Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 11 (18.3.1898)
- Article
- Eindrücke
- Date
- 1898-03-18
- Page
- 8 (sequence 5)
- Language
- German
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jPWtwr beitrag eines jeden Föderationsmitgliedes hat mindestens ein Penny (fünf Kreuzer) wöchentlich und außerdem den Schekel zu betragen. Die Schekel gebären dem Actions-Comite und von den Mitgliedsbeirrägen sind von den Vereinen an das Föderatioirs-Comite 20 Percent für Berwaltungszwecke abzuführen. Tie Mitglieder dieses Comitäs seien nach Ablauf ihrer Wahlperiode unmittelbar nicht wieder wählbar, „um das Cliquewesen, die Ambitionen und die Chewraschaft" von der zionistischen Partei fernzuhalten. Im Interesse der Propaganda regt Mr. de Haas die Schaffung eines Central-Agitations-Comites an, das die Gründung von neuen Vereinen, die Publication von Flugschriften und dergleichen überwachen würde. Nebstdem hätte jeder Verein ein eigenes Agitations-Comitö einzusetzen und periodisch wiederkehrenden Abenden seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Diesem Elaborat schloss Redner folgenden Antrag an: „Diese Conferenz hält die Schaffung einer Organisation aller zionistischen Vereine Großbritanniens für nothwendig und ersucht das Hauptquartier der „Chovevi Zion Association“, diesem Umstande Rechnung zu tragen und aus seiner Mitte fünf Mitglieder zu bestimmen, die mit den später zu wählenden fünf Mitgliedern der nichtattachierten Vereine die vollständigen Sratilten anszuarbeiten und über das Resultat allen Vereinen innerhalb zweier Monate Bericht zu erstatten hätten." Dieser Antrag wurde mit einigen Amendements angenommen. 1. Die Anzahl der zu wählenden Mitglieder wird auf je sechs erhöht. 2. Die Conferenz ist eine Institution mit consultativer Macht und versammelt ffch zweimal jährlich in London oder in einer Provinzstadt. 3. Ein Delegierter darf nicht mehr als einen Verein repräsentieren. 4. Die gesammte Propaganda in Großbritannien hat der Eontrole des Central-Comitös zu unterliegen und einen einheitlichen Character zu tragen. Es sollen Einrichtungen getroffen werden, dass Vereinen in verschiedenen Städten dieselben Redner zur Verfügung stehen." Das letzte Referat erstattete noch Mr. Rüben st ein über „Cooperation mit den auswärtigen Vereinen." In sehr humorvoller Weise setzt er sich dabei mit denjenigen auseinander, die sich darüber den Kopf zerbrechen, wo der Zionismus „erfunden" sei und die ihm sogar die Marke anfkleben möchten „Made in Austria.“ Tie wichtigste Aufgabe sei die Gründung der Colonialbank und angesichts ihrer großen Bedeutung sollte die gesammte Judenschaft an ihr participieren, insbesondere jene, die oft genug Anleihen verschiedener Nationen und Staaten bei den verschiedensten Gelegenheiten und unter den verschiedensten Titeln poussiert haben. Vorerst sei die unbedingte Einigkeit und zwar eine Cooperation mit dem Wiener Comite nötig. Vir. Rubenstein beantragte daher:j „Tie heutige Conferenz ersucht alle zionistischen Vereine auf das Dringendste, sich unter der Leitung des vom Baseler Cvngress gewählten Centralcomites zu vereinigen und spricht die feste Hoffnung aus, dass sowohl das Pariser wie auch das Wiener Cenrralcomite ihre Maßregeln ergreifen werden, dass alle zionistischen Vereinigungen sich unter der Leitung eines Centralcomites vereinigen, dessen Sitz bei dem nächsten in Basel abznhaltenden Wellcongrcss bestimmt werden wird." Tie Ortsgruppe London-East verlangte ein Amendement: Es wird dem Hauptlager empfohlen, die Cooperation mit den continentalen „Cliovevi-Zion Associations“, die ihr Cenrralcomite in Paris haben, aufrechtzuhalten, und das Wiener Comite in der Verwirklichung seines politischen Programms zu unterstützen.) Dieser Antrag wurde jedoch nach einer sehr lebhaften Tiscusfion abgelehnt und der Antrag Rubenstein's mit der vom Vorsitzenden Mr. B entwich proponierten Aenderung „sich mir dem Wiener Comite zu vereinigen" statt „sich unter der Leitung rc." zum Beschlüsse erhoben. Tie Tagesordnung war erschöpft. Herr W o l f s o h n aus Köln beglückwünschte die Conferenz zu ihrer fruchtbaren Arbeit und unter begeisterten Hochrufen auf die zionistischen i Parteiführer wurde um 10 V2 Uhr nachts die Versammlung geschloffen. Die Delegierten, die der Conferenz beiwohnten, repräsentierten folgende Vereine: I. „Tie 35 Ortsgruppen, einen Frauen- und zwei Jngendvereine der „Ch o v e v i Zion Association." II. Zions-Bereine außer dieser Organisation: London: National Zionist League; Ahavas Zion II.; S'waas Zion. B e l f a st: Zionist Society. Dublin: Chovevi Zion Association. H a n l e y : Zionist Association. Leeds: Hebrew Literary and Zion Association. Liverpool: Brauch National Zionist Fund; Dorshei Zion. M a n ch e st e r: Dorshei Zion; Vaad Hazioni. III. Wohlthätigkeits-Vereine: Die Ortsgruppen des Maccabäer-Ordens in London, Liverpool, Manchester, Hanley. I V. P a l ä st i n e n s i s ch e U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n e : Sased: Masket et dal Hospital. Jerusalem: Talmud Thora. V. S o n st i g e Vereine: Leeds: Beth Hasepher. Birmingham: Talmud Thora. . Der „Jewish World“ hat eine glänzende Separatausgabe veranstaltet, welche einen vollständigen Bericht über die Londoner Zionisten-Conferenz nebst mehreren gelungenen Bildern enthält. — Auch der antizionistische „Jewi^h Chronicle“ widmet der Conferenz eine eigene Beilage mit guten Illustrationen. Geehrte Redaction!!^Wir ersuchen Sie höflichst um Veröffentlichung folgender Zuschrift: In unserem Hause besteht seit zwanzig Jahren die gute Sitte, im Falle der Erkrankung eines Bediensteten eine Collecte zu veranstalten, um den betreffenden Arbeiter oder Angestellten zu unterstützen. Fabrik und Lager befinden sich in einem Hause. Bisher wurde ausschließlich nur für Christen gesammelt, und jeder Jude gab dazu nach Kräften. Nun erhenkte fich Sonntag, den (>. d. M. ein bei uns angestellter jüdischer Handlungsgehilfe und ließ sein Weib mit vier unmündigen Kindern unversorgt zurück. Ein College, der in unserem Aufträge in die Wohnung des Unglücklichen eilte, gab uns eine derart grauenhafte Schilderung des dort herrschenden Elends, dass wir sofort eine Sammlung einleiteten, zu der wir selbstverständlich die Arbeiter und Arbeiterinnen beizogen. Diese gehören ausschließlich der socialdemokratischen Organisation an Wie groß war aber unser Erstaunen, als wir von einem Delegierten der Fabrik die Antwort erhielten: „Der Mann sei nicht ihr College." Wir Juden haben aber nie geftagt und wenn es selbst ein Lehrmädchen war, welches wir unterstützten, ob es unsere „Collegin" sei! Mit einem Worte: die christlichen Genossen und Genossinnen „geben nichts an Juden". Wo bleibt da Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!? Diese Angelegenheit hat dahin geführt, dass alle jüdischen Angestellten unseres Geschäftes, die früher Socialdemokraten waren, fich nun zum Zionismus bekennen. Wir hatten geglaubt, dass dieser Partei ihre Anhänger ohne Rücksicht auf Nation und Religion gleich wert seien. Durch diesen eclatanten Fall sehen wir zu unserem lebhaftesten Bedauern, dass wir uns in den Socialdemokraten getäuscht haben. Jüdische Handelsangestellte! Was wir Euch hier erzählen, ist nicht der erste und einzige Fall des Treubruches der Genossen an uns. Wollt Ihr nicht noch Aergeres sehen, schließet Euch von der socialdemokratischen Organisation aus und kehret heim zum jüdischen Volke, wie wir es gethan. PaulWeiß, JsidorBlitz, WilhelmPopper. II., Gr. Schiffg. 6. Floridsdorf, Katharinenhof.