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Die Welt · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Article
Das neue Ghetto
Date
1898-03-25
Page
15 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Seite 15 Jacob. Halt! Das will ich nicht. Wasser stein (schmunzelnd, leise zu Rheiuberg). Erwirb sich doch den Verdienst nicht entgehen lassen. Jacob. Ich habe einen besonderen Grund — einen persönlichen. Dein Geschäft mit Schromm in Ordnung zu bringen. Rheinberg. Gut. Jacob. Er soll sehen, dass er es mit anständigen Leuten zu thun hat... Rheinberg. Schromm weiss es. Jacob. Die ihn nicht verkürzen wollen. Rheinberg. Richtig. Jacob. Und ich will von Anfang bis zu Ende dabei stehen. R h e i n b e r g (reicht ihm die -Vaud). Abgemacht! Wasserslein (sieht auf seine Uhr). Um Gotteswillen! Rheinberg. Was gibt's? W a s s e r st e i n. Die Börsenstund'! . . . Haben wir keine andere Sorg', wie Philosophieren?... Ich geh', — mein Beruf ist Börsianer. Wenn Sie noch dableiben wollen — ich steh'. aus glühende Kohlen — was ich gekauft Hab' . . . Adieu, Herr Doctor! (Rasch ab). Rheinberg. Warten Sie, Herr Wasserstein! (Nickt Jacob zu, eilt hinaus.) 9. Srcne. Jacob, Sollicitator, Vednik. Jacob (allein). Ich werde acht geben, dass dem Rittmeister nichts widerfährt! . . . (Letzt sich an seinen Schreibtisch). Jacob. Des Herrn von Schromm? V e d n i k. Ja, Herr! Jacob. Setzen Sie sich! Vednik. Bin ich der Vednik Peter. Haben's mich hergeschickt, weil ich gut daitsch sprich'. Weil uns schlecht geht — sehr schlecht geht. Hab'n wir beschlossen, einen Hof- und Gerichtsadvocat von Wien zu srag'n. Da sind Sie genannt wurd'n weil Sie vertheidigen Arbeiter. . . Unsere Cassa hat paar Gulden. (Scheu und lauernd.) Wird viel kosten? I a c o b. Meine Hilfe? Die kostet gar nichts. Vednik (erleichtert). Gut, Herr! . . . Js uns schon gesagt wurd'n, dass bei Ihnen nir kost't. . . Hab'n wir schon Opfer gebracht für meine Reise. Kostet sieb'n Guld'n — ganzer Wochenlohn . . . Bin ich krank gemeldet. Bin oft krank. (Pfiffig.) Darum glaubt man's. Geht niemand nach Alten-Tubnic Nachschau n. . . Vermalter darf nit wissen, dass ich gereist bin. Sonst alles aus! Jacob. Von mir wird's niemand erfahren. V e d n i k. Verwalter ist böser Mann! Hart gegen uns — hart! Gleich Strafgelder, Entlassung wegen nir. Tann hungern Kinder — und Große auch. Jacob. Habt Ihr Euch schon beim Herrn von Schromm beschwert? Vednik (lächelt matt.). Geht ja nit! . . . Gnädiger Herr schickt Pe—1i—zijon an Verwalter zurück, weil hat Vertrau'n . . . Dann is Verwalter wild. Geht nit! . .. Gnädiger Herr is ja gut. Schickt immer Geld wenn Unglück geschieht. Hab' ich auch damals dreissi Gulden 'kommen, wie mir is Arm gebroch'n — wie mir beim Einfahrt abgeftirzt sind. Guter Herr, nir zu sag'n. Aber Verwalter schlecht. Sollicitator (aus der Mitre). Soll ich den Mann jetzt hereinschicken? Jacob. Ach so! Versteht sich! Sosort! Sollicitator (ösinet die Mittelthür, winkt Vednik herein, geht dann ab.) Vednik (ein Halbkrüppel der Arbeit, verlegen, unsicher, dreht den Hut in der Hand). Jacob (fteundlich). Was wünschen Sie? Vednik (die Kehllaute rauh, starker slavischer dlccent). Sie haben mich hergeschickt — unsere Arbeiter von Dubnic. Jacob (horcht hoch auf). Von wo? Vednik. Von Dubnic — Bergwerk. •oacob. Sieber Freund, Sie müssen mir die Lage klar schildern, sonst jftann ich Ihnen weder rathen noch helfen?. . . (seufzt) wenn ich überhaupt helfen kann. Vednik (kratzt sich den Kopf). Wo soll ich's anfangen? .. . Muss ich aufsteh'n um viere früh, Hab' ich zwei Srund' zum Geh'n von Alten-Tubnic nach Dubnw- Bergwerk. Schicht dauert von sechse bis fechse — mannigmal länger. Dann wieder zwei Stund' zuruck nach Alten- Tubnic. Jacob. Und dafür bekommen Sie? Vednik. Ein Guld'n zwelf Greizer — Tag. Bin ja Häuer. Die Hundsschieber krieg n viel weniger. Aber wir klag'n nit über Lohn. . .

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