Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 11 (18.3.1898)
- Article
- Eindrücke
- Date
- 1898-03-18
- Page
- 7 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr- 11 Seite 7 ich meine» Sitz einnehme, fühle ich mich verpflichtet, de» große» Vorschub, de» der Zionismus seit dem Beginn der Thätigkeit Dr. Herzls gewonnnen hat, anzuerkennen. Wiewohl ich in einigen Punkten bezüglich des jüdischen Staatswesens mit Tr. Herzl nicht übereinstimme, so stört dies unsere Freundschaft keineswegs, denn so soll es unter Zionisten sein". Hierauf las Mr. I. de Haas einen Brief vor, den Tr. Herzl an die Versammlung gerichtet hatte. Mr. Joses Prag erstattete Bericht über die bisherige, ohnehin bekannte Thätigkeit des Pariser Comitc-s. Ten Bortrag von O b e r st C o n d e r, dem gegenwärtig besten Kenner der Geographie Palästinas über die Geschichte der Juden in Palästina, brachte Rev. Hermann Gollaucz zur Vorlesung. Ten ausführlichen Inhalt dieses, die politischen Wandlungen der palästinensischen Juden eingehend schildernden Vortrages werden wir in der nächsten Nummer nachtragen. Tr. S. A. H i r s ch, der verdiente Secretär der „Chovevi Zion Association" vertrat in seinem Referat „Ter Zionismus lind die nationale Idee" entschieden den nationalen Standpunkt. Tas Wort „Zion" sei ihm mehr als ein bloßes Wort oder eine Allegorie, es sei ihm „eine lebendige Thatsache, eine lebendige Organisation". „Der Zionismus enthält in sich unsere Hoffnmlgen auf eine Wiedergeburt unserer Rasse und auf eine Wiederherstellung Israels". Darum sei auch das heilige Land für uns Körper und Geist. Eine Frage nach der jüdischen Nationalität könne nicht bestehen. Die Juden sind eine Skation. Was sie aneinander knüpft, sei unsere Religion,. unser Land, unsere Sprache, unsere Literatur, unsere ruhmreiche und einzig dastehende Geschichte. Die „Protest-Rabbiner" kamen gar nicht gut weg. Dr. Hirsch erinnerte an den Auszug der Juden unter Esra, den diese Herren „gewiss nicht gut geheißen hätten". Sie seien ja bemüht, die Religion von der Nationalität zu trennen, und doch sind diese im Judenthum untrennbare Begriffe. Redner bekämpfte auch die unsinnige Anschauung, die nicht blos auf dem Continente verbreitet zu sein scheint, dass der Nationalismus als ein Rüch'chritt verschrieen wird, sobald es sich um die jüdische Nation handelt, „in sonstigen Fällen aber, wo es heißt, sich als Engländer, Franzose, Siamese, Patagonier oder dergleichen zu girieren, als Tugend betrachtet wird. Mit einem begeisterten Appell, dem Zionismus und jüdischen Nationalismus treu zu bleiben, schloss dieser mit eimnüthigem Beifall aufgenommene Vortrag. Jetzt begann die Tiscussivu. Dr. H i r s ch stellte den Antrag: „Die Eonferenz ist der Ansicht, dass die nationale Idee einen integrierenden Bestandtheil des Zionismus bilde". Hiezu beantragte I. de H a a s ein Amendement: „Tie Eonferenz ist der Ansicht, dass die nationale Idee einen integrierenden Bestandtheil der zionistischen Bewegung bilde, und dass es die Pflicht aller Juden sei, sich zum Zwecke einer gesetzlichen Wiederansiedlnng des jüdischen Volkes in Palästina zu vereinigen". Diese Fassung gelaugte nach einer eingehenden Discussion als eine Resolution mit 95 gegen <; Stimmen zur Annahme. Mit einer Danksagung Chief-Rabbi G a st e r s an den Vorsitzenden schloss die Vormittags-Sitzung. Ein improvisiertes Concert, bei dem hebräische Gedichte und Lieder vorgetragen wurden, bildete den Uebergang zur N a ch m i t t a g s - S i tz u n g. Den Vorsitz übernahm Mr. Josef Prag, der auch sein Referat über den gegenwärtigen Stand der Colonisation in Palästina erstattete. Wir finden in demselben eine genaue Beschreibung der einzelnen Colonien und ihrer Enttvickelung. Mr. Prag schloss mit folgendem Anträge: „Diese Eonferenz ist der Ansicht, dass die Colonisation Palästinas sortgesetzt werden soll durch Unterstützung der bestehenden Colonien, Ansiedelung der in Palästina lebenden Juden als Ackerbauer und wenn möglich durch Aneiferung von Körperschaften, die in Palästina Colonien errichten wollen." Mr. Rabbinovicz (Präsident der Ortsgruppe London- East) unterstützt diesen Antrag. Mr. Holpern (Delegierter der „Dorshei Zion Association“ in Liverpool) beantragt folgenden Zusatz: „Es ist wünschenswert, dass die bestehenden Colonien so tveit als möglich geschützt und unterstützt werden, aber die Bemühimgen müssen hauptsächlich darauf gerichtet sein, die politisch-zionistische Bewegung vorwärts zu bringen." Mr. Rosenzweig (Liverpool) unterstützt den Zusatzantrag. Mr. Jsh-Kishor ist dagegen. I. de Haas beantragt statt „wenn möglich" den Satz „ohne dass die allgemeine Bewegung dadurch gestört werde." Diese Fassung der Resolution wird von Dr. Ga st er unterstützt und angenommen. Mr. I s h - K i s h o r hielt dann einen Vortrag über „Das Hebräische als lebende Sprache." (5r schilderte den Aufschwung, den die hebräische Sprache und Literatur in den letzten Decennien genommen hat, er nannte die hervorragenden Dichter und Publicisten, die auf diesem Gebiete gewirkt haben und stellte folgende Postulate auf: 1. Die Unterstützung der öffentlichen Schulen, in denen hebräisch als ein besonderer Gegenstand unterrichtet wird; 2. die Anwendung der neuesten Unterrichtsmethoden; tz. die Schaffung eines Unterrichtsfondes; 4. die Gründung eines Instituts vou Ehren-Prüfungs- Commissären; 5. die Eröffnung von Bibliotheken und Lesehallen; 6. die Aneiferung von Vereinen und Körperschaften zur hebräischen Conversation. Sohin wurde folgende Resolution angenommen: „Die Eonferenz empfiehlt dem Hauptquartier der ,.('liovevi Zion Association“ die Bildung eines besonderen Comitos zur Verbreitung des Hebräischen als lebende Sprache durch Unterstützung der entsprechenden Schulen, und erwartet, dass es seine besondere Aufmerksamkeit dem „Beth Hasepher" in Jaffa zuwenden werde." Abend-Sitzung. Den Vorsitz übernahm Mr. H. B entwich, um selbst einen Vortrag über die Stellung und die Aussichten des Zionismus in England zu halten. Redner berührte zuerst die Entstehung der „Chovevi Zion Association“ vor 13 Jahren und deren Entwickelung bis zur gegenwärtigen Anzahl von Ortsgruppen, Frauen-Bereinen und akademischen Cirkeln. Er erinnerte an die Petition der englischen Juden, die durch den Lord Rothschild an Lord Salisbury und dann an den Großherrn gelangen sollte und von welcher Sir M o n t a g n als Obmann dieser Versammlung sagte: sie würde nicht nur eine Förderung der Colonisation, sondern auch eine praktische Vorschubleistung der jüdischen Aspirationen ans die Errichtung eines jüdischen Staatswesens herbeiftihren. Die Association habe auch Geld gesammelt, um eine eigene englische Colonie zu gründen, ohne dass ihr dies gelungen wäre. Durch den „Judenstaat" wurde dann der Zionismus auf eine viel breitere und allgemeinere Basis gestellt. Mr. B e n t w i ch begründete sodann den Zionismus, seine Wichtigkeit für die ethische Hebung, physische Regeneration und materielle Erlösung der jüdischen Massen „in unserer alten Heimat", und schloss mit einem Appell an die Einigkeit. Er fand sehr viel Beifall. lieber die so wichtige Frage der „Reorganisation der Chovevi Zion Association" referierte der unermüdlich thätige zionistische Agitator und Journalist Jacob de Haas. Er nannte die Eonferenz ein Echo, eines der vielen Echos des Baseler Congreffes. Die zionistische Bewegung sei eine Volksbewegung, die nicht den Zorn der Reichen, sondern den Jndifferentismus der Massen zu fürchten habe. Und diese Conferenz sei eben ein Protest gegen den Jndifferentismus, die Lethargie und Unterwürfigkeit. Diese Eonferenz soll auch das Mittel sein, durch welches nicht blos verschiedene Ansichten ausgedrückt werden, sondern auch eine verfolgte Nation sich Gehör verschaffen könne. Allein zu diesem Zwecke sei eine Geschlossenheit nöthig. Um diese zu erreichen, proponierte Redner statt der „Association" eine „Föderation." Dieselbe soll alle zionistischen Vereine Großbritanniens umfassen, und unter der Leitung eines von der halb- oder ganzjährig zusammentretenden Eonferenz gewählten Executiv-Comites stehen. Der Minimal-