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Die Welt · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Article
Eine Vorrede
Date
1898-03-18
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 Nr. 11 Das neue Ghetto. Schauspiel in 4 Acten von Theodor Hcrzl. Illustrationen von I. M. Okin. (2. Fortsetzung) Zweiter Act. (Jacobs Arbeitszimmer. Haupteingang in ^der Mitte. Rechts und links je eine Thür. Tie Wände mit Büchern bedeckt. Rechts vorn ein Fenster. In einiger Entfernung vom Fenster der W große Schreibtisch, auf dem eine Studierlampe brennt.) 1. Srrne. Jacob, dann Franz. Jacob (sitzt am Schreibtisch, grübelnd, schreibend, in Büchern nachschlagend). F r a n z (tritt ein, ruft gedrückt). Servus, Jacob! Jacob (blickt erstaunt aus). Franz! (Steht aus, begrüßt ihn). Was bringt Dich so früh? Franz (unsicher lächelnd), sticht gar so früh. Zehn Uhr Vormittag. Jacob (sieht aus seine Taschenuhr). Wahrhaftig! . . . Ich mache Licht. (Geht an's Fenster, zieht den Vorhang aus, sieht einen Augenblick hinaus.) Sonnenschein! F r a n z (fasst die Lampe an). Soll ich abdrehen? Jacob. Wenn Du willst. Franz <dreht ab). Bist Du schon so lang auf? (Setzt sich.) Jacob. Seit fünf Uhr. . . Jetzt jeden Tag. Franz. Ah? Hast jetzt mehr zu thun? I a c o b. Als Advocat nicht ... Da geht's eher schlecht. (Oödit ans und ab.) Franz. Lieber Freund, ich könnte meine Kanzlei auch jeden Augenblick zusperren. Jacob (steht vor ihm). Du bist ledig, brauchst nicht viel. Aber ich! Der Hausstand bringt Sorgen. Man will doch auch der jungen Frau nicht alles abschlagen — nach halbiähriger Ehe. Nun und da macht man — eben - Schulden. Fron z. Geh! . . . Die Dich drücken? Jacob. Ziemlich. Franz. Du, ich Hab' neulich ein bissel was geerbt. Dreitausend Gulden. Die kann ich Dir borgen. Jacob. Im Ernst? Du ahnst nicht, welchen Gefallen Du mir thust. An meinen Vater will ich mich nicht wenden. Mit der Nhrmacherei verdient er jetzt nicht viel . . . Da bätt' ich also mit meinem reichen Schwager Rheinberg reden müssen und das . . . F r a u z (nickt). Widerstrebt Dir! Jacob. Er ist sehr gefällig, stellt mir auch jeden Augenblick seine Dienste zur Verfügung — aber — ich weiß nicht. . . Kurz, von Dir nehm' ich's lieber. Franz. Abgemacht! Du kriegst das Geld noch heute Vormittag. Jacob. Großartig! Franz als Geldgeber des Jacob! Du, das war' mein Traum, dass die Christen den Juden borgen — gegen Wucherzinsen! Franz (lacht). Na, ich nehm' keine. Jacob (lacht auch). Und ich hab's geglaubt. . . (Reibt sich die Hände). Franzl, jetzt wird's mit der Arbeit vorwärts geh'n — wenn ich den Kops frei Hab' von den dummen Geldsorgen. Franz (deutet nach dem Schreibtisch). Was machst denn? . . . Schreibst? Jacob. Etwas Großes, Franz — etwas Großes! . . . Du weißt, dass ich in der letzten Zeit ein paar arme Teufel von Socialisten zu vertheidigen hatte. Dabei binich ihnen menschlich näher getreten und Hab' über sie nachgedacht. F r a n z (gemüthlich). Bist am End' auch einer geworden? Jacob. Das nicht. Sie haben vielleicht Recht, aber ich versteh's nicht. Ich will das Capital nicht ausrotten .'lassen. Es gienge dabei zuviel zugrunde, zuviel Cultur! Ich will Fleiß, Spartrieb und Er findungsgeist nicht von der Erde verbannen. Und nützliche Unternehmungen sollen ihren reichen Lohn haben - bis zu einer gewissen Grenze. Franz. Ja, wo ist die Grenze? I a c o b. Die suche ich. Franz (lacht). Ah so! Jacob. Sie muss zu finden sein ... Da schau' her, da studier' ich verschiedene Industrien, von Grund auf. Vorläufig zehn Unternehmungen. Ich schenk' Dir die Einzelheiten . . . Die Moral, der große Fluss, hat neue User bekommen. Was gestern ehrlich war-, ist's heute nicht mehr. Regulieren wir die User! . . Höre! Dir Freund, kann ich ja auch meine halbfertigen Gedanken sagen . . . Franz (steht aus). Halt! Du kannst es nicht mehr. Jacob. Oho, warum? Franz (mit gesenkten Augen). Weil wir auseinander geh'n müssen. Jacob. Ich versteh' nicht. Franz. Ich will mich von Dir trennen. Darum bin ich heute gekommen. Jacob (fassungslos). Franz! Franz. Es thut mir weh .. . (fest.) aber ich kann nicht anders. Jacob. Was ist vorgefallen? Franz. Bei Dir ist eine Aenderung eingetreten. Du hast — eine andere Umgebung, eine andere Gesellschaft — in die ich mich nicht finden kann. Diese Rheinbergs, dieser Wasserstein — und wie sie alle heißen. . . Freund, nimm mir's nicht übel — die kann ich nicht vertragen. Es geht mir gegen den Strich. Und man kann nicht ausweichen — jeden Augenblick trifft man einen bei Dir, seit Deiner Verheiratung. Sind halt Deine Leut'! Du kannst nichts dafür — und doch Hab' ich manchmal einen Zorn auf Dich. Aus Dich! Es ist ungerecht — und siehst: darum will ich mich von Dir lossagen. Nicht so in kleinen Brüchen, nicht so g'wiss verschämt und wehleidig, und dass man sich so nach und nach missversteht — nein, aus einmal! Ich bleib' Dir im Herzen gut, in jeder Noth steh' ich zu Dir — wie Du zu mir, das weiß ich. Aber mit dem Verkehr ist's Rest. Jetzt gib mir draus die Hand! Jacob (reicht ihm die Hand). Ich danke Dir für Deine Aufrichtigkeit, Franz! Du hast es Dir gewiss gut überlegt, bevor Du Dich entschlössest, n.ir diesen Schmerz zuzusügeu. Ich danke Dir für Deine gute Freundschaft in den vielen Jahren. Ich Hab' auch viel von Dir gelernt.

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