. Wenn der Herr je nicht zuhaus' ist, wird der Herr Rittmeister in einer Stun wiederkommen. Charlotte (achselzuckend). Auch recht. Diener (ab). W a s s c r st e i n (kratzt sich den Kops). Püh, das wi Rheinberg unangenehm sein. Charlotte. Warum? W a s s e rst ein. Sie wissen nicht? Charlotte. Mein Mann spricht mit mir nie v seinen Geschäften. Was gibt es mit Schramm. Wasser st e i n. Der Rittmeister ist ruiniert. Charlotte. Wirklich? Hermine. Durch das Grubenunglück? W a s s e r st e i n (kauend). Glicht gerade durch l Grubenunglück, aber es hängt damit zusammen .. . Schroi